• The Wall Street Journal

Sanofi will Bayers Blutzuckermessgeräte übernehmen

FRANKFURT - Bayer hat seine Verkaufspläne für die milliardenschwere Blutzuckermessgeräte-Sparte offenbar noch nicht zu den Akten gelegt. Der französische Pharmakonzern Sanofi sei nach wie vor an einer Übernahme interessiert und noch mit Bayer im Gespräch, sagten mehrere mit der Sache vertraute Personen dem Wall Street Journal.

Knackpunkt seien allerdings die äußerst unterschiedlichen Preisvorstellungen. Deshalb könnte sich eine Einigung, sollte sie kommen, noch mehrere Wochen hinziehen, sagten zwei Informanten. Die Bayer-Sparte könne bei einem Deal mit rund 1,5 Milliarden US-Dollar bewertet werden.

Sollte Sanofi tatsächlich den Zuschlag bekommen, wäre das eine Überraschung. Schon Ende Oktober hieß es in Medienberichten, der Verkauf sei auf Eis gelegt oder gar abgeblasen worden. Bayer selbst hat nie Verkaufsabsichten bestätigt. Auch jetzt wollte ein Bayer-Sprecher zu den Informationen nicht Stellung nehmen. Auch von Sanofi war kein Kommentar zu bekommen.

dapd

Diabetes-Kranke müssen ihren Blutzucker permanent kontrollieren. Der Markt für Handmessgeräte wächst. Bayer will sein Geschäft verkaufen.

Bayer hatte die Sparte Anfang des Jahres nach Insiderangaben auf den Prüfstand und anschließend zum Verkauf gestellt. Zwar wächst der Weltmarkt für Diabetes-Produkte, doch will Bayer eher in das Wachstum der Pflanzenschutzsparte CropScience und in den Pharmabereich investieren. Im September erwarb der Konzern aus Leverkusen die Tiermedizin vom israelischen Pharmahersteller Teva.

Zu den Bietern für die Sparte zählten nach Angaben aus Finanzkreisen im Sommer auch der japanische Elektronikriese Panasonic sowie die US-Schwergewichte Johnson & Johnson und Abbott Laboratories.

Die Bayer-Sparte setzte nach Angaben von Bankern im vergangenen Jahr etwas mehr als 1 Milliarde Euro um und erwirtschaftete eine Marge von rund 19 Prozent vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Mit dem Blutzuckermessgerät Contour, dem umsatzstärksten Einzelprodukt, machte Bayer 640 Millionen Euro Umsatz. Der Erlös des Gerätes wuchs in den vier vorangegangenen Jahren um jeweils 7 Prozent, hieß es aus Finanzkreisen. Die gesamte Sparte schaffte dagegen nur ein durchschnittliches Wachstum von 2,1 Prozent.

Sanofi würde mit den tragbaren Messgeräten von Bayer seine eigene große Diabetes-Sparte komplettieren. Sanofi verkauft Insulin, darunter auch den Blockbuster Lantus. Unklar ist, ob die Franzosen Synergien realisieren würden, wenn sie das tragbare Messgerät und das Medikament anbieten könnten.

Der Markt für Blutzuckermessgeräte wächst, einerseits weil mit dem global steigenden Lebensstandard auch zunehmend Menschen unter Diabetes leiden, andererseits sind Handmessgeräte für die Gesundheitssysteme langfristig günstiger, um die Krankheit zu überwachen.

Der Informationsdienst GlobalData schätzt, dass der Weltmarkt für tragbare Blutzuckermessgeräte im Jahr 2017 ein Umsatzvolumen von 12,2 Milliarden Dollar haben wird. 2010 wurden für 8,9 Milliarden Dollar Geräte verkauft.

Einen Großteil dieser Erlöse teilen sich aktuell Roche, Johnson & Johnson sowie Abbott und Bayer. Roche und Johnson & Johnson kamen 2010 zusammen auf mehr als 50 Prozent des Marktes.

Kontakt zum Autor: eyk.henning@dowjones.com

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Panorama

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 19. Mai

    In Brasilien puderten sich Läufer mit Farbstaub ein, auf Sylt rangelten Reiter bei der Strandpolo-Weltmeisterschaft und beim Filmfestival in Cannes zupften Schauspieler ihre schwarzen Fliegen zurecht. Das und mehr waren die Foto-Highlights vom Wochenende - sehen Sie selbst!

  • [image]

    Otto – ein deutsches Einkaufsimperium

    Die Otto Gruppe besteht nicht nur aus dem gleichnamigen Versand. Gegründet 1946, ist Otto heute in mehr als 20 Ländern aktiv - mit 123 Konzerngesellschaften wie SportScheck, Manufactum, Mirapodo oder Hermes. Überrascht? Wir zeigen, was noch alles zum Imperium gehört.

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 17. Mai

    Diesmal in den Bildern des Tages: Verhüllte Künstler in Hongkong, Vögel zählende Ranger in England, glückliche Studenten aus Maryland und mehr.

  • [image]

    Die neue S-Klasse

    Vor 62 Jahren fing alles mit dem Mercedes 220 an, dem Urahnen der heutigen S-Klasse. Daimler hat in Hamburg die zehnte Generation seiner Oberklasselimousine vorgestellt und sie soll Mercedes wieder auf den Thron der Luxusfahrzeuge bringen - unter anderem mit Parfum und Hot-Stone-Massageeffekt.

  • [image]

    Wie Weltraumbarde Chris Hadfield die Erde sieht

    150 Tage verbrachte der kanadische Astronaut Chris Hadfield auf der Internationalen Raumstation ISS. Wir zeigen wunderschöne Fotos aus dem All, die der Kanadier mit liebevollen Kommentaren getwittert hat.

  • [image]

    Argentiniens versunkene Stadt taucht wieder auf

    Eine kleine Stadt in der Nähe von Buenos Aires versank nach einem Dammbruch vor 27 Jahren im Meer. Mehr als ein Vierteljahrhundert später erblickt die argentinische Geisterstadt Epecuén wieder das Licht.

Erwähnte Unternehmen