• The Wall Street Journal

Bundesbank warnt vor Rezession im Winter

dapd

Die Bundesbank schätzt, dass die Wirtschaft in die Rezession abgleiten könnte.

Die Bundesbank rechnet in wirtschaftlicher Hinsicht mit einem frostigen Winterhalbjahr in Deutschland. In ihrer aktuellen Einschätzung warnt sie von einer Rezession, während sich die Stimmung in der Wirtschaft zuletzt aufgehellt hatte. Auch die Industrie meldete schwache Oktoberzahlen.

"Die konjunkturellen Perspektiven haben sich in Deutschland eingetrübt. Für das Winterhalbjahr 2012/2013 deutet sich sogar ein Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität an", heißt es im aktuellen Bericht der Bundesbank.

Damit ist für die Konjunkturforscher von Bundesbankpräsident Jens Weidmann ausgemacht, dass die Wirtschaftsleistung im Schlussquartal 2012 sinken wird. Während aber Volkswirte für das erste Quartal schon wieder eine Belebung erwarten, bleiben die Notenbanker pessimistisch. Sie erwarten höchstens eine Stagnation und nur dann, wenn Deutschland nicht zu lange Schnee und Frost bekommt.

Die Wachstumsprognose für das Gesamtjahr 2013 haben die Ökonomen der Bundesbank entsprechend kräftig nach unten geschraubt. Die Wirtschaftsleistung wird nur um 0,4 Prozent zulegen und nicht um 1,6 Prozent, wie noch im Juni vorausgesagt. "Deutschland leidet unter der Staatsschuldenkrise, was sich vor allem auf die Investitionen der Firmen legt", sagte auch Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen.

Die Aussagen der Bundesbank sorgten für eine Schrecksekunde an den Finanzmärkten. Zwar waren spätestens seit den düsteren Konjunkturprognosen von EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag die meisten Marktteilnehmer vorgewarnt, das aber ausgerechnet die Bundesbank ihren Wirtschaftsausblick so drastisch senken würde, überraschte dann doch negativ. "Überraschend ist die Aussage, dass die Wirtschaft im ersten Quartal nicht anspringen wird", kommentierte ein Frankfurter Börsenhändler.

Im Frankfurter Spezialistenhandel gab der Xdax seine zuvor gesehenen Gewinne postwendend vollständig ab. Der Dax notierte im frühen Geschäft gar im Minus, obwohl vor den Aussagen der Bundesbank noch im Aktienhandel von neuen Jahreshochs die Rede gewesen war. "Jahreshochs und Rezessionssorgen in Deutschland passen nicht zusammen", sagte ein Händler.

Unter Druck geriet am Morgen auch der Euro. Die Gemeinschaftswährung fiel von Kursen um 1,2960 auf 1,2920 US-Dollar. Mit einer möglichen Rezession in Deutschland steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die am Vortag von Draghi ins Spiel gebrachte Zinssenkung Realität werden könnte. Die Aussicht auf fallende Zinsen belastet den Euro.

Gesucht ist dagegen die vermeintliche Sicherheit deutscher Staatsanleihen - typisch für die Sorge über einen wirtschaftlichen Abschwung. Der Terminkontrakt auf den Bund mit Fälligkeit im März 2013 steigt im frühen Handel auf 145,74 Prozent, ein Plus von 19 Ticks.

Nach Einschätzung der Bundesbank wird auch das laufende Jahr schwächer abschließen als im Sommer erwartet. Anstatt um 1,0 Prozent wird die Wirtschaft nur um 0,7 Prozent zulegen. Eine positive Nachricht hat die Bundesbank für deutsche Arbeitnehmer. Sie müssten sich um ihre Jobs im wesentlichen keine Gedanken machen, lautet die Botschaft von Bundesbankchef Jens Weidmann: "Die gute Grundkonstitution der deutschen Wirtschaft spricht dafür, dass sie die vorübergehende Schwächephase ohne größere Schäden insbesondere bei der Beschäftigung übersteht."

Weidmann ist zuversichtlich, dass Deutschland die kurzfristige Wachstumsdelle zügig hinter sich lassen kann. Ein Jahr später könnte es wieder richtig rund laufen und das Wachstum auf 1,9 Prozent emporschnellen. Leidtragender des schwächeren Wachstums wird wohl Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sein. Nach einem ausgeglichenen Haushalt 2012 erwarten die Währungshüter für 2013 wieder ein Defizit von 0,75 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Auch aus der Industrie kamen am Freitag schlechte Nachrichten. Im Produzierenden Gewerbe schwächte sich die Produktion im Oktober gegenüber September bereinigt um 2,6 Prozent ab. Volkswirte hatten nur ein Minus von 0,2 Prozent erwartet. Vor allem im Bauhauptgewerbe lief es mit minus 5,3 Prozent deutlich schlechter. Auch in der Industrie wurde mit 2,4 Prozent weniger hergestellt als im Vormonat.

Das Bundeswirtschaftsministerium, das die Daten veröffentlichte, gibt sich auch für die folgenden Monate zurückhaltend: "Trotz des Anstiegs der Auftragseingänge im Oktober deutet die Gesamtentwicklung darauf hin, dass der Verlauf der Produktion in der Industrie und im Bauhauptgewerbe vorerst verhalten bleiben wird", heißt es in seiner Einschätzung.

Kontakt zum Autor: christian.grimm@dowjones.com

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