• The Wall Street Journal

Etihad will Air Berlins Vielfliegerprogramm kaufen

Etihad Airways hilft der finanziell angeschlagenen Air Berlin ein weiteres Mal aus der Klemme. Die arabische Fluglinie will das zum Verkauf gestellte Vielfliegerprogramm der Berliner übernehmen - und pumpt damit erneut dringend benötigtes Geld in die deutsche Airline. Für den Großaktionär dürfte es bei dem Geschäft weniger um das Meilenprogramm als solches, sondern vor allem um eine neue Überlebenshilfe für die angeschlagene Tochter.

Air Berlin steht das Wasser bis zum Hals. Die Kasse ist fast leer, die reisearme Wintersaison steht bevor. Um überleben zu können, zieht Vorstandsvorsitzender Hartmut Mehdorn mittlerweile alle Register und hatte vor wenigen Wochen völlig überraschend den Verkauf des Meilenprogramms angekündigt, ein Teil des Tafelsilbers der Fluglinie. Mit dem Programm sollen Vielflieger über das Sammeln von Bonuspunkten an die Fluglinie gebunden werden. Über den Käufer wurde bisher nur spekuliert.

Schwächelnde Air Berlin: "Finanziell wird es sehr eng"

Allzuviel dürften die Araber von dem Kauf jedoch nicht haben. "Etihad bekommt durch diese Daten zwar ein klares Profil von Air Berlin und ihren Kunden", sagte Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Möglicherweise unterbreite die Airline diesen Reisenden künftig eigene Angebote. Tatsächlich sei aber die Unterstützung der maroden Tochter der ausschlaggebende Grund für diesen Deal.

Wie viel Geld Air Berlin mit dem Verkauf des Programms einsammelt, ist nicht bekannt. Analysten wollen keine Schätzung abgeben. Sie verweisen nur auf Äußerungen von Mehdorn, der einen "ordentlichen" Kaufpreis in Aussicht gestellt hat. "Dies lässt vermuten, dass es eher 50 bis 100 Millionen denn 10 Millionen Euro sind", sagte Pieper.

Für die finanziell angeschlagene Air Berlin wäre ein Erlös dieser Größenordnung eine Menge Geld. Mehdorn drückt derzeit auf die Kostenbremse und spart an allen Ecken und Enden. Der Verkauf sei ein Zeichen dafür, dass es finanziell "sehr eng wird", so Analyst Klaus Kränzle von Westend Brokers Research. Die Großaktionärin Etihad unterstütze damit ihre kranke Tochter und zahle sicherlich auch deshalb einen hohen Freundschaftspreis für die Daten. Air Berlin äußerte sich nicht zu Einzelheiten der Vereinbarung.

Etihad hat strategisches Interesse an Air Berlin

Etihad hatte Air Berlin bereits zuvor mit einem Kredit von über 250 Millionen Dollar ausgeholfen. Ein Großteil davon ist bereits aufgebraucht. Die Geduld der finanzstarken Fluglinie aus bleibt nach Einschätzung des Analysten Kränzle weiter sehr groß. Schließlich habe Air Berlin ein umfangreiches Streckennetz in Deutschland und Europa und liefere der Großaktionärin viele Gäste für ihre Langstreckenflüge. "Air Berlin hat für Etihad deswegen immer einen strategischen Preis", sagte der Analyst.

Die arabische Airline ist auf Zubringerflüge von Air Berlin und anderen Partner angewiesen, da sie selbst in Deutschland und in Europa nicht ausreichend Start- und Landerechte hat. Sie benötigt aber viele Gäste, um ihre großen Flieger zu füllen.

Air Berlin leidet immer noch unter dem Wachstumswahn ihres ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Joachim Hunold. Er belastete Air Berlin durch den Kauf von Fluggesellschaften und neuen Maschinen. Der harte Wettbewerb um Marktanteile und der steigende Kerosinpreis zehren seit Jahren an der Substanz des Unternehmens. Die Airline hält sich schon länger nur dank Geldspritzen ihrer Großaktionärin Etihad am Himmel.

Um irgendwann wieder auf eigenen Beinen zu stehen, hat Air Berlin das zweite Sparprogramm in kurzer Zeit auf den Weg gebracht. Vor allem Mitarbeiter müssen sich dabei auf harte Einschnitte gefasst machen. Erst Dienstag wurde bekannt, dass betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen werden. Wie viele Mitarbeiter ihren Hut nehmen müssen, will die Fluggesellschaft aber erst im kommenden Jahr sagen. In Medien wurde in den vergangenen Wochen spekuliert, dass rund zehn Prozent der Stellen oder mehr als 900 Arbeitsplätze wegfallen können. Air Berlin will dies nicht kommentieren.

Kontakt zum Autor: kirsten.bienk@dowjones.com

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