• The Wall Street Journal

Faule Kredite aus China sind wieder im Kommen

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Jahrelang liefen Verhandlungen über den Verkauf von Vermögenswerten, darunter war ein militärischer Themenpark (Foto). Doch die Rendite für die meisten Fonds war gering.

PEKING – Anleger aus dem In- und Ausland sind in Lauerstellung, um sich faule Kredite aus China zu sichern. Doch sie sollten gewarnt sein: Dieses Feld ist lukrativ, aber riskant. Schon viele Investoren haben sich daran die Finger verbrannt.

Aktuell sammeln spezialisierte Anleger Mittel, weil sie erwarten, dass die Banken aus dem Reich der Mitte bald ihre in Verzug geratenen Kredite abstoßen. Shoreline Capital Management, die schon lange in diesem Bereich tätig sind, haben Ende 2012 mehr als 300 Millionen US-Dollar für einen Fonds aufgetrieben. Der Hedgefonds DAC Management will die gleiche Summe für einen neuen Chinafonds aufbringen. Und die Fortress Investment Group plant den Kauf einer kleinen Firma in Guangzhou, die faule Kredite verwaltet, sagen mit dem Geschäft vertraute Personen.

Gläubiger haben kaum Möglichkeiten, ein Unternehmen abzuwickeln

Investoren aus diesem Bereich kaufen faule Kredite zu einem Bruchteil des Originalwerts. Wenn der Schuldner dann einen Teil der Summe begleicht oder Sicherheiten eingezogen werden, ist das der Profit der Anleger. Diese Strategie ist in China extrem riskant, denn nach dem Insolvenzrecht haben Gläubiger kaum Möglichkeiten, ein Unternehmen abzuwickeln. Stattdessen können sie die Kredite in Aktien umwandeln, mit dem Unternehmen über eine Teilzahlung verhandeln oder von einer dritten Partei Rückzahlung einfordern. In einigen Fällen können sie gerichtlich erwirken, Vermögenswerte der Firma oder der Unternehmensführung einfrieren zu lassen.

Einige faule Kredite sind bereits über chinesische Treuhandgesellschaften zugänglich. Diese gehören zum informellen Kreditsystem des Landes, das in den vergangenen Jahren Kredite im Wert von hunderten Milliarden Dollar an Bauunternehmen, Bergbaufirmen und Provinzregierungen vergeben hat.

Craig Blomquist, CEO von Fan Ya Tai Asset Management - der Firma, die von Fortress übernommen werden könnte - schätzt, dass heimische Käufer bis Ende September Kredite im Wert von 150 Milliarden Yuan (17,8 Milliarden Euro) von den Treuhandgesellschaften übernommen haben. Die Firmen werben Geld von wohlhabenden Privatpersonen und Unternehmen ein, um Firmenkredite zu vergeben und haben sich auch schon an ausländische Investoren gewandt, die Kredite von in Not geratenen Baufirmen übernehmen sollen.

Morgan Stanley und Goldman Sachs, die während des letzten großen Ausverkaufes fauler Kredite, der 2008 endete, eine große Rolle spielten, beobachteten zwar den Markt, seien aber noch nicht aktiv geworden, sagen Insider.

Die Zahl fauler Kredite in China stieg vor mehr als einem Jahrzehnt rasant, als Peking damit begann, die Bilanzen der großen Banken aufzuräumen. Sie hatten hunderte Milliarden Dollar an Krediten, die nicht bedient wurden, angehäuft. Jahrelang liefen Verhandlungen über den Verkauf von Vermögenswerten, darunter war ein militärischer Themenpark. Doch die Rendite für die meisten Fonds war gering. 2008 war die Aufräumaktion beendet, und die meisten Fonds existierten nicht mehr – sie hatten wesentlich länger als erwartet dafür gebraucht, die Kredite zu verkaufen, weshalb die jährliche Rendite deutlich sank.

Dieses Mal ist nicht klar, wie viele der Kredite, die in den Bilanzen der Banken, Treuhandgesellschaften und anderen Finanzinstituten stehen, faul sind. Aber Investoren gehen davon aus, dass sich im Zuge der weltweiten Finanzkrise eine Menge von ihnen angehäuft hat.

Ende 2008 begann Peking damit, massiv Kredite an Bauunternehmen, Provinzregierungen und große Industriefirmen auszugeben. Analysten rechnen damit, dass ein nicht unbedeutender Teil von ihnen nicht bedient wird. Hinzu kommt, dass durch das Schattenbankensystem noch mehr Kredite vergeben wurden – das könnte dazu beitragen, dass auch die Zahl fauler Kredite steigt.

„Die Leute werden die gleichen Fehler machen wie beim letzten Mal."

„Wir glauben, dass die Zahl fauler Kredite im Banken- und Finanzsystem bereits steigt", sagt David Madden von DAC Management. Der Hedgefonds, der Büros in Chicago und Hongkong hat, investierte im vergangenen Jahrzehnt 425 Millionen Dollar, den größten Teil davon in China. „Die entscheidenden Fragen sind, wann und wie die Regierung die Finanzinstitute dazu veranlasst, sie loszuwerden."

Laut der chinesischen Bankenaufsicht machen faule Kredite weniger als ein Prozent der gesamten Kredite im Bankensystem aus. Aber die Banken sind dazu angehalten, bei Krediten für Bauprojekte der Provinzregierungen ein Auge zuzudrücken und sie nicht als faule Kredite einzustufen. Laut der Ratingagentur Standard & Poor's waren von den Krediten, die die 50 größten Banken vergaben, bis Ende Juni 2012 drei Prozent nicht bedient worden.

Sein Unternehmen habe 100 Millionen Dollar eigene Mittel zum neugegründeten Fonds beigesteuert, sagt der Shoreline-Mitbegründer Benjamin Fanger. Mit einem Teil des Geldes wurden 400 Firmenkredite aus der südöstlichen Provinz Jiangxi gekauft. Die Kredite waren an staatliche Möbel-, Zement-, und Druckfirmen sowie an Bauunternehmen und Technologiefirmen vergeben worden. Shoreline habe sie für weniger als zehn Prozent ihres Originalwertes von einer Vermögensverwaltungsfirma gekauft, sagt Fanger.

Doch weil sie in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht haben, könnten Investoren vorsichtig werden. Die Politik der Provinzregierungen, ein undurchsichtiges Rechtssystem und uneinheitliche bürokratische Regeln sorgten bei vielen für Frustration. Hinzu kommt, dass auf dem Markt vier Jahre nichts passiert ist und sich viele derjenigen, die auf dem Gebiet Erfahrung haben, inzwischen mit anderen Geschäften beschäftigen. „Ein Großteil des Wissens ist verschwunden", sagt Blomquist. „Die Leute werden die gleichen Fehler machen wie beim letzten Mal."

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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