• The Wall Street Journal

Experte belastet BP im Prozess um Öl-Desaster

Ein renommierter Technikexperte hat den britischen Mineralölkonzern BP im milliardenschweren Prozess wegen der Ölpest im Golf von Mexiko schwer belastet. Als "klassisches Versagen von Management und Führung" hat Robert Bea, Zeuge der Anklage und Professor an der Universität Berkeley, die Katastrophe beschrieben. Er hatte vor dem Unfall mehrere Jahre als Sicherheitsberater für BP gearbeitet.

In dieser Zeit vor dem habe er viele Warnungen an das Management geschrieben. Bereits damals sei ihm aufgefallen, wie aggressive Sparprogramme auf Kosten der Sicherheit gingen. "Es war zu sehr verschlankt", sagte Bea vor einem Gericht in New Orleans.

Der jetzige Hochschullehrer sagte am zweiten Tag des Zivilprozesses aus. In dem Verfahren soll das Ausmaß der Schuld von BP und anderen beteiligten Unternehmen geklärt werden. Die Explosion auf der Ölplattform "Deepwater Horizon" hatte im April 2010 elf Arbeiter das Leben gekostet.

Vor Gericht streiten Rechtsanwälte von BP, den Bohrinselausrüstern Transocean und Halliburton, dem Weißen Haus, fünf US-Bundesstaaten sowie von direkt vor Ort betroffener Unternehmen über Schuld und Unschuld an der schlimmsten Ölpest in der US-Geschichte.

Bea kritisierte auch die unternehmenseigene Untersuchung von BP nach der Katastrophe scharf. Die Briten hätten Managementfehler, die zum Unfall führten, einfach links liegen lassen. Stattdessen habe die als "Bly-Report" bekannte Studie sich auf die direkten Ursachen des Desasters konzentriert. Anstatt der Manager geriet ausschließlich die Rolle von Crew und Ausrüstung auf der Bohrinsel ins Fadenkreuz.

BP-Rechtsanwalt Mike Brock versuchte im Kreuzverhör, die Glaubwürdigkeit der Aussagen von Bea zu untergraben. Er betonte die geringe Objektivität der Expertise. Vielmehr hätten Unternehmen, die BP vor Gericht verklagen, Bea mit Informationen gefüttert.

"Sie wussten, dass die Rechtsanwälte der Kläger sich auf Dokumente konzentrieren wollten, die BP schaden", sagte Brock. "Wir haben nach der Wahrheit, den Fakten gesucht", entgegnete Bea mit Blick auf sich und seine Kollegen. Brock ging bei der Befragung von Bea auch die vielen Bemühungen des Ölkonzerns durch, die dieser in den vergangenen Jahren unternommen habe, um die Sicherheit zu verbessern. Dazu zählte Brock die Überwachung der Betriebssicherheit.

Wer ist Schuld an der Ölpest?

BP verteidigt sich vehement: Der Unfall gehe auf das Konto von vielen Fehlern und Fehlentscheidungen aller in das Projekt involvierten Unternehmen. Der Ölkonzern verwies auf Bohrinselinhaber Transocean und Zementlieferant Halliburton.

Auch der Chef von BPs Explorations- und Fördergeschäft, Lamar McKay, kam zu Wort. Klägeranwalt Robert Cunningham drängte McKay wiederholt dazu, die Hauptschuld für das Unglück einzuräumen. "Wer hatte letztendlich die Verantwortung für den Umgang mit den Risiken, die BP bei den Bohrungen erkannt hatte?" Als Betreiber trage BP die letzte Verantwortung. McKay sagte dazu, auch die angeheuerten Unternehmen trügen einen Teil der Schuld.

Noch in dieser Woche sollen zuvor aufgezeichnete Aussagen von Ex-BP-Chef Tony Hayward und des früheren Leiters der Förderung im Golf von Mexiko, Kevin Lacy, auf den Tisch kommen.

Ein zweiter Prozess ist für Herbst anberaumt. Dieser soll klären, wie viel Öl in den Golf von Mexiko ausgelaufen ist. Beide Verfahren zusammen werden die Höhe der Strafzahlungen bestimmen. BP, Halliburton und Transocean hatten laut Anklage gegen das Gesetz zur Wasserreinhaltung, den "Clear Water Act", verstoßen. Werden sie schuldig gesprochen, müssen sie zusammen mit einer Strafzahlung von bis zu 17,6 Milliarden Dollar rechnen. BP glaubt, mit deutlich weniger davonzukommen: Die Strafe werde wahrscheinlich unter 5 Milliarden Dollar liegen.

Die Briten haben sich bereits zur Zahlung von mehr als 30 Milliarden Dollar an Strafen, für Vergleiche und Reinigungskosten bereiterklärt. Transocean hat zivilrechtlichen Zahlungen von einer Milliarde Dollar sowie Strafzahlungen für Rechtsverstöße von 400 Millionen Dollar akzeptiert.

Ein Vergleich scheint weiter möglich. Das US-Justizministerium und die an der Küste des Golf von Mexikos gelegenen Bundesstaaten haben bereits erwogen, so mehrere damit vertraute Personen, BP einen Deal über 16 Milliarden Dollar anzubieten. Dieser würde mögliche Strafen wegen der Verletzung des Clear Water Acts wie auch Zahlungen wegen Umweltverschmutzung abdecken.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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