• The Wall Street Journal

UN-Gesandter Brahimi nennt Lage in Syrien besorgniserregend

Ein Besuch des UN-Sondergesandten Lakhdar Brahimi in Syrien ist ohne Anzeichen für einen Durchbruch im Konflikt zwischen Regierung und Rebellen verlaufen. Brahimi nannte die Lage am Montag besorgniserregend. Nach einem Treffen mit Präsident Baschar al Assad in Damaskus sagte Brahimi, beide hätten mögliche Maßnahmen zur Beilegung der Krise diskutiert. Assad sagte laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Sana, seine Regierung unterstütze alle Bemühungen, die die Souveränität und Unabhängigkeit Syriens schützten. Russland warnte Syrien unterdessen vor einem möglichen Einsatz von Chemiewaffen.

Sana/AP/dapd

Ein Treffen des UN-Sondergesandten Lakhdar Brahimi mit dem syrischen Präsidenten Baschar al Assad hat am Montag keine Anzeichen für ein Ende des blutigen Konflikts geliefert.

Brahimi sagte, er hoffe, dass sich Regierung und Opposition auf einen Ausweg einigen würden. Bislang habe es wenig Fortschritte bei der Suche nach einer Lösung gegeben. Es war sein dritter Besuch in Damaskus, seit er im September zum Sondergesandten der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga ernannt worden war. Das Blutvergießen geht seither unvermindert weiter.

Brahimi war mit dem Auto aus dem Libanon nach Syrien gereist, da die Gegend um den Flughafen der Hauptstadt derzeit schwer umkämpft ist. Sein Besuch wurde von einem schweren Angriff der syrischen Armee in der Ortschaft Halfaja nahe der Stadt Hama überschattet. Bei der Offensive kamen nach Angaben der örtlichen Koordinierungskomitees mehr als 100 Menschen ums Leben. Die Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte, ihr lägen die Namen von 43 Getöteten vor, außerdem gebe es Fotos von 15 weiteren Leichen.

Aktivisten warfen der Regierung vor, mit Angriffen auf Zivilisten Vergeltung für die jüngsten militärischen Erfolge der Aufständischen zu üben. Zuletzt hatten sich Rebellen und Regierungstruppen in der Region um Halfaja schwere Gefechte geliefert.

In einem im Internet veröffentlichen Amateurvideo waren zahlreiche Tote oder Verletzte in den Überresten eines Gebäudes zu sehen, bei dem es sich nach Angaben des Sprechers um eine Bäckerei gehandelt hatte. In den Straßen lag Schutt, Bewohner und Aufständische brachten Verwundete weg. Der Leiter der Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdul Rahman, sagte, er könne nicht bestätigen, dass es sich um einen Luftangriff gehandelt habe und dass das Ziel eine Bäckerei gewesen sei.

Einen Tag nach dem Angriff flüchteten Hunderte weitere Syrer in die Türkei. Ein Regierungsbeamter sprach von rund 700 Menschen, die meisten von ihnen Frauen und Kinder, die in der Grenzstadt Reyhanli eingetroffen seien. Die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu bezifferte die Zahl der Flüchtlinge auf 1.100.

Weißen Rauch eingeatmet

Die Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete unter Berufung auf Aktivisten, in Homs seien sechs Aufständische ums Leben gekommen, nachdem sie bei einem Angriff weißen Rauch eingeatmet hatten. Amateurvideos zeigten Männer im Krankenhaus, die unter Atemproblemem litten. Einige husteten stark. Der Rauch habe nach Salzsäure gerochen, er habe nicht mehr atmen können, sagte einer der Männer, der als Aufständischer bezeichnet wurde. Beobachtungsstellen-Leiter Rahman forderte eine internationale Untersuchung der bei dem Angriff verwendeten Munition.

dapd

Das Foto des Edlib News Networks, das von Journalisten der AP als authentisch klassifiziert wurde, zeigt Opfer des Luftangriffs in Syrien, bei dem 60 Menschen starben.

Bei Maan schossen Rebellen nach Angaben der Beobachtungsstelle ein Kampfflugzeug vom Typ MiG ab. Hubschrauber der Streitkräfte hätten die Stadt Talbiseh in der Provinz Homs bombardiert und mindestens 14 Menschen getötet. Ziele der Angriffe waren nach Angaben der örtlichen Koordinationskomitees ein Lazarett und eine Bäckerei.

Russland machte unterdessen deutlich, dass es die syrische Regierung nicht um jeden Preis unterstützt. Außenminister Sergej Lawrow warnte die syrische Regierung in einem Interview des Fernsehsenders Russia Today vor einem möglichen Einsatz von Chemiewaffen. Er sagte, er glaube nicht, dass Syrien im Bürgerkrieg Chemiewaffen einsetzen werde. Sollte sich die Führung doch dazu entscheiden, käme das einem politischen Selbstmord gleich.

Lawrow wies die internationale Gemeinschaft auf ein erhöhtes Eskalationsrisiko durch die Stationierung von Patriot-Raketen an der syrisch-türkischen Grenze hin. Je mehr militärisches Material an einem Ort konzentriert werde, desto höher sei das Risiko, dass die Waffen auch eines Tages genutzt würden, sagte Lawrow.

Moskau ist einer der letzten verbliebenen Verbündeten Syriens und hat mehrmals Resolutionen des UN-Sicherheitsrates gegen die Regierung verhindert. Vergangene Woche hatte Präsident Wladimir Putin indes gesagt, es gehe ihm nicht darum, Präsident Assad persönlich zu schützen.

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