• The Wall Street Journal

Citigroup streicht 11.000 Stellen

Die US-Großbank Citigroup will sich weltweit schlanker aufstellen und streicht dafür tausende Arbeitsplätze. Aus einigen Ländern will sich die Bank komplett zurückziehen oder zumindest das Geschäft deutlich zurückfahren. Im Zuge des Umbaus sollen konzernweit mehr als 11.000 Stellen dem Rotstift zum Opfer fallen, wie die Citigroup Inc mitteilte. Das sind gut 4 Prozent der Belegschaft. Am Markt kam die Nachricht gut an. Die Citigroup-Aktie legte um fast 5 Prozent zu.

Agence France-Presse/Getty Images

Mit den weitreichenden Einsparungen drückt der neue CEO Michael Corbat dem Unternehmen erstmals seinen Stempel auf. Der Banker hatte das Ruder erst Mitte Oktober übernommen, nachdem sein Vorgänger Vikram Pandit überraschend zurückgetreten war.

Ausschlaggebend für seine Ernennung dürfte vor allem seine Restrukturierungserfahrung gewesen sein. So hat er bei der Leitung der Citi Holdings, der so genannten Bad Bank des Instituts, jede Menge Erfahrung bei der Verschlankung von Bankbilanzen, dem Abbau von Risiken und dem Verkauf von Vermögenswerten und Beteiligungen gesammelt.

Corbat bezeichnete die angekündigten Maßnahmen denn auch als "logischen nächsten Schritt in der Transformation der Citigroup". Der Konzern habe jene Bereiche und Produkte identifiziert, die nicht genügend Rendite brächten und wolle die operative Effizienz steigern, indem Überkapazitäten und Ausgaben gesenkt würden - ganz gleich, ob es um Technologie, Immobilienbesitz oder die Vereinfachung von Geschäftsprozessen gehe.

Zunächst einmal kostet die Restrukturierung Geld. Im laufenden vierten Quartal rechnet die Bank mit einer Belastung vor Steuern von rund 1 Milliarde US-Dollar. Im ersten Halbjahr 2013 dürften weitere 100 Millionen Dollar anfallen. Bereits im kommenden Jahr dürfte der Konzern aber gut 900 Millionen sparen, ab 2014 sollen sich die Einsparungen auf 1,1 Milliarden Dollar pro Jahr belaufen.

Im Privatkundengeschäft soll der Löwenanteil von 6.200 Stellen gestrichen werden, hier fallen gut 35 Prozent der Restrukturierungskosten an. In Pakistan, Paraguay, Uruguay, Rumänien und der Türkei will die Citigroup ihr Geschäft entweder verkaufen oder deutlich eindampfen. Aber auch für den Konzern wichtige Märkte werden nicht verschont. In Brasilien, Hongkong, Ungarn, Südkorea und auch im Heimatmarkt USA sollen Filialen geschlossen werden. Hier will sich die Bank auf jene Metropolen mit dem größten Wachstumspotenzial im Privatkundengeschäft konzentrieren.

In der für institutionelle Kunden zuständigen Sparte sollen 1.900 Arbeitsplätze wegfallen. Auf den Bereich Securities & Banking entfällt ein Viertel der erwarteten Belastungen, auf den Bereich Transaktionsabwicklung ein Zehntel.

Die US-Großbank folgt mit dem Jobabbau den harten Einschnitten vieler Wettbewerber. In London, Frankfurt und auch an der Wall Street haben einige Banken angesichts des konjunkturellen Gegenwinds und strengerer Kapitalvorschriften bereits Stellen abgebaut. Auch der nationale Rivale Bank of America drückt massiv auf die Kostenbremse. Zuletzt hieß es sogar, dass die Großbank ihren Jobabbau noch beschleunigen will - bis Ende des Jahres sollen 16.000 Stellen gestrichen streichen.

Und Branchenvertreter erwarten weitere Einschnitte. Laut einer Analyse des Wall Street Journals sind zwar einige große, börsennotierte amerikanische Finanzunternehmen auf dem besten Wege, die höchsten Gewinne seit 2007 auszuweisen. Auch Gehälter, Sonderleistungen des Arbeitgebers und andere Vergütungen steuern in diesem Jahr auf die Rekordsumme von 207 Milliarden Dollar zu.

Doch der Branchenumsatz dürfte das zweite Jahr infolge rückläufig sein und gut 7,2 Prozent unter dem Höchststand 2010 liegen. Das dürfte es den Banken erschweren, diese Gewinn beizubehalten.

Kontakt zum Autor: stefanie.haxel@dowjones.com

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