• The Wall Street Journal

Steht ein neuer Bullenmarkt vor der Tür?

An der Wall Street könnten die Bullen das Zepter übernehmen. Das ist längst keine Träumerei mehr, sondern eine realistische Einschätzung - zumindest wenn man Marktbeobachtern glauben darf. Denn ein eher unscheinbarer Sektor gibt die Richtung vor. Die Rede ist vom Subindex Dow Jones Transportation Average. Aufgrund des zyklischen Charakters des Transportwesens und der Verknüpfung mit anderen zyklischen Branchen kommt diesem Subindex eine Schlüsselrolle bei der Betrachtung des Aktienmarktes in den USA zu.

Die jüngsten Signale aus dem Dow Transportation sind Wasser auf die Mühlen der Bullen - also der auf steigende Kurse setzenden Aktieninvestoren. In der vergangenen Woche erklomm der Branchenindex der Transportwerte einen neuen Höchststand. Um 7,3 Prozent legte der viel beachtete Index seit dem Jahreswechsel bereits zu. Dies deutet nach Meinung von Beobachtern daraufhin, dass den Sektorwerten wie denen von Fluggesellschaften oder Eisenbahnbetreibern ein sehr gutes Jahr bevorsteht. Rezessionsängste sehen anders aus.

dapd

Dem Dow Jones Transportation Average kommt bei der Betrachtung des US-Aktienmarktes eine Schlüsselrolle zu. Wegen seines zyklischen Charakters und weil er mit anderen zyklischen Branchen verknüpft ist, gibt er an der Wall Street die Richtung vor.

Da auch die Aktien anderer zyklischer Branchen wie denen aus dem Industriegütersektor ordentlich zulegten, könnte dies die Initialzündung für eine Aktienrally am breiteren Gesamtmarkt sein. Das für das Anspringen der US-Konjunktur so eminent wichtige Verbrauchervertrauen mag zwar trübe sein, am Aktienmarkt scheinen die Signale dagegen auf grün zu stehen.

Analysten werden nicht müde zu betonen, dass eine Marktrally nur zustande kommen kann, wenn der Transportsubindex und der breiter aufgestellte Dow Jones Industrial Average (DJIA) im Zusammenspiel Höchststände markieren. Und der DJIA rangiert gerademal vier Prozent unter Allzeithoch auf Schlusskursbasis von 14.164 Punkten. Diese Marke wurde im Oktober 2007 gesetzt.

"Es gibt eine 25-prozentige Wahrscheinlichkeit für einen Bullenmarkt. Aber niemand schenkt dem Glauben", sagt Marktstratege Jeffrey Saut von Raymond James. Bestätigt sieht sich der Experte durch die Kursbewegungen am 31. Dezember und 2. Januar. An diesen Tagen hätten 90 Prozent aller Aktien Aufschläge verbucht. Einer derart breiten Marktbewegung folge in aller Regel eine Phase steigender Kurse. In 83 Prozent aller Fälle mit zwei aufeinanderfolgenden "90-Prozent"-Sitzungen sei der Gesamtmarkt im Folgemonat um mindestens 6,8 Prozent geklettert. In 100 Prozent der Fälle habe das Kursplus nach drei Monaten mindestens 12,8 Prozent betragen, so Saut.

Doch in Stein gemeißelt ist die kommende Rally natürlich nicht. Denn die Politik könnte einem Höhenflug einen Strich durch die Rechnung machen - zumindest vorübergehend. Ohne Anhebung der bald erreichten Schuldengrenze in den USA dürfte es mit einer Rally bis auf Weiteres allerdings nichts werden. Aber auch hier geben sich Marktbeobachter gelassen und verweisen auf das Jahr 2011, als der damalige politische Streit um eine Anhebung des Schuldenlimits nur zu einer Marktdelle führte, die schnell ausgebügelt wurde.

Renditen von bis zu zehn Prozent

Einen Blick voraus wagt Vermögensverwalter Sarat Sethi von Douglas C. Lane & Associates: "Wir sind uns ziemlich sicher, dass die kommenden drei bis fünf Jahre gute werden." Anleger dürfte auf Renditen von bis zu zehn Prozent hoffen. Die Konjunktur in China und den USA hätte sich gefangen und die Unternehmensinvestitionen dürften schon bald wieder zulegen. Davon werde vor allem der Technologiesektor profitieren.

Die meisten Aktien in diesem Marktsegment verzeichneten jüngst Aufschläge. In den vergangenen drei Monaten seien Technologiewerte 65 Prozent besser als der marktbreite Index S&P-500 gelaufen. Halbleitertitel handelten auf einem Achtmonatshoch, merkt Chris Verrone, technischer Analyst bei Strategas Research Partners, an. Bei den Aktien von Unternehmen wie Applied Materials, Micron Technology und Juniper Networks scheine die Bodenbildung abgeschlossen zu sein und es gehe wieder bergauf.

Eine der wenigen Ausnahmen im Technologiesegment bildet das Papier von Apple, das sich weiter auf Talfahrt befindet. Allein diese Aktie zeichnet verantwortlich für den Abschlag von 1,31 Prozent für den Subindex Informationstechnologie im S&P-500 in den vergangenen drei Monaten. Rechne man die Kursbewegung der Apple-Anteilsscheine aus dem Branchenindex heraus, stehe ein Plus von 4,78 Prozent zu Buche, rechnet Analyst Howard Silverblatt von S&P Dow Jones Indices vor.

Kontakt zu den Autoren: florian.faust@dowjones.com

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