• The Wall Street Journal

Umwälzung bei EADS soll bald beschlossen werden

BERLIN--Die Ergebnisse zur Neuordnung der EADS-Aktionärsstruktur könnten schon im ersten Quartal 2013 von den Anteilseignern abgesegnet werden. Dann soll eine außerordentliche Hauptversammlung des Luft- und Raumfahrtkonzerns die Zustimmung geben, hieß es aus Kreisen des Bundeswirtschaftsministeriums in Berlin.

Die am Mittwoch erzielte Einigung wird in Berlin sehr positiv bewertet - für das Unternehmen selbst wie auch für den Bund. Der Aufwand für den Kauf der zusätzlichen Aktien durch Deutschland dürfte geringer ausfallen als erwartet. "Die Kosten für den Bund werden sicher nicht die obere Grenze dessen erreichen, was wir eingeplant hatten", hieß es aus Kreisen des Wirtschaftsministeriums. Das liege auch an dem von EADS geplanten Aktienrückkaufprogramm.

Schon am Donnerstag übernahm die staatseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) 2,76 Prozent aus dem von der Daimler AG verkauften EADS-Aktienpaket. Der Automobilkonzern hatte unmittelbar nach der Einigung die Hälfte seiner Anteile über eine Platzierung angeboten. Für das Paket von 7,5 Prozent oder 61,1 Millionen EADS-Aktien kassierte Daimler 1,66 Milliarden Euro. Käufer waren neben der KfW private Investoren aus einem Bankenkonsortium und institutionelle Anleger.

dapd

Ein Modell eines vom Luft- und Raumfahrtunternehmen EADS entwickelten Passagierflugzeugs mit Elektromotor, genannt "Voltair".

Insgesamt wird die KfW-Bankengruppe zu einem neuen Großaktionär. Sie wird zusätzlich die privat gehaltenen Aktien des sogenannten Dedalus-Bankenkonsortiums aufkaufen. Damit wird die Staatsbank zusammen mit den anderen öffentlichen deutschen Körperschaften, die über Dedalus-Anteile verfügen, 10,2 Prozent halten. Der Anteil wird auf 12 Prozent steigen, wenn das von EADS geplante Aktienrückkaufprogramm für bis zu 15 Prozent der ausstehenden Aktien abgeschlossen ist.

Dass ein Weg gefunden worden sei, die "unwilligen Alt-Aktionäre" herauszubekommen, sei gut für das Unternehmen, hieß es aus dem Wirtschaftsministerium. Keinem Konzern könne an Aktionären gelegen sein, die eigentlich kein Interesse mehr an der unternehmerischen Entwicklung hätten. Insgesamt schaffe die Einigung eine gute Ausgangslage für den künftigen Erfolg von EADS, um im weltweiten Wettbewerb bestehen zu können.

EADS werde mit seiner neuen Aktionärsstruktur als Unternehmen "wesentlich flexibler", da künftig gut 70 Prozent der Anteile im Streubesitz seien und der öffentliche Einfluss durch die Auflösung des alten Shareholderpakts geringer geworden sei.

Deutschland verfüge künftig, anders als bisher, als Aktionär über die gleichen Rechte wie Frankreich. Wichtig für die Bundesregierung sei außerdem, hieß es aus Kreisen des Wirtschaftsministeriums, dass der Standort Ottobrunn bei München auch künftig wesentliche Headquarter-Funktionen behalte. Der Forschungsvorstand wie auch wichtige Finanzdienstleistungen blieben dort angesiedelt.

Auch die Rüstungssparte Cassidian, die für den Bau des Kampfflugzeugs Eurofighter verantwortlich ist, bleibe als zentraler Baustein des Geschäftsbereichs Defense in Deutschland. Eine Änderung der Produktionsverteilung und damit der Standorte könne es in Zukunft nur mit einer Zweidrittelmehrheit im Board geben. In dem zwölfköpfigen Gremium wird Deutschland künftig zwei Vertreter haben, Frankreich ebenfalls zwei und Spanien einen.

Frankreich und Deutschland hatten sich am Mittwochabend nach zähen Verhandlungen auf eine neue Anteilsstruktur für den größten europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern verständigt. Deutsche und Franzosen halten künftig jeweils 12 Prozent an dem europäischen Konzern. Weitere 4 Prozent gehören Spanien - in der Summe sollen die Staaten nicht mehr als 28 Prozent halten.

Im Zuge der neuen Vereinbarung soll es eine Stimmrechtsbeschränkung eines Aktionärs auf 15 Prozent geben. Vor möglichen Übernahmeversuchen wäre EADS dadurch geschützt. Vetorechte bei wichtigen Entscheidungen soll es aber nicht geben.

Kontakt zum Autor: beate.preuschoff@dowjones.com

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