• The Wall Street Journal

Osram macht weiter Miese

Die Aktionäre des Technologiekonzerns Siemens bekommen bei der Abspaltung von Osram zunächst einen Verlustbringer in ihr Depot gebucht. Die Lichttochter steckt im dreistelligen Millionenbereich in den Miesen. 2013 soll der Verlust zumindest geringer ausfallen. Eine Dividende wird es von dem Lampenhersteller im neuen Geschäftsjahr daher nicht geben.

Der über Jahrzehnte technisch wenig anspruchsvolle Lichtmarkt ist stark im Umbruch. Dominierten früher die drei großen Hersteller Philips, Osram und General Electric den Markt, drängt nun Konkurrenz vor allem aus Asien auf den Markt. Osram musste angesichts des Umbruchs weg von traditionellen Glühbirnen hin zu modernen Leuchtdioden (LEDs) massiv in den Umbau des eigenen Geschäfts investieren - das belastet die Bilanz.

Insgesamt entstanden im vergangenen Geschäftsjahr Kosten von knapp 200 Millionen Euro. Zudem drückten Abschreibungen im Bereich Beleuchtung von Bürogebäuden und Straßen das Unternehmen tief in die roten Zahlen. Ein Minus von knapp 380 Millionen Euro steht nach Steuern 2012 in den Büchern. Siemens gewährte am Freitag vor der Abspaltung der Tochter erstmals einen detaillierten Blick in die Bilanz.

dapd

Eine Mitarbeiterin prueft im Osram-Werk Augsburg hergestellte Energiesparlampen.

Auch künftig werden die Kosten für den Unternehmensumbau kräftig auf das Ergebnis drücken. Bis Ende 2014 soll ein mittlerer dreistelliger Millionenbetrag auflaufen, der größte Anteil davon soll im bereits begonnenen Geschäftsjahr 2013 anfallen. Für 2014 erwartet Osram "deutliche Fortschritte", dann soll die Restrukturierung zu greifen beginnen. 2015 will Osram bei der Marge wieder zu den Wettbewerbern. Das Geschäftsjahr endet bei Osram Ende September.

Die Trennung von Osram lässt sich die Siemens AG einiges kosten - insgesamt 1,4 Milliarden Euro. Der DAX-Konzern füllt die Pensionskasse des Unternehmens mit 500 Millionen Euro. Zudem flossen wie angekündigt über eine Kapitalerhöhung 700 Millionen Euro in das Unternehmen. Oben drauf kommen noch Kosten für die Abspaltung. Ein Siemens-Sprecher wollte diese Zahlen auf Nachfrage nicht weiter kommentieren.

Um für Investoren interessant zu werden, wird bei Osram nun noch einmal massiv der Rotstift angesetzt. In den kommenden zwei Jahren sollen mehr als zehn Prozent der Stellen wegfallen. Bis Ende 2014 will Osram 4.700 Jobs streichen, 4.300 und damit der Großteil davon im Ausland, das hatte Osram vor einigen Tagen schon angekündigt. Weltweit arbeiten derzeit rund 39.000 Menschen bei Osram, davon etwa 10.000 in Deutschland.

Ursprünglich sollte das Unternehmen schon viel früher aufs Börsenparkett gebracht werden. Die weltweit heftig schwankenden Aktienkurse und die schlechte Konjunktur im Geschäft mit LEDs hatten Siemens im September vergangenen Jahres aber von einer Platzierung Abstand nehmen lassen. Als das Marktumfeld noch besser war, wurde die mögliche Bewertung von Osram auf bis zu 7 Milliarden Euro geschätzt. Damit wäre Osram einer der größten Börsengänge seit vielen Jahren in Deutschland gewesen. Nun schätzt ein Analyst das Spin-off-Volumen auf etwa 2 Milliarden Euro.

Die Osram-Aktien sollen zum Handel im Regulierten Markt der Frankfurter Wertpapierbörse, der Börse München sowie im Teilbereich Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse zugelassen werden.

Billigt eine Dreiviertelmehrheit auf der Siemens-Hauptversammlung im Januar die Pläne, bekommen die Siemens-Aktionäre 80,5 Prozent der Osram-Anteile in ihre Depots gebucht. Für je zehn Siemens-Aktien soll es eine Osram-Aktie geben. Insgesamt sollen 84,3 Millionen Stückaktien ausgegeben werden. Die Siemens AG selbst behält eine Minderheitsbeteiligung.

Kontakt zum Autor: ursula.quass@dowjones.com

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