Von STEFANIE HAXEL und ANDREAS LOCHNER
Das Gaskraftwerk Irsching 5 im oberbayerischen Vohburg bleibt nun erstmal doch am Netz. Die vier Eigentümer, darunter der Energiekonzern Eon, hatten erwogen, das hochmoderne Kraftwerk wegen anhaltender Verluste durch die Energiewende für ein paar Jahre stillzulegen. Doch das hätte im Winter die Versorgungssicherheit in Deutschland gefährdet - und rief Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil auf den Plan, der sich bei den Betreibern und in Berlin kräftig für den Fortbetrieb des Gaskraftwerks einsetzte.
"Irsching 5 wird am Netz bleiben", verkündete Zeil am Freitag. Ihm sei von Eon und dem Nürnberger Regionalversorger N-Ergie zugesagt worden, dass das Gaskraftwerk nicht vorschnell stillgelegt werde. Die Eon SE bestätigte dies in einem Statement. Das Kraftwerk werde zunächst bis März 2013 betriebsbereit gehalten - bis dann solle eine Lösung für den Weiterbetrieb gefunden werden.
Der bayrische Wirtschaftsminister nahm auch gleich die Bundespolitik in die Pflicht, das durch die Energiewende entstandene Dilemma der Energieversorger zu lösen. Es bestehe dringender Handlungsbedarf auf Bundesebene. "Wir brauchen Zukunftsinvestitionen und keine Scheingefechte über bestehende Kraftwerke", sagte er.
Weil immer mehr Strom aus erneuerbaren Energien wie Wind und Sonne erzeugt wird und dieser nach dem Gesetz in den Stromnetzen Vorrang hat, werden die teuren Gaskraftwerke immer seltener benötigt und stehen still. Der 400 Millionen Euro teure Gasblock Irsching 5, der erst vor zwei Jahren in Betrieb genommen wurde, stand deshalb in diesem Jahr bis Mitte November nur 1.600 Stunden in Betrieb. Im Jahr zuvor waren es noch 4.000 Stunden gewesen. Die Gewinnmarge decke nicht einmal mehr die Kapitalkosten, hatte Eon-Chef Johannes Teyssen beklagt. "Wir erhalten dort die Versorgungssicherheit aufrecht, aber auf unsere Kosten", hatte eine N-Ergie-Sprecherin konstatiert.
Auf die Gaswerke verzichten könne man aber nicht, warnte Zeil. Ihre flexible Leistung sei "zwingend als Ergänzung erforderlich, da erneuerbare Energien niemals rund um die Uhr genug einspeisten könnten, um den Bedarf eines Industriestandortes wie Bayern zu decken", erläuterte er.
Eine für Eon denkbare Lösung "könnte beispielsweise eine temporäre strategische Reserve sein, die einen wirtschaftlichen Ausgleich für die Kraftwerkseigentümer sicherstellt", teilte das Unternehmen mit. Dafür steht in Deutschland bislang als Instrument nur die Winterreserve zur Verfügung. Die Kraftwerke in der Reserve springen ein, wenn in der Stromversorgung ein Engpass herrscht. Eon hatte zuletzt die alten Gaskraftwerke Irsching 3 und Staudinger 4 dort untergebracht. Wie diese gilt Irsching 5 den Stromnetzbetreibern als für die Stromversorgung systemrelevantes Kraftwerk. Deren Betrieb kann der Staat im neuen Jahr, wenn das nötige Gesetz in Kraft getreten ist, gegen Kompensation erzwingen. Sicheres Geld gibt es auch in der Winterreserve, das könnte ein Anreiz sein.
Für den bayerischen Wirtschaftsminister ist nun die Bundesregierung am Zug. Sie habe ihm zugesagt, bis zum Sommer 2013 eine Grundssatzentscheidung zum Umgang mit den Kraftwerksapazitäten zu fällen, erklärte Zeil.
Kontakt zu den Autoren: stefanie.haxel@dowjones.com und andreas.lochner@dowjones.com







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