Von WAYNE MA
PEKING--China drückt bei der Erschließung neuer Energiequellen auf die Tube und ermöglicht nun auch dem amerikanischen Ölkonzern Conoco-Phillips die Suche nach Schiefergas im Reich der Mitte. Die Texaner bringen große Erfahrung bei der Förderung von Schiefergas mit, das ist in Gesteinsschichten gespeichertes Erdgas. Die Erschließung dieser Gaslagerstätten ist technisch anspruchsvoll und teuer. Conoco hat nun mit dem lokalen Energiekonzern Sinopec einen Vertrag geschlossen. Die beiden Partner erkunden die Schiefergas-Vorkommen im Sichuan-Becken, das in der gleichnamigen Provinz liegt.
Mit Conoco betritt ein dritter internationaler Energiekonzern den chinesischen Markt für Schiefergas. Vor den Texanern schlossen schon Shell im Jahr 2009 und Chevron im Jahr 2011 ähnliche Abkommen in China. Wettbewerber wie BP oder Total sind noch nicht so weit, sie haben dort noch keine Partner gefunden.
China macht nur langsam Fortschritte bei der Erschließung von Schiefergasvorkommen im eigenen Land. Chinesische Konzerne haben sich bislang vor allen in den USA in Projekte zur Erschließung dieser unkonventionellen Erdgasvorkommen eingekauft. Sie erhoffen sich damit Zugang zu dem Know-how, das zum Anzapfen dieser Energiequellen gebraucht wird. In den USA boomt die Schiefergas-Industrie derzeit. Das Land hofft sogar darauf, durch die Erschließung dieser und anderer Energieträger bei Öl und Gas unabhängig vom Ausland zu werden.
Dem energiehungrigen China erscheint die Förderung im eigenen Land ebenfalls als attraktiv. Die Regierung will bis zum Jahr 2015 auf eine jährliche Schiefergasförderung von 6,5 Milliarden Kubikmeter kommen. Fünf Jahre später sollen es schon 100 Milliarden Kubikmeter sein. Aktuell ist die Produktionsmenge noch zu vernachlässigen.
China stillt seinen Energiehunger derzeit vor allem mit Kohle. Rund 70 Prozent des erzeugten Stroms stammt aus Kohlekraftwerken. Erdgas soll seinen Anteil am Energiemix bis 2020 auf zehn Prozent mehr als verdoppeln.
Conoco hat in China nun einen Fuß in der Tür. Die Amerikaner wollen dort im Südwesten der Provinz Sichuan an zwei Orten Bohrlöcher anlegen. Wie die Partnerschaft mit Sinopec finanziell gestaltet wird, wollen die Chinesen nicht preisgeben. Bei Conoco war ein Ansprechpartner in Peking nicht zu erreichen.
Nach Daten amerikanischer Behörden verfügt China über erschließbare Schiefergasreserven im Volumen von 35 Billionen Kubikmetern, die auf zwei Lagerstätten konzentriert sind. Damit verfügen die Chinesen über größere Reserven als die USA und Kanada zusammen.
Allerdings ist die Erschließung der Felder wegen der geologischen Verhältnisse in China kompliziert. In der Nähe der Lagerstätte fehlt in ausreichender Menge das für die Erschließung notwendige Wasser, und ausländische Konzerne sind hier bislang nur wenig engagiert. Dies alles sehen Beobachter als Hindernis für die Förderung von Schiefergas in großem Stil in China.
Die Regierung des Landes unternimmt jedoch große Anstrengungen, um die Entwicklung der inländischen Schiefergasproduktion zu beschleunigen. Erst im Oktober wurde ein weiterer Block mit Explorationsrechten versteigert. Energiekonzerne sollen bei der Erschließung mit Subventionen unterstützt werden. Dennoch geht es nur langsam voran. So beklagte Chevron-Manager Joseph Geagea jüngst die schlechte Infrastruktur im Reich der Mitte. Es fehlten zudem geologische Daten. Und Shell spricht zwar von einem Erfolg der eigenen Probebohrungen. Dafür mahlt in diesem Fall aber die chinesische Bürokratie langsam. Auf die Genehmigung des mit Petro-China geschlossenen Vertrags zur Aufnahme der Produktion wartet der britisch-niederländische Konzern immer noch.
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