Von JAMES R. HAGERTY
Für Raucher in den USA wird es zunehmend schwieriger, stille – und legale – Ecken für eine Zigarettenpause zu finden.
Mit Beginn des neuen Jahres dürfen sich Mitarbeiter des Industriekonzerns 3M und der Regierung des Ostküsten-Bundesstaates Delaware nicht einmal mehr vor der Tür eine Zigarette anstecken. In North Dakota, an der Grenze zu Kanada gelegen, ist seit diesem Monat das Rauchen auf den meisten öffentlichen Plätzen untersagt. Weitere Verbote stehen in vielen Städten vor der Tür, von Bangor im Nordosten der USA bis San Francisco in Kalifornien. Denn die Behörden wollen die Bevölkerung vor den Folgen des Passivrauchens schützen.
„Inzwischen ist es weniger die Frage, wer verbannt als Nächster das Rauchen aus der Öffentlichkeit", sagt Cynthia Hallett von der Organisation Americans for Nonsmokers' Rights, „sondern wer wird der Letzte sein".
Die Aussichten für Raucher sind jedoch nicht völlig düster. In vielen Spielcasinos ist das Rauchen weiterhin erlaubt. Außerdem gibt es ein Dutzend US-Bundesstaaten wie Florida und Oklahoma, die das Recht der lokalen Verwaltungen Rauchverbote festzulegen beschränken.
Die Bestrebungen, die rauchfreien Bereiche auszuweiten, gehen einher mit rückläufigem Tabakkonsum. Der Anteil von erwachsenen Rauchern in den USA ist 2011 auf 19 Prozent gesunken, von 23 Prozent 2001 und 42 Prozent 1965, so das US-Zentrum für Suchtbekämpfung und Prävention. Nach Schätzungen der Behörde sind ein Fünftel aller Todesfälle auf direkten und indirekten Zigarettenkonsum zurückzuführen.
Langer Weg zur Raucherpause
3M, Hersteller von Produkten wie Scotch-Klebefilmen und Post-it-Notizzetteln, aber auch im Arbeitsschutz aktiv, erweitert die Rauchverbotszonen auf die Außenbereiche an den Standorten St. Paul und Austin. Am Firmenhauptsitz in St. Paul arbeiten rund 10.000 Beschäftigte. Wer künftig eine Zigarette rauchen will, müsste auf den Parkplatz eines Einkaufszentrums in einigen hundert Metern Entfernung fahren. Eine Sprecherin von 3M begründete die Entscheidung mit der unternehmensweiten Gesundheitsinitiative.
Ab 1. Januar ist auch in Delaware das Rauchen an allen Arbeitsplätzen der Regierung einschließlich Parkplätzen, Bürgersteigen und andere Außenflächen in Staatsbesitz verboten. Die Richtlinie gilt auch für Elektro-Zigaretten, rauchfreien Tabak und Wasserpfeifen. Für Gouverneur Jack Markell „senden rauchfreie Zonen die Botschaft aus, dass Rauchen angesichts des Wissens um die beträchtlichen Risiken und die Folgekosten der dadurch verursachten Erkrankungen nicht akzeptabel ist", wie eine Sprecherin sagte.
Ein im November von den Wählern in North Dakota gebilligtes Gesetz untersagt das Rauchen in Restaurants, Bars und Hotels sowie in einem Umkreis von gut sechs Metern um Fenster und Türen von öffentlich zugänglichen Gebäuden. Die American Lung Association applaudierte und begrüßte North Dakota als 28. US-Bundesstaat mit einem umfassenden Anti-Raucher-Gesetz.
John Walstad ist Anwalt, Raucher und lebt in Bismarck in North Dakota. Er sagt, wenn man die Bannzone um das eine Haus verlässt, kommt man häufig in die des Nachbargebäudes oder steht mitten auf der Straße. Das Gesetz habe ihn bislang noch nicht vom Rauchen abgehalten, aber er verbringe jetzt mehr Zeit zuhause.
Doch an einigen Ecken regt sich Widerstand. An der University of Southern Maine in Portland, die ein Rauchverbot auch außerhalb des Unigebäudes plant, kam es zu Protesten von Studenten. Eine Kunststudentin, die selbst nicht raucht, sorgt sich, dass das Verbot Raucher in unsichere Bereiche außerhalb des Campus vertreiben wird. Dem hielt eine Sprecherin der Universität entgegen, sie erwarte keine Sicherheitsrisiken wegen der neuen Anti-Raucher-Regeln.
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