• The Wall Street Journal

5 Gründe, warum Apple-Aktien weiter fallen könnten

Apple befindet sich mitten in einem weiteren Ausverkauf. Am Mittwoch stürzte die Aktie um 6,4 Prozent ab. Am Donnerstag ging es zu Handelsbeginn um weitere 3,5 Prozent auf 520 Dollar abwärts, ehe die Aktie die Richtung wechselte und ins Plus drehte. Marktbeobachter und Analysten suchen nach Gründen, warum das Unternehmen in den vergangenen zehn Wochen mehr als 20 Prozent an Wert verloren hat. Denn eigentlich spricht gegen eine solche Talfahrt: Es gilt als ausgemacht, dass Apple im kommenden Jahr erneut ein Umsatzwachstum im hohen zweistelligen Bereich erzielen wird.

Sollte sich Ende November begonnene Talfahrt der Apple-Aktie fortsetzen, würde sich das in zwei vorhergegangene Einbrüche in diesem Jahr einreihen. Von April bis Mai gab es bereits eine Korrektur um 15 Prozent. Und nach dem Verkaufsstart des iPhone 5 am 21. September ging es in den folgenden zwei Monaten sogar um 25 Prozent nach unten – nachdem zuvor ein Allzeithoch von über 700 US-Dollar je Aktie erzielt wurde. Die Erholung danach währte keine zwei Wochen.

[image] Associated Press

Anleger von Apple haben in diesem Jahr schon einiges mitmachen müssen. Auf eine Abwärtsbewegung im April und Mai folgte ein Anstieg, der den Kurs auf ein Allzeithoch von über 700 US-Dollar trieb. Doch in den vergangenen Wochen ist die Euphorie verflogen. Und es könnte noch schlimmer kommen.

Es stimmt natürlich. Über das ganze Jahr gesehen gehört Apple mit einem Anstieg von mehr als 35 Prozent zu den Gewinnern unter den großen Technologieunternehmen. Nur Amazon und Ebay schnitten bisher besser ab. Und die Erwartungen bleiben hoch: Bei Apples Top-Produkten wird mit einem Umsatzanstieg von 24 Prozent im aktuellen Fiskaljahr gerechnet. Es fehlt also ein richtiger Grund für die jüngsten Ausverkäufe.

Analysten jedenfalls sehen weiter steigende Kurse. Sie erwarten, dass Apple im Weihnachtsgeschäft zu den beliebtesten Marken gehören wird. Mit dem iPhone 5, dem iPad mini und einer Reihe neuer iPods ist man stark aufgestellt. Außerdem hat das Unternehmen seine Strategie geändert: In diesem Jahr wird erstmals wieder eine Dividende gezahlt.

Risiken lauern am Horizont

Doch es gibt auch Risiken, die zwar für sich allein genommen kaum negative Auswirkungen haben dürften. Zusammengenommen aber könnten sie dazu führen, dass es mit dem Aktienkurs von Apple auch in Zukunft weiter bergab geht.

1. Ein schwacher Jahresstart: Apple hat fast alle seine Produkte in den vergangenen Monaten überarbeitet. Das dürfte dazu führen, dass einige davon über Weihnachten stark nachgefragt werden – unter anderem das neue iPad mini und der iMac, der erst vor ein paar Tagen in den Handel gekommen ist. Es wird zwar erwartet, dass sich die guten Verkaufszahlen bis ins Märzquartal 2013 hineinziehen könnten. Allerdings gibt es ein gewisses Risiko, dass die Nachfrage abflauen könnte, falls sich die Wirtschaft weiter abkühlen und damit die Konsumlaune der Kunden sinken sollte.

2. Sinkender Marktanteil bei Tablet-PCs: Die Marktforscher von IDC haben am Mittwoch einen Ausblick veröffentlicht, wonach Googles Android-Plattform in diesem Jahr für 43 Prozent des weltweiten Tablet-Absatzes verantwortlich sein wird. Der Anteil von Apple soll demnach von 56,3 Prozent auf 53,8 Prozent fallen. Damit würde das iPad zwar weiterhin Marktführer bleiben. Doch der verstärkte Konkurrenzkampf könnte dazu führen, dass Apple bei der Preisgestaltung aggressiver vorgehen muss. Und das würde sich negativ auf die hohen Gewinnmargen des Unternehmens auswirken.

3. Technische Faktoren: Es ist das dritte Mal in fast sechs Monaten, dass Apple-Aktien unter die Marke von 550 US-Dollar gefallen sind. Tomi Kilgore von Dow Jones spricht in diesem Zusammenhang von einem so genannten „Todeskreuz". Dieses entsteht wenn der 50-tägige Durchschnittskurs unter den 200-tägigen Durchschnittswert fällt. Kilgore sagte voraus, dass dieser Punkt am Ende der Woche erreicht sein könnte – wenn der Trend anhält. Unter Händlern macht seit Mittwoch zudem ein Gerücht die Runde, wonach einige Clearing-Firmen ihre Sicherheitsleistungen für den Handel mit Apple-Aktien erhöhen wollen. Dieser Schritt könnte weitere Käufe beschränken.

4. Der Kampf mit Samsung: Der südkoreanische Elektronikgigant ist zu einem der größten Widersacher von Apple aufgestiegen, wenn es um Smartphones und Tablets geht. Im kalifornischen San Jose stehen sich die beiden Unternehmen am Donnerstag erneut vor Gericht gegenüber. Eigentlich sollte entschieden werden, ob die Milliardenstrafe, die vor ein paar Monaten gegen Samsung verhängt wurde, abgemildert wird. Doch es wird erwartet, dass die Südkoreaner das Verfahren komplett neu aufrollen lassen wollen.

5. Keine neuen Produkte in Sicht: Mehr als andere Unternehmen hängt Apples Erfolg von der Erwartungshaltung seiner Kunden ab. Der Hype um das iPhone 5 und das iPad mini war ein wichtiger Faktor beim Anstieg des Aktienkurses um mehr als 70 Prozent in den ersten neun Monaten des Jahres. Jetzt jedoch sind alle Produkte überarbeitet worden, und kaum jemand rechnet damit, dass es im nächsten Jahr große Veränderungen geben wird – es sei denn, die Spekulationen über einen Einstieg ins Fernsehgeschäft sollten sich bewahrheiten.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Panorama

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 18. Juni

    Beim berühmten Pferderennen im britischen Ascot trinkt man trotz äußerer Eleganz den Sekt gern aus der Flasche, in Indien huldigen Hindus dem heiligen Fluss Ganges und in Madrid rücken die Abrissbagger in ein Elendsviertel ein. Das und mehr sehen Sie in unseren Fotos des Tages.

  • [image]

    Obama in Europa: Tanzen mit Angie, Boxen mit Wowi

    US-Präsident Barack Obama kommt viel herum - nicht nur, aber öfter in Deutschland, auch in Frankreich, Tschechien oder Großbritannien jubelt ihm die Menge zu. Wir zeigen schöne, nachdenkliche und sportliche Momente mit Obama in Europa.

  • [image]

    Spektakuläre Formen - Autos wie Skulpturen

    "Sinnlicher Stahl: Autos des Art Deco", unter diesem Titel zeigt das Frist Center for Visual Arts in Nashville, Tennessee, 19 Autos und zwei Motorräder. Die Ausstellung ist gewissermaßen eine Hommage an das im Art Déco gehaltene Gebäude: Sie zeigt Fahrzeuge in sinnlicher Strenge.

  • [image]

    Vom Holzmotorrad zum Schuhauto - die kuriosesten Fahrzeuge

    Mit Kristallen besetzte Autos oder ein Motorrad aus recycelten Fahrradteilen: Wer mit diesen Fahrzeugen unterwegs ist, zieht mit Sicherheit die Blicke auf sich. Wir zeigen, wie Menschen auf der ganzen Welt ihre fahrbaren Untersätze verschönern.

  • [image]

    Hochhauspreise schießen in den Himmel

    Investoren haben zuletzt zunehmend sehr große Summen für Hochhäuser in New Yorks Stadtteil Manhatten bezahlt. Einige der Gebäude in unserer Bildergalerie.

  • [image]

    Was 3D-Drucker können

    Immer mehr Unternehmen setzen 3D-Drucker im alltäglichen Geschäft ein. Ford nutzt sie bisher nur zur Herstellung von Prototypen. Der Autohersteller träumt aber von einer Zukunft, in der Kunden ihre eigenen Ersatzteile drucken können.

  • [image]

    Steiniges Heim in Kalifornien

    Sonne, Strand, spanisch-mexikanische Straßenzüge und entspannte Menschen: Santa Barbara an der Westküste der USA lockt Hollywood-Stars und Musiker an, die keine Lust auf Trubel haben. Unser Haus der Woche in den Hügeln über der Stadt bietet Ruhe - und atemberaubende Ausblicke.