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Hongkongs Weihnachtsmann-Athleten: Reisschleim und Karaoke

AFP/Getty Images

Sackhüpfen in Gällivare. Hier treffen sich Weihnachtsmänner aus aller Welt jedes Jahr zum Kräftemessen, und die Kandidaten aus Hongkong schneiden regelmäßig erstaunlich gut ab.

HONGKONG—Wer hätte das gedacht? Ausgerechnet die Weihnachtsmänner aus dem subtropischen Hongkong haben sich als die fittesten ihres Fachs etabliert. In einem frostigen Örtchen in Schweden, mehr als 8.000 Kilometer weit weg von ihrer schwülwarmen Heimatinsel, laufen sie der internationalen Nikolauskonkurrenz immer wieder den Rang ab. Sie essen Haferschleim so schnell wie kein anderer Nikolaus, brillieren beim Ritt auf einer Rentiermaschine und beim Schlittenschieben. Seit vier Jahren geht das schon so. Bei den Winterspielen der Weihnachtsmänner in Gällivare macht den Hongkongern keiner was vor. Sie holen mit solider Regelmäßigkeit die Medaillen.

In der ehemaligen britischen Kolonie Hongkong wird Weihnachten groß gefeiert – auch wenn eigentlich nur 10 Prozent der Bevölkerung christlich sind. Für viele Einwohner ist das Fest ein mindestens ebenso wichtiges Familienereignis wie der Beginn des chinesischen Neujahrsfestes Wochen später. Da werden Geschenke verteilt und gemeinsam gegessen. Auf den Wolkenkratzern in der asiatischen Metropole leuchten festlich grün und rot. In den engen Einkaufsvierteln der Stadt, wo die Ladenmieten zu den teuersten der Welt gehören, prangen überall weihnachtliche Auslagen und Sonderangebote. Und in den großen Einkaufszentren warten extra angeheuerte Nikoläuse auf die Kinder.

Zehn Tage Intensivtraining vor dem Wettkampf

2009, im siebten Jahr dieses skurrilen Wettbewerbs, trat erstmals ein Weihnachtsmann aus Hongkong bei den schwedischen Winterspielen in Gällivare an – und gewann prompt die komplette Meisterschaft. Die Zuschauer waren baff. Und seitdem „gibt es immer mehr Santas aus Hongkong", sagt Mathias Svalenström, der die Meisterschaft in Schweden organisiert.

Die Asiaten haben einen besonderen Ehrgeiz entwickelt, ihren Titel zu verteidigen. Wer sich auf der Insel als Spitzenkandidat durchgesetzt hat, muss ein zehntägiges Intensivtraining bestehen, bevor er überhaupt nach Schweden fahren darf. Der größte Immobilienentwickler in Hongkong, Sun Hung Kai Properties, finanziert die Aktion. Das Budget sei „sehr großzügig", verrät die Assistentin des Werbemanagers in dem Unternehmen, nennt aber keine konkreten Zahlen.

Beim Training lassen sich die Hongkonger von ihren völlig anderen Lebensumständen nicht abschrecken. Sie haben sich eigens einen Schlitten aus Schweden kommen lassen und Räder anmontiert, um auch ohne Schnee das Gleiten zu üben. Weil der Reisbrei, den sie normalerweise zum Frühstück essen, nicht so klebrig ist wie der schwedische Haferflockenbrei, haben sie eine andere Rezeptur probiert. Und beim Testlauf für das große Sackhüpfen springen die Hongkonger Weihnachtsmänner in leeren Reissäcken umher.

Santa Regenbogen

Dieses Jahr flog Ho Wing-Leong als Top-Kandidat nach Schweden. Der knapp 60 Kilo schwere, 21 Jahre alte Zauberer hat früher in einem Altenheim als Nikolaus gearbeitet und trat unter dem Künstlernamen Santa Regenbogen bei der Meisterschaft an.

Mit dabei in der illustren Hongkonger Delegation: Die Brüder Raymond und Thomas Kwok, Geschäftsführer und Aufsichtsräte des Bauträgers Sun Hung Kai, der Hongkongs drei höchste Wolkenkratzertürme gebaut hat und den weltweit ersten Nachbau der Arche Noah nach Angaben aus der Bibel, darunter 67 Glasfaser-Tiere. Die Milliardärsbrüder stehen zurzeit unter Korruptionsverdacht.

Zudem durften in diesem Jahr auch die Wettbewerbskandidaten der letzten drei Jahre wieder mitfahren und ein Fotograf, der gleichzeitig als Übersetzer zwischen Kantonesisch und Englisch fungiert. Aus den meisten anderen Ländern reist der Top-Kandidat allein an.

„Schrill, poppig und aufgemotzt"

Ho sagte, er habe sich anfangs eingeschüchtert gefühlt von der Konkurrenz. Nikoläuse aus den Niederlanden, Estland und Schweden hätten ausgesehen, als „lebten sie in einem Wald und hätten ihre eigenen Rehe", gesteht Ho. Kurzerhand habe er aber einfach „noch härter gearbeitet", sagte er.

In the competition for top Santa at the annual Santa Winter Games in Sweden, Hong Kong's entrants have become a force to be reckoned with. And 2012 was no exception. WSJ's Eva Tam reports.

Der japanische Santa-Kandidat, Paradise Yamamoto, fand den Hongkonger Kollegen in seinem roten Anzug mit dem Herz-und-Pik-Muster von Spielkarten und einem kronenartigen Hut mit seitlich angenähten Rentierhörnern „schrill, poppig und aufgemotzt".

„Die übrigen Weihnachtsmänner sind alle ziemlich normal...wenn man das so sagen kann", sagte Organisator Svalenström. Er hatte Mühe, den Ablauf reibungslos zu halten, als sich die Hongkonger Delegation im 8.500-Einwohner-Dorf Gällivare so begeistert unters schwedische Volk mischte und Luftballontiere für die Kinder drehte, dass sie dabei vorübergehend den Anschluss an die internationale Gruppe verlor.

Die Chinesen hätten ihren jungen und schlanken Kandidaten taktisch klug ausgewählt, sagte der Japaner Santa Paradise. Für ihn stand gleich fest: Die Hongkonger „haben den Sieg im Sinn". Ein älterer und rundlicherer Weihnachtsmann hätte bei den Disziplinen, bei denen man übers Eis rennen oder Rentiere in Schach halten müsse, längst nicht so gut abgeschnitten, sagte er. „Manchmal kommt es einem vor, als riskiert man sein Leben."

[image] Agence France-Presse / Getty Images

Beim Wettkampf selbst aber warf das mechanische Rentier Santa Regenbogen schon nach wenigen Sekunden ab. Der Hongkonger berappelte sich trotzdem schnell wieder und gewann das Haferschleim-Wettessen. Bei der letzten Disziplin, dem Karaoke-Singen, kannten die Hongkonger dann kein Halten mehr. Da durfte ausnahmsweise die komplette Delegation mitmachen, tanzte, hämmerte auf Instrumente ein, führte Zaubertricks auf, und Weihnachtsmann Ho sang dazu in einem nicht immer verständlichen Mischmasch aus Englisch und Chinesisch Weihnachtslieder wie „Rudolph the Red-Nosed Reindeer".

Am Ende gewann dann aber doch – wie schon im Vorjahr – ein Holländer den Gesangswettbewerb. Ho wurde Zweiter. Und da fühlte sich auch die Werbefrau vom Immobilienkonzern Sun Hung Kai zu einem Kommentar berufen. Sie habe gehört, dass der Holländer sich so wahnsinnig streng auf den Wettkampf vorbereitet hätte, sagte sie und fügte hinzu: „Der nimmt das wirklich sehr, sehr ernst."

—Mitarbeit: Eva Tam und Juro Osawa

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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