• The Wall Street Journal

Aufseher nehmen Bilanzen von HP-Tochter unter die Lupe

Die Rechnungslegung des vom US-Technologiekonzern Hewlett-Packard übernommenen britischen Softwarehauses Autonomy kommt auf den Prüfstand. Die Amerikaner hatten Autonomy im Jahr 2011 für 11 Milliarden US-Dollar gekauft und mussten den Wert des britischen Unternehmens später um Milliarden abschreiben. HP begründete dies mit groben Fehlbewertungen in den Autonomy-Büchern. Nach einer Beschwerde durch HP untersucht jetzt die britische Aufsichtsbehörde Financial Reporting Council (FRC) die Autonomy-Bilanzen. Die Überprüfung dürfte beim alten Management von Autonomy und den Wirtschaftsprüfern von Deloitte für Kopfschmerzen sorgen.

Hewlett-Packard hatte die Übernahme im Oktober 2011 perfekt gemacht. Rund ein Jahr später musste der US-Computerkonzern den Wert der Softwareschmiede um 8,8 Milliarden Dollar berichtigen. Für die Abschreibung machten die US-Amerikaner hauptsächlich falsche Angaben in den Bilanzen verantwortlich. Autonomy habe vor dem Deal Umsatz und Gewinn künstlich aufgebauscht. Dadurch geraten auch die Wirtschaftsprüfer von Deloitte ins Fadenkreuz der Ermittler.

Autonomy-Gründer Mike Lynch weist die Vorwürfe energisch von sich und nennt sie "vollständig falsch". Er kritisierte Hewlett-Packard für die Beschuldigungen, die der Konzern ohne Vorlage von Beweisen in die Öffentlichkeit getragen habe. Hewlett-Packard hatte Lynch im Mai 2012 vor die Tür gesetzt und dies mit dem schlechten finanziellen Abschneiden der Software-Sparte begründet.

reuters

Ein HP-Logo in der Europa-Zentrale nahe Genf.

Deloitte will nach Angaben eines Sprechers vollständig mit den Prüfern der FRC kooperieren. "Wir hatten - wie bereits bei früherer Gelegenheit mitgeteilt - keine Ahnung von irgendwelchen Unregelmäßigkeiten oder falschen Darstellungen in den Bilanzabschlüssen von Autonomy", sagte der Sprecher. "Wir haben unsere Wirtschaftsprüfung vollständig gemäß der Vorschriften und allgemeinen Standards abgeschlossen."

Die Übernahme von Autonomy und besonders die darauf folgende Abschreibung zählen zu den schwersten Fehltritten von Hewlett-Packard in jüngster Zeit. Die Angelegenheit löste Unmut bei Analysten und Anlegern über die mangelnde Sorgfalt bei der Prüfung vor dem Deal aus. Auch die Entscheidungsprozesse im Verwaltungsrat von Hewlett-Packard gerieten in die Kritik. Auch weil das übrige Geschäft nicht mehr so rund läuft sind die Aktien des US-Technologieunternehmens in den vergangenen zwei Jahren um mehr als 65 Prozent eingebrochen.

Hewlett-Packard hatte die Tricksereien schon in den USA ins Visier der Justiz gerückt. Neben der britischen FRC ermittelt schon das US-Justizministerium. Der Computerkonzern versorgt nach eigenen Angaben auch die US-Börsenaufsicht (SEC) und die britische Behörde für schweren Betrug (SFO) mit relevanten Informationen. Die SEC und die SFO lehnten jeglichen Kommentar zu einer möglichen Überprüfung der Bücher von Autonomy ab. Autonomy verkauft Software, mit der Unternehmen Schriftdokumente, Präsentationen, Videos, E-Mails und andere Daten innerhalb firmeneigener Intranets durchsuchen können.

Die FRC ist die Aufsichtsbehörde für Wirtschaftsprüfer und - mathematiker in Großbritannien. Sobald die Ermittlung abgeschlossen ist, wird die FRC über Disziplinarmaßnahmen gegen die für die Bilanzen Verantwortlichen entscheiden. Den Wirtschaftsprüfern und -mathematikern droht ein öffentliches Verfahren vor einem Berufstribunal - ähnlich einem Gerichtsverfahren, nur ohne strafrechtliche Folgen. Das Tribunal kann Geldstrafen und zeitweilige Berufsverbote gegen die betroffenen Wirtschaftsprüfer aussprechen.

"Wir begrüßen diese Untersuchung", sagte ein Sprecher von Autonomy-Gründer Lynch und anderer früherer Manager des Softwarehauses. Nun könne der Beweis erbracht werden, dass die Bilanzen ordnungsgemäß erstellt wurden. Ein Sprecher von Hewlett-Packard wollte sich zur Untersuchung der FRC nicht äußern.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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