• The Wall Street Journal

Telekom-Chef Obermann schneidet alte Zöpfe ab

Die Deutsche Telekom schlägt sich zurzeit besser als ihre europäischen Wettbewerber. Das ist ein kleiner Erfolg, aber einer, für den sich der Konzern nicht viel kaufen kann. Denn der seit Jahren erhoffte Wachstumsschub ist ausgeblieben. Jetzt legt Rene Obermann, seit sechs Jahren an der Spitze des ehemaligen Staatsbetriebs, nach: Investoren bekommen weniger Dividende, die Investitionen – nicht zuletzt die Ausgaben für den Breitbandausbau – werden erhöht.

Zum Sinn der neuen Strategie kann es keine zwei Meinungen geben. Der Schwenk der Telekom war überfällig: Immer mehr Daten werden in der Cloud gelagert, also in großen Rechenzentren – ob das nun Unterlagen von Großunternehmen sind, Software für Mittelständler oder die Sicherungskopie von Kontakten, Bildern und Musik im Privatkundengeschäft.

Um diese Unmengen von Daten bei Bedarf auf den Büro-PC, den heimischen Laptop oder das Smartphone zu laden, braucht es leistungsfähige Netze. Dabei nur auf mobile Datenübertragung zu setzen, wäre verhängnisvoll. Zwar garantieren die neuen LTE-Netze, die die Telekom gerade in Stadt und Land ausbaut, mindestens eine drei mal so schnelle Datenübertragung, doch auch sie werden, wie heute schon die UMTS-Netze an ihre Grenzen stoßen. Und die an Flughäfen, ebenso wie in Büros oder der heimischen Wohnung beliebten WLAN-Router sind eben an ein Festnetz angebunden.

dapd

Rene Obermann, Vorstandsvorsitzender der deutschen Telekom - dass er die Dividende zusammengekürzt hat, war ein längst überfälliger Schritt, schreibt unser Autor.

Sicherlich geht es der Telekom bei ihrem geplanten Breitbandausbau auch darum, mit den Kabelnetzbetreibern erfolgreich konkurrieren zu können. Die können nämlich hohe Bandbreiten bis ins Haus liefern und machen der Telekom bei der Neukundengewinnung das Leben schwer. Aber mit dem geplanten Vectoring, mit dem sich auch ohne einen Milliarden verschlingenden Ausbau des Glafasernetzes mehr Daten schneller über die Telefonleitung übertragen werden, schafft sich die Telekom auch einen Wettbewerbsvorteil: Sie gibt an, dann höhere Geschwindigkeiten beim Hochladen von Daten als die Kabelkonkurrenz erreichen zu können. In Zeiten, in denen zunehmend mehr Daten in die Cloud hochgeladen werden, ist das nicht unwichtig.

Obermann ist auf dem richtigen Weg. Bleibt die Frage, wann sich die neue Strategie der Telekom in barer Münze auszahlen wird. Kurzfristig sicherlich nicht, das liegt schon in der Natur der Sache. Immerhin, Analystin Robin Bienenstock von Sanford C. Bernstein glaubt, dass das operative Ergebnis der Telekom Ende 2013, Anfang 2014 wieder nach oben zeigen wird.

Ob es wirklich so kommen wird, bleibt abzuwarten, vieles hängt auch von der wirtschaftlichen Großwetterlage in Europa ab, und ob das schwächelnde US-Geschäft mit dem iPhone wieder auf die Beine kommt. Man habe endlich einen Deal mit Apple geschlossen, ließ Obermann wissen, wollte aber nicht ins Detail gehen.

Klar ist jedoch schon heute: Wenn die Telekom nicht in leistungsfähige Netze investiert, dann wird es ganz sicher nichts mit dem Wachstum: nicht heute und auch nicht in fünf Jahren.

Kontakt zum Autor: archibald.preuschat@dowjones.com

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