• The Wall Street Journal

Opelaner aus Bochum fordern Klarheit

Die Zukunft des Opel-Werks Bochum ist weiter ungewiss. Nachdem jüngste Gespräche zwischen Arbeitnehmervertretern und Unternehmensvorstand ohne Fortschritt blieben, forderte Betriebsratschef Rainer Einenkel Klarheit für die sorgengeplagten Beschäftigten. „Wir brauchen zeitnah verbindliche Aussagen darüber, wie es weitergehen soll", sagte Einenkel dem Wall Street Journal Deutschland.

Opel will nach jetzigem Stand die Autoproduktion im Bochumer Werk nach 2016 auslaufen lassen, um Überkapazitäten abzubauen. Dann wird dort der letzte Minivan Zafira der aktuellen Generation vom Band rollen. Die Belegschaft wehrt sich gegen diese Pläne.

Montag nächster Woche soll es in Bochum eine Belegschaftsversammlung geben, auf der es um die Perspektiven für das Werk mit seinen derzeit rund 3.400 Beschäftigten geht. Ob ein Opel-Vorstand zugegen sein wird, ist laut Einenkel noch nicht klar.

dapd

Ein Opel-Mitarbeiter in Bochum wehrt sich im Mai gegen Stellenkürzungen - die Zukunft des Werks ist noch immer unklar.

Der Betriebsrat erneuerte seine Forderung nach einem Erhalt des Standorts Bochum. Sollten die nächste Zafira-Generation und der kompakte Geländewagen Mokka in Bochum gefertigt werden, habe das Werk auch über 2016 hinaus eine Zukunft, argumentiert er.

Anfang Oktober ist der Mokka an den Start gegangen und hat sich binnen weniger Wochen zu einem Verkaufsschlager entwickelt. Gegenwärtig wird das Fahrzeug bei der Opel-Schwester Chevrolet in Südkorea gebaut. Jüngst machten allerdings Gerüchte die Runde, die Produktion könnte ins thüringische Eisenach verlagert werden. Das Management habe sich jedoch nicht in diese Richtung geäußert, sagte dazu Betriebsrat Einenkel.

Was den Zafira angeht, so wird spekuliert, dass der Familienvan künftig entweder am Opel-Stammsitz in Rüsselsheim oder in einem Werk des französischen Autokonzerns Peugeot-Citroen vom Band rollen könnte, mit dem GM eine weitreichende Kooperation eingegangen ist. Die sehe aber keine gemeinsame Produktion vor, heißt es dazu von Opel.

Opel schreibt seit Jahren massive Verluste und ist das größte Sorgenkind des US-Autogiganten General Motors . Da die Marke mit dem Blitz fast ausschließlich auf dem kriselnden europäischen Markt unterwegs ist, ist eine kurzfristige Besserung der Lage nicht in Sicht. Denn die Schuldenkrise schreckt vor allem Kunden im Süden Europas ab, sich ein neues Fahrzeug zuzulegen.

Verhandlungen laufen seit Monaten

Deshalb verhandeln Management und Gewerkschaft sowie Betriebsrat bei Opel seit Monaten über weitere Restrukturierungsmaßnahmen. Eigentlich sollte es bereits Ende Oktober ein Ergebnis geben, doch haben sich die Beteiligten vertagt.

Kritisch sieht Einenkel die Ankündigung des Managements, das Getriebewerk in Bochum mit seinen rund 300 Beschäftigten im nächsten Jahr endgültig dichtmachen zu wollen. Es gebe Gespräche zwischen GM, dem Opel-Vorstand mit und der Landesregierung zum Erhalt der Getriebefertigung. „Durch die Anrufung der Einigungsstelle werden diese Verhandlungen akut gefährdet", sagte er. Ursprünglich hatte die Getriebefertigung schon in der letzten Restrukturierungsrunde 2011 geschlossen werden sollen, wurde aber aufgeschoben.

Das Bochumer Automobilwerk, das dank mehrerer Großaufträge - unter anderem von der ungarischen Polizei - zuletzt gut ausgelastet war, bekommt das zunehmend schwierige Umfeld laut Betriebsratschef Einenkel indes immer stärker zu spüren. Ab der ersten Januarwoche werde auch in Bochum kurzgearbeitet, sagte er. Anschließend prüfe man von Monat zu Monat, ob weitere Kurzarbeitstage nötig seien.

Zudem gebe es Überlegungen, den Betrieb in Bochum vom Drei- auf den Zwei-Schicht-Betrieb umzustellen. Mehrere europäische Opel-Werke produzieren angesichts der flauen Nachfrage mittlerweile nur noch in zwei Schichten. „In Bochum ist der Drei-Schicht-Betrieb bis mindestens Ende 2014 vertraglich zugesichert ist. Daran wollen wir festhalten", sagte Einenkel.

Bereits im Spätsommer hatte Opel Kurzarbeit an den Standorten in Rüsselsheim und Kaiserslautern eingeführt. An jeweils 20 Tagen bis zum Jahresende wird in Produktion und Verwaltung nicht gearbeitet. Betroffen sind rund 10.000 Opelaner. Zudem fielen in Eisenach einige Schichten aus.

Kontakt zum Autor: nico.schmidt@dowjones.com

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