• The Wall Street Journal

Anleger und Analysten bejubeln EADS-Entscheidung

Reuters

Die radikalen Veränderungen im Eigentümerkreis von EADS und das umfangreiche Aktienrückkaufprogramm stoßen am Markt auf reges Interesse. Kurz nach Beginn des Xetra-Handels schoss die Aktie nach oben. Während die Profis die Gunst der Stunde nutzten, verpassten vor allem Kleinanleger die günstige Gelegenheit.

FRANKFURT--Die radikale Umwälzung im Eigentümerkreis von EADS, aber vor allem die Ankündigung eines unerwartet umfangreichen Aktienrückkaufprogramms lassen die Aktionäre jubeln. Direkt nach Beginn des Xetra-Handels schoss die Aktie am Donnerstag um mehr als acht Prozent nach oben und hielt das Plus bis zum Nachmittag. Bemerkenswert ist allerdings, dass die Kleinanleger tendenziell kaum Kapital aus diesen Nachrichten geschlagen haben.

Im Frankfurter Spezialistenhandel, der immer eine Stunde vor dem Xetra-Handel öffnet und auf geringe Volumina begrenzt ist, fiel das Kursplus sehr viel moderater aus. Möglicherweise waren sich die Kleinanleger dem enormen Gewinnsteigerungspotenzial durch das Rückkaufprogramm gar nicht bewusst. Von den "Profis" im Markt wurde diese Schwäche dann eiskalt für einen massiven Einstieg genutzt.

Nach langem Geschacher hatten sich am Mittwoch die Regierungen Deutschlands, Frankreichs und Spaniens mit den industriellen Großanlegern Daimler und Lagardère auf eine neue Aktionärsstruktur verständigt. Demnach kann sich EADS zumindest formal etwas aus der festen Umklammerung der Staaten befreien, die ihre Beteiligung deutlich reduzieren - von mehr als 50 Prozent auf unter 30 Prozent.

Deutschland und Frankreich halten künftig jeweils 12 Prozent der Stimmrechte, Spanien ist mit weiteren 4 Prozent beteiligt. Was Analysten neben der allgemein geringeren Staatsbeteiligung freut, ist der Wegfall der bisherigen Vetorechte. Im Zuge der neuen Vereinbarung soll es eine Stimmrechtsbeschränkung eines Aktionärs auf 15 Prozent geben, was den Rüstungsriesen vor Übernahmeversuchen schützen würde. Auch hätte dadurch kein Investor die Möglichkeit, deutlich mehr Mitspracherecht als Deutschland oder Frankreich zu haben.

Die eigentliche Nachricht des Tages ist aber das verdoppelte Volumen des Aktienrückkaufprogramms. "EADS hat jetzt gesagt, dass sie bis zu 15 Prozent des Streubesitzes zurückkaufen wollen. Das ist deutlich mehr, als der Markt zuletzt mit rund 10 Prozent erwartet hatte", sagt ein Händler. EADS wolle dies in der ersten Jahreshälfte 2013 umsetzen. Spekulationen auf einen Rückkauf seien der Kurstreiber der vergangenen sechs Tage gewesen. Die neue Aktionärsstruktur sei dagegen bekannt. "Das ist genau die erwartete Zusammensetzung", sagt ein Händler.

Das unerwartet umfangreiche Aktienrückkaufprogramm ist es dann auch, was unter Analysten auf ein besonders positives Echo stößt. Die Deutsche Bank spricht von einem "Weihnachtsgeschenk" an die Aktionäre. Die Überhangrisiken, die für 2013 bestanden hätten, würden damit annähernd - wenn nicht sogar vollständig - getilgt. EADS möge mit der sinkenden Liquidität zwar ein paar Zinseinnahmen durch die Lappen gehen. Diese seien aber nichts im Vergleich zu 123 Millionen weniger Aktien, merkt Analyst Markus Turnwald von der DZ-Bank an. Die Maßnahmen seien "in hohem Maße gewinnsteigernd", lautet seine Einschätzung. Den Gewinn je Aktie sieht er 2014 nun bei 3,43 Euro. Zuvor ging er noch von 2,98 Euro aus. Insofern tippt Turnwald für die kommende Tage auf eine kräftige Kursbewegung nach oben.

Keine Furcht um Kreditrating

Für das Rückkaufprogramm muss EADS mehr als 3 Milliarden Euro aufwenden, was Société Générale zufolge aber kein Problem darstellt. Zum Jahresende dürfte der Konzern über Barreserven von 10 bis 11 Milliarden Euro verfügen, könne sich diese Maßnahmen also leisten, ohne um das bisherigen Kreditrating fürchten zu müssen.

Für Daimler war die Einigung der Startschuss zum Verkauf eines 7,5-prozentigen Aktienpaketes, der bereits am Morgen erfolgt war. Dem Automobilhersteller flossen dadurch mehr als 1,6 Milliarden Euro zu. Anleger honorierten dies mit einem Plus von 1,2 Prozent für die Daimler-Titel. Die staatseigene Förderbank KfW übernahm dabei 2,76 Prozent der EADS-Aktien, die privaten Deadelus-Investoren 1,9 Prozent.

Damit hält Daimler nun nur noch 7,5 Prozent an EADS. "Grundsätzlich beabsichtigen wir, unseren Anteil noch weiter zu verringern", sagte Daimler-Vorstand Bobo Uebber. Allerdings hat sich Daimler mit den anderen Anteilseigner auf eine Halteperiode geeinigt, wonach bis zur einer außerordentlichen Hauptversammlung im ersten Halbjahr 2013 keine weiteren Aktien veräußert werden dürfen. Danach steht es sowohl Daimler als auch Lagardère frei, ihre gegebenenfalls noch verbleibenden Anteile auf null zu reduzieren.

Ist der Staatseinfluss tatsächlich gesunken?

Die Frage, die sich derzeit am Markt stellt, ist die, ob der Staatseinfluss durch die neue Eigentümerstruktur tatsächlich zurückgegangen ist. Formal ist der Anteil der Regierungen zwar auf 30 Prozent gesunken, doch sind sie nun direkt und nicht mehr indirekt über nationale Großkonzerne an EADS beteiligt. Bejaht wird diese Frage von Bank of America-Merrill Lynch, deren Analysten von einem "sehr viel geringeren Staatseinfluss" ohne Vetorecht sprechen. Ein weiterer Analyst, der namentlich nicht genannt werden will, sieht künftig ebenfalls weniger Mitspracherecht seitens der staatlichen Stellen.

Seiner Einschätzung nach bezieht sich die von EADS formulierte "Stimmrechtsbeschränkung auf 15 Prozent", die "weder von Einzelaktionen noch von Aktionärsgruppen überschritten werden darf", allerdings separat auf die einzelnen Länder. Demnach können also Deutschland, Frankreich und Spanien theoretisch jeweils 15 Prozent der Stimmrechte ausüben, sofern sie über einen ausreichenden Anteil am Kapital verfügen - nach der neuen Struktur kommen alle drei Länder zusammen auf 28 Prozent. Société Générale zufolge wird EADS durch den reduzierten Staatseinfluss zu einem beinahe "normalen" Konzern.

Das durchweg positive Echo der Analysten auf die neue Aktionärsstruktur und das angehobene Aktienrückkaufprogramm kulminiert letztlich in zahlreichen Kaufempfehlungen für den Titel. UBS, die Deutsche Bank, Bank of America-Merrill Lynch, Société Générale und die DZ-Bank raten Anlegern unisono zu einer Investition in EADS. Die Kursziele liegen zwischen 33 und 40 Euro.

Kontakt zum Autor: thorsten.herterich@dowjones.com

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