• The Wall Street Journal

Sammelklage: Toyota zahlt 1,1 Milliarden Dollar Entschädigung

Im Rechtsstreit um Sicherheitsmängel an seinen Fahrzeugen hat sich der japanische Autohersteller Toyota bereit erklärt, rund 1,1 Milliarden US-Dollar zu zahlen. Mit dem Geld will der Konzern bis zu 16 Millionen Fahrzeughalter entschädigen und ihre Autos technisch nachrüsten. Damit legt Toyota eine Sammelklage bei, die laut Anwälten als eine der größten in der Automobilindustrie gilt.

Utah Highway Patrol/Associated Press

Verunglückter Toyota Camry im US-Bundesstaat Utah - Der japanische Autohersteller entschädigt wegen klemmender Gaspedale und rutschender Fußmatten bis zu 16 Millionen Fahrzeughalter, um einen langwierigen Prozess zu vermeiden.

Der Fall bezieht sich auf die groß angelegte Rückrufaktion in den Jahren 2009 und 2010, die nach Beschwerden über klemmende Gaspedale und unkontrolliertes Beschleunigen von Toyota-Autos erfolgt war. Wenn das zuständige US-Gericht in Kalifornien zustimmt, kann der Konzern nun mit der Entschädigungszahlung einen langwierigen Gerichtsprozess vermeiden. Toyota hat allerdings keine Schuld eingestanden. Der Konzern wird nach Auskunft einer gut unterrichteten Person in diesem Quartal eine Vorsteuerbelastung von 1,1 Milliarden Dollar verbuchen müssen.

„Eines unserer überragenden Ziele war immer schon, die Sicherheit unserer Fahrzeuge energisch zu verteidigen, und wir glauben, dass wir das getan haben", sagt Toyota-Sprecher Mike Michels.

War die Elektronik Schuld oder der Mensch?

Die Kläger der Sammelklage werfen Toyota vor, dass ein fehlerhaftes Elektroniksystem die Wagen des Herstellers unkontrolliert habe beschleunigen und Unfälle verursachen lassen. Eine US-Untersuchung ergab aber, dass in den meisten Fällen nicht die Elektronik in den Wagen Schuld war, sondern menschliche Fahrfehler. Zum Teil hätten aber auch nicht richtig passende Fußmatten eine Rolle gespielt.

Insgesamt dürften die Probleme Toyota mehr als 3,1 Milliarden Dollar kosten. Im Jahr 2010 schätzte der Konzern die Kosten für den Rückruf und entgangene Umsätze weltweit auf rund 2 Milliarden Dollar. Darin waren aber die jüngste Einigung, die Anwaltskosten, Strafen der US-Regierung sowie die Kosten für den zusätzlichen Rückruf von Fußmatten noch nicht enthalten. Das Unternehmen selbst wollte keine neue Kostenschätzung abgeben.

Neben dieser Sammelklage laufen in den USA noch zwei weitere Klagen wegen der Rückrufaktion gegen Toyota – eine Klage im Bereich Verbraucherschutz und Betrug, eine andere wegen unfairen Unternehmensverhaltens.

Allein in den USA hat Toyota im Zuge des Skandals mehr als 5,3 Millionen Autos wegen rutschender Fußmatten zurückgerufen und weitere 2,77 Millionen wegen möglicherweise klemmender Gaspedale. Das Unternehmen musste der US-Verkehrssicherheitsbehörde mehr als 66 Millionen Dollar Strafe zahlen, weil es nicht unverzüglich über die möglichen Sicherheitsmängel Auskunft gab. Vor zwei Wochen brummte die selbe Behörde Toyota noch einmal 17,35 Millionen Dollar Strafe auf, weil der Konzern die rutschenden Fußmatten im Allradwagen Lexus RX350 nicht gemeldet hatte.

Unkontrolliert über den Highway gebraust

Die Fußmatten-Probleme kamen erstmals 2009 ans Licht, als ein kalifornischer Verkehrspolizist außer Dienst mit einem geliehenen Lexus ES 350 unkontrolliert über den Highway gebraust und tödlich verunglückt war. Er und drei Fahrzeuginsassen starben bei dem Unfall. Monatelang stand daraufhin die Elektronik in den Autos in der Kritik, die das Gaspedal habe haken lassen. Ursprünglich untermauerten Behördendaten und Berichte von Betroffenen diese These.

Konzernchef Akio Toyoda erklärte damals vor dem US-Kongress, das Unternehmen werde seine Qualitätskontrollen verbessern.

Nach Auskunft von Steve W. Berman, einem der führenden Rechtsanwälte auf Klägerseite, hat die Sammelklage eine Reihe von Zielen erfüllt. Positiv sei unter anderem, dass Toyota jetzt neue Sicherheitsausrüstung in seinen Wagen installiere. Nach wie vor aber gebe es keinen Beweis für Mängel in der Fahrzeugelektronik. „Wir haben die Frage, ob es einen Haken [im System] gibt, nicht gelöst", sagt Berman. Toyota behauptet felsenfest, dass es keine anderen Probleme mit seinen Systemen gab außer jenen, die sich auf die Rückrufe bezogen.

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