• The Wall Street Journal

Ein Kasinomogul setzt weiter auf die Republikaner

Las Vegas - Der Kasinomogul Sheldon Adelson hat in den vergangenen Monaten selbst hoch gepokert – und meistens verloren. Über 100 Millionen Dollar hat er verschiedenen republikanischen Politikern für ihren Wahlkampf gespendet, die bei den Wahlen dann erfolglos blieben. Doch Adelson will in Zukunft weiter an die Politik spenden, zum Beispiel an Initiativen gegen Gewerkschaften.

„Ich arbeite in einem Geschäft, wo sich alles um Gewinnen und Verlieren dreht", sagt Adelson. „Also weine ich nicht, wenn ich verliere. Es gibt immer eine nächste Runde." Adelson gehörte zu den größten Spendern der Wahlkampfsaison 2012, in der das Repräsentantenhaus sowie der Präsident neu gewählt wurden. Dabei hat er Geld an einen erfolgreichen und acht fehlgeschlagene Kandidaten gespendet, darunter Mitt Romney.

Isaac Brekken for The Wall Street Journal

Sheldon Adelson, Chef des Kasinos Las Vegas Sands, hat allein in diesem Jahr mehr als 100 Millionen US-Dollar für Wahlkampfspenden an die Republikaner ausgegeben.

Seitdem haben sich schon fünf republikanische Gouverneure an Adelson gewendet, die auf seine finanzielle Unterstützung hoffen. Einige von ihnen haben Ambitionen auf eine Präsidentschaftskandidatur im Jahr 2016. Bisher habe er sich noch nicht festgelegt, wen er unterstützen werde, sagt er.

Adelson ist Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer des Kasinokonzerns Las Vegas Sands . 2012 spendete er doppelt so viel wie im Wahljahr 2008, und nach eigenen Aussagen könne er sich vorstellen, diese Summe in Zukunft noch mal zu „verdoppeln". „So viel werde ich ausgeben, und mehr", sagt Adelson in seinem ersten ausführlichen Interview seit der Wahl. „Wir können hier alle Zweideutigkeiten aussparen." Seit 2012 gehört auch seine Frau Miriam zu den größten Wahlkampfspender der USA.

Das Magazin Forbes schätzt, dass sich Adelsons Vermögen auf 21,5 Milliarden Dollar beläuft. Vergangene Woche hat Las Vegas Sands eine besondere Dividende genehmigt, die ihm etwa 1,2 Milliarden Dollar einbringen wird.

Staatliche Daten zu Parteispenden zeigen, dass das Ehepaar etwa 55 Millionen Dollar gespendet hat, 20 Millionen davon an die unabhängige Wahlkampforganisation „Restore Our Future", die Mitt Romney unterstützte, und 15 Millionen an eine solche Organisation, die fast eigenhändig den Wahlkampf von Newt Gingrich bei den Vorwahlen finanzierte.

Zusätzlich hat Adelson etwa 50 Millionen Dollar an konservative gemeinnützige Interessensgruppen gespendet, die ihre Geldgeber nicht namentlich nennen müssen. Laut republikanischen Spendensammlern und Bekannten von Adelson hat er zum Beispiel an die Gruppe Crossroads GPS gespendet, die George W. Bushs ehemaligem Berater Karl Rove nahesteht. Diesen Spenden ist laut einigen Republikanern zu verdanken, dass die Partei ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus behalten konnte.

„Wenn Sheldon sagt, dass er an etwas glaubt, dann folgen andere ihm", sagt Rove, der Adelson in diesem Jahr beraten hat.

Adelson will die Summe seiner Spenden nicht öffentlich machen. Er habe mehrere Millionen Dollar an eine Interessensgruppe, die eine konservative Energiepolitik befürwortet, „beträchtliche Summen" an die US-Handelskammer, sechs Millionen an eine republikanisch-jüdische Koalition und eine unbekannte Summe an einen Rabbi gespendet, der damit seinen erfolglosen Kongress-Wahlkampf in New Jersey geführt hat.

Der 79-jährige Adelson sagt, er habe in Washington viele Freunde. „Doch das hat nichts mit meinem guten Aussehen und meinem Charme zu tun. Eher mit meiner Brieftaschenpersönlichkeit", sagt er mit Bezug auf seine Spenden.

Gegen Adelson wird ermittelt

Gegen seine Firma Las Vegas Sands Corp. ermittelt das Justizministerium derzeit wegen Anschuldigungen der Geldwäsche. Das Unternehmen habe verdächtige Transaktionen nicht gemeldet, berichten mit den Ermittlungen vertraute Personen. Sands leugnet das.

Adelson glaubt, dass er als "Marketing-Mann" einige Ideen hat, wie die Republikaner mehr "Kunden" anlocken können. Als erstes sollten sie soziale Themen wie Abtreibung und Stammzellenforschung vermeiden.

„Wir sind für das Abtreibungsrecht und für die Stammzellenforschung", sagt Adelson über die Ansichten seiner Familie. Er ist auch für den Dream Act, ein Gesetzesvorschlag, der es einigen illegalen Einwanderern ermöglichen würde, eine Arbeitserlaubnis zu erhalten. Die Republikaner äußern sich in den meisten Fällen gegen diese Themen.

Die Adelsons haben außerdem eine Stiftung für medizinische Forschung aufgebaut und den Bau von zwei Drogenkliniken finanziert. Adelson sagt, er gebe mehr Geld an gute Zwecke als an die Politik. Einige seiner Ansichten, sagt er, stimmten nicht mit denen der meisten Republikaner überein.

Doch mit den Demokraten wird sich Adelson vor allem aufgrund seiner Einstellung zu Gewerkschaften nicht anfreunden können. Deren Einfluss in seinen Kasinos bekämpft er schon seit Jahren. Sein wichtigstes Kasino, das Venetian, ist das einzige nicht gewerkschaftlich organisierte Kasino am Las Vegas Strip. Vor allem das Tarifverhandlungsrecht will er mit seinen politischen Spenden auch in Zukunft bekämpfen.

Adelson beschreibt Präsident Barack Obamas Stimmenvorsprung in den umkämpften Swing States bei der Präsidentschaftswahl als „Rundungsfehler". Obama hat bei der Wahl insgesamt einen Stimmenvorsprung von 3,6 Prozent oder etwa fünf Millionen Stimmen erzielt. Selbst wenn er in den Swing States Virginia, Florida und Ohio verloren hätte, hätte er die Wahl am Ende noch gewonnen.

Adelson nennt Mitt Romney einen guten Kandidaten, doch er trauere dem Verlust nicht mehr hinterher. „Ich weiß, dass wir irgendwann gewinnen werden", sagt er.

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