Von PHISANU PHROMCHANYA
Der thailändische Geschäftsmann, der mehr als neun Milliarden Dollar für einen Anteil an einem der größten Versicherungsunternehmen Chinas bezahlt hat, ist China seit Jahrzehnten verbunden. Bereits in den 1970er Jahren stieg er als einer der wenigen großen Investoren in Chinas Landwirtschaft ein.
Dhanin Chearavanont, der 73-jährige Tycoon, der das Konglomerat Charoen Pokphand Group kontrolliert, hat seinen Reichtum im Nahrungsmittel-Sektor gemacht, seither seine Beteiligungen aber über verschiedenste Bereiche gestreut, von Einzelhandel bis Telekommunikation. Das US-Magazin Forbes führt ihn als den reichsten Mann Thailands. Sein Vermögen und das seiner Familie wird auf neun Milliarden Dollar geschätzt.
Der am Mittwoch angekündigte Schritt, der britischen Großbank HSBC ihren Anteil von knapp 16 Prozent am Versicherer Ping An Insurance abzukaufen, bedeutet einen weiteren Meilenstein in der aggressiven Expansion des Konzerns nach China, wo er als Chia Tai Group bekannt ist. Es ist das erste Mal, dass er außerhalb Thailands im Versicherungssektor investiert.
„China ist entscheidend für die CP Group und es ist sinnvoll für das Unternehmen, einen Fuß in den Finanzsektor des Landes zu bekommen – nicht nur um die Finanzierung seiner Expansion zu sichern, sondern auch um sich einen Teil von Chinas Wachstum abzugreifen", sagt Pongrat Ratanatawanananda, Analystin bei Buluang Securities in Bangkok. Unternehmensführer Dhanin und andere Führungskräfte der CP Group wollten sich auf Anfrage nicht zu dem China-Geschäft äußern.
Asien-Krise stoppte erste China-Offensive
Der Zukauf ist Teil der zweiten China-Offensive des Unternehmens. In den 1990ern kaufte sich der Konzern in Geschäftsbereiche ein, die von Bau und Telekom über Bier bis zur Petrochemie reichten. Während der Asienkrise 1997 war er allerdings gezwungen, einen Teil der Beteiligungen zu verkaufen. Stattdessen fokussierte sich CP auf Kerngeschäftsfelder wie die Produktion von Nahrungsmitteln.
Die Expansion nach China in den Jahren vor 1997 hatte das Unternehmen überwiegend über Kredite in ausländischer Währung finanziert. Als der thailändische Baht einbrach, schossen die Schulden daher nach oben. Die Beteiligung an einem chinesischen Finanzkonzern könnte CP nun dabei helfen, sich in Yuan zu finanzieren, was die Anfälligkeit für Turbulenzen am Währungsmarkt verringere, sagt Analystin Pongrat.
Dhanin Chearavanont verbindet eine besondere Liebe mit China, der Heimat seiner Vorfahren. 1921 wanderten die Chia-Brüder Ek Chor und Siew Whooy – Dhanins Vater und Onkel – aus Guangdong, einer Provinz im Süden Chinas, nach Thailand aus und gründeten in Bangkoks Chinatown ein kleines Saatgut-Geschäft namens Chia Tai Cheung.
Über die Jahre erweiterte das Unternehmen sein Geschäft in die Bereich Tierfutter, sowie Aufzucht, Schlachtung, Verkauf und Vertrieb von Vieh. CP zählt mittlerweile zu den weltgrößten Herstellern von Tierfuttern, Shrimps und Geflügel. Mehr als ein Viertel der Geflügel-Exporte nach China gehen auf das Konto des Konzerns.
Leidenschaftlicher Fan von Hahnenkämpfen
Für Hühner interessiert sich Dhanin nicht nur geschäftlich. Er ist fasziniert vom traditionellen thailändischen Hahnenkampf und hat ein Zentrum gegründet, in dem eine heimische Hühnerart gezüchtet und vorgeführt wird. Ziel ist es, heimische Kampfhähne zu bewahren und den Hahnenkampf zu fördern.
Neben den weitreichenden Beteiligungen in der Agrarindustrie und im Nahrungsmittelgeschäft, zählen Einzelhandel und Telekommunikation zu den Kerngeschäftsfeldern der CP Group. Der Konzern betreibt über seine Sparten mehr als 6,800 Lebensmittelläden der Kette 7-Eleven sowie 70 Lotus-Supermärkte in China, die eine große Bandbreite an Konsumgütern verkaufen. In Schanghai hat der Konzern zudem die Super Brand Mall gebaut, ein 13-stöckiges Einkaufscenter im Bezirk Pudong.
Zu den weiteren China-Aktivitäten zählen Einzelhandel, Finanzen, Immobilien, Maschinenbau, Pharma und mehr. So ist die CP Group auch am Joint-Venture Luoyang Northern Ek Chor Motorcycle beteiligt, das jährlich eine Millionen Motorräder fertigt.
Die CP Group beschäftigt nach eigenen Angaben weltweit 280.000 Mitarbeiter, davon 80.000 in China, und erzielt einen Jahresumsatz von mehr als 33 Milliarden Dollar.
Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de






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