Von MATTHEW LYNN
LONDON—„Ich glaube es gibt einen Weltmarkt für vielleicht fünf Computer." Dieses Bonmot wird dem IBM -Chairman Thomas Watson zugeschrieben, er soll es im Jahr 1943 gesagt haben. Allen Nachgeborenen sollte es eine Warnung sein, jemals über irgendwas irgendwelche Vorhersagen zu machen.
Aber da sich gerade erst die Weissagungen der Majas vom Ende der Welt als ungefähr so präzise erwiesen haben wie die oben angeführte Prognose von Watson, liefern wir Ihnen hier sieben Themen, die Sie im nächsten Jahr durchaus überraschen könnten.
Nummer eins: Finanzkrise in Russland
Europa wird sich erst langsam des Potenzials von Schiefergas bewusst. In Großbritannien gibt es üppige Reserven, das Gleiche gilt für Frankreich und Polen. Franzosen und Briten sind hoch verschuldet, leisten sich teure Wohlfahrtsstaaten und leiden unter schwachem Wachstum. Umweltschutz steht nicht unbedingt an oberster Stelle für sie – vielmehr brauchen sie Wachstum und die damit verbundenen Steuereinnahmen. Sie könnten anfangen, Energie zu exportieren. Das wäre eine der wenigen Optionen, die ihnen bleibt.
Für den größten Lieferanten von Öl und Gas nach Europa - Russland - ist das wahrlich keine gute Nachricht. Das Land lebt von seinen Pipelines in den Westen. Ohne seine Energieliefungen stünde Russland wie ein großer, korrupter Riese da, der von gewissenlosen Oligarchen beherrscht wird. Das Land stellt wenig her, was das Ausland wirklich kaufen möchte. Ein Vertrauensverlust wird seine Märkte einbrechen lassen.
Nummer zwei: Angela Merkel verliert die Macht in Deutschland
Seit Ausbruch der Staatsschuldenkrise ist keinem Regierungschef eines großen Eurozonen-Landes die Wiederwahl gelungen. Kann Bundeskanzlerin Angela Merkel diesen Teufelskreis im Herbst bei den Wahlen durchbrechen? Nein. Es stimmt zwar, dass ihre CDU bei den Wählerumfragen noch vorn liegt. Aber ihr Koalitionspartner, die FDP wird verschwinden.
Wenn Deutschland jetzt in die Rezession schlittert und dann auch noch die Rechnungen der Euro-Krisenhilfe bezahlt werden müssen, ist das für eine Politikerin im Wahljahr nur schlecht ausgehen. Dann wird wohl SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück das Rennen machen und an der Spitze einer rot-grünen Regierung Angela Merkel als Kanzlerin ablösen. Spätestens dann werden auch die Anleger bemerken, dass Deutschland beileibe nicht der sichere Hafen ist, für den sie das Land halten.
Nummer drei: Für die Mobilfunkbranche beginnt der Niedergang
Die erfolgreichste neue Branche der vergangenen zwei Jahrzehnte? Leicht zu beantworten: die Mobilfunk- und Handyindustrie. Netzbetreiber wie Vodafone und Verizon sind zu modernen Industriegiganten herangereift.
Doch Vodafone meldet bereits sinkende Verkaufszahlen in Spanien und Italien. Hier hat die Rezession bereits zugeschlagen. Menschen, deren Geld knapp wird, fragen sich zunehmend, wieviel ihnen der Tweet auf dem Nachhauseweg wirklich wert ist. Immer mehr werden zum gleichen Ergebnis kommen.
In Zeiten, in denen es überall kostenloses WiFi gibt und immer mehr Menschen mit einem Smartphone einen mobilen Taschencomputer besitzen, mit dem sie Fotos machen, Musik abspielen und E-Mails verschicken und ab und zu auch noch telefonieren können - wer braucht da noch einen teuren Handytarif? 2013 wird deshalb das Jahr, in dem für die Mobilfunkanbieter ein unerbittlicher Niedergang beginnt und die Investoren das Weite suchen.
Nummer vier: Die britische Regierungskoalition zerbricht
Der Juniorpartner in der Koalition des britischen Regierungschefs David Cameron kommt in den Meinungsumfragen immer mehr unter Druck. Nach den jüngsten Ergebnissen könnten die Liberaldemokraten in der Beliebtheit hinter die Independence Party zurückfallen, deren politische Ziele vor allem antieuropäisch sind. Bleiben die Liberalen bis zur nächsten Wahl 2015 in der Regierung, müssen sie das politische Aus fürchten.
Die einzige Überlebensstrategie für sie besteht deshalb darin, baldmöglichst aus der Koalition auszuscheren, die für das Desaster verantwortlich ist. Und wann? Es nützt ihnen nichts, bis zum letzten Moment zu warten, sonst werden sie sich bis zu den nächsten Wahlen nicht mehr erholen. Deshalb werden sie Ende 2013 David Cameron Lebewohl sagen, und der wird ab dann mit einer Minderheitsregierung zurechtkommen müssen. Aber wenn die britische Politik ins Chaos gerät und der neue kanadische Chef der Bank of England wie ein Verrückter frisches Geld druckt, werden die Anleger aus dem britischen Pfund fliehen.
Nummer fünf: Das iAuto kommt
Apple-Chef Tim Cook kämpft damit, neue revolutionäre Produkte auf den Markt zu bringen, die sein Unternehmen zu einem der größten der Welt gemacht haben. Ein iPhone, das noch etwas größer ist als das alte, und ein iPad, das etwas kleiner ist als das Original – das reicht kaum, um die Welt in Entzücken zu versetzen.
Was Apple als nächstes schaffen muss ist die Eroberung einer ganz neuen Branche, und zwar mit einer Mischung aus brilliantem Design und genialem Marketing. Fernsehen? Nein, das wurde schon versucht.
Aber wie sieht es mit dem Auto aus? Eine wirkliche Innovation liegt in dieser Branche schon wenigstens 30 Jahre zurück, möglicherweise sogar länger. Jedes Auto sieht mehr oder weniger aus wie jedes andere auch. Die Technik gleicht sich auch weitgehend. Autokäufer suchen deshalb nach einem Statussymbol mit coolem Design. In beidem ist Apple fantastisch.
Wenn Sie geglaubt haben, dass die Chefs bei Apple schon lange ihren Glanz verloren haben, dann warten Sie, bis sie von ihrem neuen iCar schwärmen. Es könnte das wichtigste Produkt für Apple werden, noch besser, Apple könnte seine 100 Milliarden US-Dollar schwere Kasse dazu verwenden, BMW (Marktwert: 60 Milliarden Dollar) zu kaufen, um sich Zugang zu dem nervtötenden Ingenieurskram zu verschaffen, den man zum Bau eines fahrtüchtigen Autos einfach braucht.
Nummer sechs: Accor verlässt Frankreich
Wir haben schon viel darüber gelesen, wie wohlhabende Franzosen, Prominente und Industrietitanen vor dem Reichenterror des Präsidenten François Hollande die Flucht ergreifen. Der Schauspieler Gerard Depardieu ist der jüngste Fall eines Franzosen, der seine Heimat verlässt und Zuflucht im Nachbarland Belgien sucht. Es ist schwer vorstellbar, dass französische Firmen darauf warten, dass ihnen höhere Steuern auferlegt werden, wenn es schon die Bürger nicht tun.
Viele große französische Konzerne betreiben erfolgreiche Geschäfte im Ausland und unterhalten in ihrer Heimat wenig mehr als die Konzernzentrale. Wenigstens einer von ihnen wird sich vermutlich ein freundlicheres Steuerregime suchen. Wie wäre es mit Accor, der weltweit tätigen Hotelkette?
Nummer sieben: ein Regimewechsel im Iran und ein fallender Ölpreis
Die Macht von Mahmud Ahmadinedschad erscheinen von Monat zu Monat schwächer. Die internationalen Sanktionen wirken, und die aggressive Außenpolitik des Landes vermag im Innern längst nicht mehr jene Solidarisierung zu entfesseln vermag, wie dies früher der Fall war. 2013 wird das alte Regime im Iran wie so viele andere im Nahen Osten hinweggefegt werden. Der Preis für Erdöl wird auf neue Höchststände klettern, so wie er das bei politischen Erschütterungen in der Region immer tut. Doch wenn die Sanktionen erst aufgehoben sind und die Sorge um einen Krieg mit Israel verblasst, wird der Ölpreis erheblich fallen.
Wer weiß? Wenn das Öl nur billig genug wird, dann können Sie sich vielleicht sogar eine Spritztour im unvorstellbar teuren iCar leisten.
Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de





















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