Von KOSAKU NARIOKA
Die Devisenanleger setzen auf den Verfall des Yen. Die Währung ist gegenüber dem Dollar auf einem 27-Monats-Tief seit der neue Premier Shinzo Abe angekündigt hat, die Zentralbank zu aggressiven Lockerungsmaßnahmen zwingen zu wollen. Mit den Geldspritzen will er Japans Rezession, die chronische Deflation und die Stärke der Währung bekämpfen.
Devisenhändler haben kurzfristig auf den Abstieg der Währung gesetzt – das war bekannt. Jetzt scheint es, als ob die Wetten auf den Verfall des Yen auch langfristig vermehrt abgeschlossen werden. Denn auch langfristige Puts – Wetten auf den Verfall der Währung – werden jetzt weit mehr verlangt als Optionen auf den Anstieg des Yens.
Auch die so genannten Risk Reversals – Kombinationen von Kaufs- und Verkaufsoptionen – sind in der Nähe einer Rekord-Schräglage für den Dollar und gegen den Yen. Das gilt vor allem für die Kontrakte, die die Monate März und April umfassen. Denn dann enden die Amtszeiten des Chefs der Bank of Japan, Masaaki Shirakawa, und seiner zwei Stellvertreter. Der neue Premier Abe will neue Chefs einsetzen, die mehr von seiner Strategie halten, das Inflationsziel auf 2 Prozent zu verdoppeln – und dafür unbegrenzte Geldspritzen zu tätigen.
Optionen, also Kaufverträge für festgelegte Zeitpunkte in der Zukunft, sind nicht immer zuverlässige Indikatoren dafür, wie sich der Spotmarkt tatsächlich entwickelt. Aber sie lassen die Richtung erahnen. Schon im vergangenen Januar wurden plötzlich Optionen gegen den Yen gekauft – daraufhin verfiel die Währung auch auf dem Spotmarkt.
Dass die Händler gegen den Yen spekulieren, spiegelt mehrere Faktoren wieder: Neben Abes aggressiven Ankündigungen ist das auch eine sich erholende US-Wirtschaft, die dem Dollar hilft. Und nachlassende Besorgnis über Europas Schuldenkrise trocknet die Nachfrage nach dem Yen als Sicherheitshafen aus. Auch Japans Überschuss in der Kapitalbilanz, der lange die Währung angekurbelt hat, erodiert.
Bislang haben die Optionshändler auf den Yen zum Dollar gewettet: Denn Japan hatte jahrzehntelang eine große Handelsbilanz, die USA dagegen ein Defizit. Das führte dazu, dass die japanischen Exporteure wie auch die amerikanischen Importeure sich mit Wetten auf den steigenden Yen absichern mussten.
Nach dem Tsunami und der Nuklearkatastrophe im März 2011 änderte sich das – denn der Exporteur von gestern musste konventionelle Kraftstoffe wie Kohle und Gas einführen, nachdem die meisten Kernkraftwerke vom Netz gegangen waren. Darum wurde der Yen als Absicherungswährung unwichtiger. Vor sechs Wochen legte Abe – damals schon Favorit für das Präsidentenamt – mit seiner Rhetorik gegen eine starke japanische Währung los. Also fingen die Spekulanten an, gegen den schon geschwächten Yen zu wetten.
„Abes Politik der Geldspritzen und der Ankurbelung der Wirtschaft wird den Yen schwächen", schätzt ein Optionshändler bei einer großen japanischen Bank. Zu steigenden Zinssätze oder Aktien werde die Tokioter Strategie dagegen nicht allzu bald führen. „Zunächst werden sich die Effekte eher bei der Währung zeigen."
In der Regel ist der Optionshandel über kurze Laufzeiten von bis zu einem Monat am aktivsten – Kontrakte über mehr als ein Jahr sind in der Regel uninteressant. Nicht so in diesem Fall: Selbst fünfjährige Risk-Reversals tendieren klar zum fallenden Yen und zum steigenden Dollar, zum ersten Mal seit mindestens zehn Jahren.
Kyosuke Suzuki, Chef der Unternehmensseite des Vertriebs der französischen Bank Société Générale, sagt allerdings, viele würden eine Gegenbewegung erwarten – so dass der Dollar gegenüber dem Yen wieder an Boden gewinnt. Am Mittwoch Nachmittag stand er bei 85,73 Yen.
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