• The Wall Street Journal

Durchwachsener Ausblick für Italien und Frankreich

PARIS—Italien und Frankreich, zwei wichtige Volkswirtschaften der Eurozone, zeigten am Donnerstag Anzeichen für eine leichte wirtschaftliche Erholung. Aber der verhalten rosige Ausblick bleibt überschattet von anhaltend steigender Arbeitslosigkeit.

Reuters

Schlittschuhläufer vor dem Pariser Eiffelturm - auch die wirtschaftliche Lage der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone bleibt rutschig.

Wie das französische Arbeitsministerium mitteilte, stieg die Zahl der Arbeitslosen nun den 19. Monat in Folge. In Frankreich suchten im November 3,1 Millionen Menschen Arbeit – 0,9 Prozent mehr als im Oktober. Seit 2008 steigt die Arbeitslosigkeit in dem Land; in den vergangenen anderthalb Jahren sei die Zunahme laut Ministerium „besonders stark" gewesen.

Optimistischere Nachrichten lieferte das französische Statistikamt: So ist das französische Verbrauchervertrauen im Dezember trotz allem gestiegen. Der Anstieg des Konsumklimaindex von 84 auf 86 Punkte war der erste seit Mai. Auch scheinen die Bemühungen des französischen Präsidenten François Hollande, die öffentlichen Finanzen der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone wieder in Ordnung zu bringen, Früchte zu tragen. Aktuelle Statistiken belegen, dass die Staatsschuldenquote im dritten Quartal gesunken ist.

Italien: Politische Unsicherheit schmälert Vertrauen

Im benachbarten Italien gab die Statistikbehörde derweil bekannt, dass die Zuversicht der produzierenden Betriebe im Dezember zum zweiten Mal in Folge gestiegen ist. Die eingegangenen Bestellungen im verarbeitenden Gewerbe, der aussagekräftigste Zukunftsindikator, bildeten das stärkste Element im Dezember-Index.

Allerdings fiel der allgemeine Stimmungsindex für die Branchen Einzelhandel, Dienstleistungen und Bau mit 75,4 Punkten auf den niedrigsten Wert seit fast sieben Jahren. Im November lag der Gesamtindex noch bei 76,5 Punkten.

Wegen der politischen Unsicherheit bleibt das wirtschaftliche Vertrauen in Italien unter Druck. Ende Februar finden in dem Land die nächsten großen Wahlen statt, und ein Großteil der Parteien auf allen Seiten des politischen Spektrums stellt die Spar- und Reformpolitik des scheidenden Ministerpräsidenten Mario Monti in Frage.

In Frankreich glauben Verbraucher nach Angaben des Statistikbüros Insee zwar, dass sich ihre Lebensumstände in Zukunft verbessern werden. Sie fürchten sich aber vor der steigenden Arbeitslosigkeit. Laut Insee-Schätzung wird die französische Wirtschaft im Schlussquartal dieses Jahres schrumpfen und in der ersten Hälfte von 2013 nur mäßig wachsen.

Wenn sich die Vorhersage bewahrheiten sollte, müsste die französische Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte 2013 besonders stark wachsen, damit der Regierung ihre versprochene Defizitsenkung auf 3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) gelingt. In diesem Jahr soll das Defizit bei 4,5 Prozent des BIP liegen.

Frankreich: Staatsschulden leicht gesunken

Die Schulden der öffentlichen Hand in Frankreich sind laut Insee im dritten Quartal dieses Jahres um 14,5 Milliarden Euro auf rund 1,8 Billionen Euro gesunken. Damit betrug die französische Staatsschuldenquote Ende September nur noch 89,9 Prozent des BIP statt zuvor 91 Prozent. Die französische Regierung rechnet allerdings damit, dass ihre Schuldenquote bis Jahresende zunächst noch auf 91,3 Prozent steigen und erst ab 2014 sinken wird.

Dominique Barbet, Analyst bei der französischen Bank BNP Paribas, nannte den Rückgang der Staatsverschuldung in Frankreich eine „gute Nachricht". Er geht davon aus, dass die Regierung in diesem Jahr ihr anvisiertes Defizitziel von 4,5 Prozent des BIP erreichen wird. Bis zum Ende der Amtszeit von Präsident Hollande im Jahr 2017 will die Regierung sogar einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen.

Hollandes Sozialistenregierung steht bei Ratingagenturen unter genauer Beobachtung. Sie machen sich Sorgen, dass das Wirtschaftswachstum hinter den Erwartungen bleiben könnte, wenn die Regierung ihr Ziel verfehlt. Zwei der drei internationalen Ratingfirmen haben Frankreich schon die Bestnote „AAA" entzogen. Allein Fitch Ratings hat diesen Monat weiter daran festgehalten, gibt Frankreich aber einen negativen Ausblick.

—Mitarbeit: Liam Moloney und Todd Buell

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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