Von COLUM MURPHY
SCHANGHAI – Mit Razzien wollen die chinesischen Behörden gegen Verstöße gegen die Lebensmittelsicherheit vorgehen, nachdem jüngst in Fernsehberichten von illegalem Einsatz von Antibiotika in Hühnchen zu hören war, die in Schnellrestaurants auf den Teller kamen.
In der Hauptstadt Peking und der Finanzmetropole Schanghai wollen die Behörden nun stärker durchgreifen, um gegen die laschen Methoden in der Lebensmittelbranche vorzugehen. Auch Chinas Verbraucher werden zunehmend sensibel bei dem, was sie tagtäglich zu sich nehmen.
Nach einer Mitteilung des Shanghai Municipal Food Safety Committee können Lebensmittelfirmen schlimmstenfalls geschlossen werden, sollte sich herausstellen, dass sie sich elf der besonders schwerwiegenden Verstößen schuldig gemacht haben. Gedroht wird ferner mit dem Entzug von Subventionen und anderen Vergünstigungen.
Als schwerwiegender Verstoß wird der Einsatz ungenießbarer oder gesundheitsgefährdender Rohstoffe in der Lebensmittelproduktion gewertet, ebenso die Nutzung verbotener Zusatzstoffe. Manager müssen damit rechnen, bei Verstößen ihres Amtes enthoben zu werden. Weiter wollte sich die Behörde nicht dazu äußern.
In einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua vom Donnerstag heißt es, Peking werde in Kürze eigene, schärfere Gesetze zur Nahrungsmittelsicherheit erlassen. Hersteller oder Verkäufer von Lebensmitteln müssen mit einem dauerhaften Marktverbot rechnen, wenn sie unsaubere und gefährliche Nahrungsmittel in den Verkehr bringen, hieß es darin.
Gutter Oil - das Altöl in der Küche soll verschwinden
Manager, die sich solcher Vergehen schuldig gemacht haben, sollen für fünf Jahre ein Berufsverbot bekommen. Verboten werden soll auch wiederaufbereitetes Altöl in der Küche, sogenanntes gutter oil, das in China nach wie vor ein gesundheitsgefährdendes Problem darstellt.
Zwar erwähnt es die Behörde in Schanghai nicht direkt, doch hatte die Millionenmetropole in den vergangenen Wochen mit unappetitlichen Schlagzeilen von sich reden gemacht. So berichtete das staatliche Chinesische Zentral-Fernsehen CCTV kürzlich, dass Zulieferer von Yum Brands beschuldigt werden, widerrechtlich Antibiotika bei der Hähnchenmast eingesetzt zu haben.
Yum Brands betreibt die populäre Schnellrestaurantkette KFC und musste sich in dem Bericht die Frage gefallen lassen, ob es ausreichende Kontrollen bei der Lebensmittelsicherheit gebe.
Nach dem Bericht hatten Tests der für Lebensmittel und Pharmazeutika zuständigen Aufsicht in einer Yum-Produktionsstätte in Schanghai zwar ergeben, dass KFC die Grenzwerte für Antibiotika bei Hühnchen eingehalten hatte. Doch hieß es von der Behörde, weitere Tests seien nötig, weil sich verdächtige Mengen von antiviralen Medikamenten im Fleisch gefunden hätten.
Der gefundene Wirkstoff Amantadin wird üblicherweise zur Bekämpfung der Influenza-A-Viren eingesetzt und ist nach chinesischem Recht derzeit nicht verboten. Man werde sich mit Experten konsultieren, um einen Standard für den Einsatz des Mittels festzulegen, erklärte die Behörde.
Lebensmittelskandale reißen nicht ab
KFC hat erklärt, man beachte die Lebensmittelsicherheit und arbeite mit den Behörden in der Angelegenheit zusammen. Anfragen wurden an die US-Zentrale weiterverwiesen, dort war allerdings kurzfristig niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.
In China gab es in den vergangenen Jahren etliche Lebensmittelskandale. Beobachter machen dafür unter anderem die starke Fragmentierung des Agrarsektors verantwortlich, die systematische Kontrollen quasi unmöglich mache.
Experten für Lebensmittelsicherheit stellen den Erfolg der jetzt angekündigten Maßnahmen der Behörden in Schanghai in Frage: „Gute, sichere Lebensmittel sind vom richtigen Anbau und guter Herstellung abhängig, nicht von Aufsicht", sagte Wu Yongning, der leitende Wissenschaftler des China National Center for Food Safety Risk Assessment. „Was es am nötigsten braucht, ist Vertrauen. Menschen, die vertrauenswürdig sind, werden auch gutes Essen herstellen."
Umfragen unter Chinesen zeigen deutlich, dass Menschen sich zunehmend Sorgen um ihre Nahrung machen, nachdem schon Milch, Eier und Gelatinekapseln mit Skandalen in Verbindung gebracht wurden. 2008, als mit Melamin verseuchte Babymilch zum Tod von sechs Neugeborenen und 300.000 Fällen von Erkrankung führten, wurde China erstmals wachgerüttelt, dass mit der Nahrungsmittelindustrie etwas nicht in Ordnung sein könnte.
„Für die Aufseher besteht das Problem darin, die Firmen zu erwischen, die nicht sauber arbeiten, bevor diese Praxis medial aufgegriffen wird und sich zu einer nationalen Krise über Lebensmittelsicherheit auswächst", sagte James Rice, der Chef von CSM China, einer Tochter des niederländischen Backzulieferers CSM. Rice nennt das geplante neue Gesetz ein „Additiv". Die Behörden hätten ausreichend Möglichkeiten, die Gesetze durchzusetzen. Es sei ihnen auch gelungen, Lebensmittelkrisen effektiv und schnell zu lösen.
Doch seien die Behörden an der Grenze angekommen, wenn es um die personellen Kapazitäten gehe, sagte er. Es gebe schließlich hunderttausende kleiner Lebensmittelproduzenten in China.
—Mitarbeit: Olivia GengKontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de









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