• The Wall Street Journal

Anleger hoffen auf neue Fed-Geldschwemme

In der kommenden Woche könnte der nächste Schritt zur Jahresendrally an den Börsen eingeleitet werden. Die US-Notenbank wird vermutlich am Mittwoch eine neue Runde von Anleihekäufen bekanntgeben. Damit gelangt zusätzliche Liquidität an die Märkte, die die Notierungen weiter in die Höhe treiben dürfte. Für die Anleger, die bislang das Geschehen von der Seitenlinie aus betrachtet haben, stiege der Druck, endlich auf den Zug aufzuspringen. Hauptrisiko für die Börsen bleibt die zum Jahresende drohende Fiskalklippe in den USA. Noch setzen die Anleger auf eine Einigung zwischen Republikanern und Demokraten in letzter Sekunde.

dapd

In den kommenden Wochen könnte es an den Börsen steil nach oben gehen. Hauptrisiko bleibt die drohende Fiskalklippe in den USA.

Die Federal Reserve steht unmittelbar davor, ihre Geldpolitik nochmals zu lockern. Hintergrund ist das Auslaufen von "Operation Twist" zum Jahresende. Hierbei verkauft die Fed Staatsanleihen kürzerer Laufzeiten am Markt und investiert die dabei freiwerdenden Mittel in länger laufende Papiere. Die US-Notenbank hofft durch die damit verbundene Verflachung der Zinskurve die Wirtschaft zusätzlich anzukurbeln. Das Volumen dieser Maßnahmen beläuft sich auf monatlich 45 Milliarden Dollar. Die meisten Analysten glauben nun, dass die Fed das daneben laufende zeitlich nicht begrenzte Anleihekaufprogramm (QE3) um diese Summe auf dann 85 Milliarden Dollar an monatlichen Käufen aufstocken wird.

Dadurch würde zusätzliche Zentralbank-Liquidität geschaffen. Denn während bei "Operation Twist" letztlich nur Gelder aus kürzeren in längere Laufzeiten umgeschichtet werden, wird QE3 durch frisch gedruckte Dollar finanziert. Davon sollten auch die Aktienmärkte profitieren, denn ein Teil dieser frischen Liquidität wird sicherlich wie bereits in der Vergangenheit auf Umwegen ihren Weg an die Börsen finden. Damit stiege auch der Druck zum Einstieg auf die Anleger, die bislang der Rally an den Aktienmärkten nur zugeschaut haben. "Die Hausse nährt die Hausse", lautet eine der ältesten Börsenweisheiten überhaupt.

Viele Investoren geben sich bislang widerwillig mit so niedrigen Zinsen am Anleihemarkt zufrieden, dass sie in vielen Fällen sogar einen realen Wertverlust hinnehmen. Belastend wäre eine Aufstockung des QE3-Programms für den Dollar selbst. Denn durch das Anschmeißen der Notenpresse wird der Wert des Greenback natürlich verwässert. Ein weiterer Profiteur zusätzlicher Anleihekäufe wären Edelmetalle. Voraussetzung für dieses aus Sicht der Aktienmärkte freundliche Szenario ist das Ausbleiben politischer Unfälle. Denn dann würden die Anleger aufs Neue instinkthaft die Flucht in die Reservewährung Dollar beziehungsweise in die vermeintlich sicheren Anleihemärkte antreten.

Hauptrisiko bleibt die drohende Fiskalklippe in den USA. Wird diese nicht umschifft, kommen auf das Land zum Jahreswechsel automatische Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen im Volumen von 600 Milliarden Dollar zu, welche die USA laut dem IWF in die Rezession führen würden. Trotz verschiedener Annäherungsversuche scheinen die Gräben im Kongress zwischen Republikanern und Demokraten noch immer tief zu verlaufen. Die Anleger setzen unverändert auf eine Einigung zwischen beiden Lagern, wenn auch erst in letzter Sekunde. Sollte diese aber ausbleiben, drohen starke Verwerfungen an den internationalen Börsenplätzen und eine Herunterstufung der Bonität der USA durch die Ratingagenturen.

Nachdem den Europäern gerade der dritte Schuldenschnitt in Griechenland mehr oder eher weniger gelungen ist, droht zudem aus Italien neues Ungemach. Silvio Berlusconi hat der Übergangsregierung von Mario Monti die Unterstützung entzogen, was vorgezogene Neuwahlen zur Folge haben könnte. Berlusconi hat zudem seine Bereitschaft zu einer neuerlichen Kandidatur zum Ministerpräsidenten deutlich gemacht. Wenn auch politisch geschwächt, so ist Berlusconis Einfluss auf die italienische Politik noch immer beträchtlich. Eine neuerliche Phase politischer Unsicherheiten in Italien oder gar ein Abgang des Reformers Mario Monti käme an den Finanzmärkten sehr schlecht an.

Kontakt zum Autor: manuel.priego-thimmel@dowjones.com

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