• The Wall Street Journal

Immobilienboom dürfte Börsengang von LEG anheizen

Der bevorstehende Börsengang des nordrhein-westfälischen Immobilienunternehmens LEG erregt auch im Ausland die Aufmerksamkeit von Investoren. Auf der Pressekonferenz zum erste IPO des Jahres sagte einer der Banker, die den Börsengang begleiten, er rechne mit einem erfolgreichen Gang aufs Parkett.

Bei dem Börsengang werden ausschließlich Anteile der Altaktionäre verkauft. Der zu Goldman Sachs gehörende Fonds Whitehall und Perry Luxco nutzen das derzeit große Interesse an Immobilien im sicheren Hafen Deutschland, um Kasse zu machen.

Grund für das hohe Interesse von Investoren am deutschen Immobilienmarkt ist die starke Nachfrage nach Wohnraum, die laut Analysten der Deutschen Bank durch die Zunahme der Ein- bis Zweipersonenhaushalte und der Zuwanderung aus Süd- und Osteuropa befeuert wird. Die Nachfrage dürfte - zumindest in den Metropolregionen - bis auf Weiteres größer als das Angebot bleiben. So hätten vor allem Investoren aus Großbritannien und Amerika schon Interesse an LEG-Aktien bekundet.

dapd

LEG zieht es an die Börse - genug Geld dürften die Westfalen zusammen bekommen.

Obwohl dem Immobilienunternehmen aus dem Börsengang keine neuen Geldmittel zufließen, geht LEG von einem weiteren eigenen Wachstum aus. 10.000 Wohnungen sollen in den nächsten zwei Jahren zum bestehenden Portfolio mit 89.742 Einheiten zugekauft werden. Dabei will LEG ausschließlich in Nordrhein-Westfalen weitere Wohnungen erwerben. "Andere Standorte stehen im Moment nicht zur Debatte", sagte Firmenchef Thomas Hegel.

Über die kommenden zwei Jahre hinaus kann sich das Unternehmen dann aber durchaus vorstellen, eine Finanzierung über den Markt zu suchen. Denn um insgesamt 20.000 bis 25.000 Wohnungen will LEG in den kommenden Jahren den eigenen Wohnungsbestand erweitern. Dabei soll die Kostenbasis weitgehend stabil bleiben. "Wir sind eine reine Wohnimmobilienplattform", erläutert Hegel, "und können weitere Portfolien zu geringen Kosten integrieren."

Die Altaktionäre der LEG Immobilien AG wollen mit dem Börsengang im Prime Standard der Frankfurter Börse bis zu 1,43 Milliarden Euro einsammeln, wie sie bereits Ende vergangener Woche angekündigt hatten. Die Immobiliengesellschaft hat die Preisspanne für die Emission auf 41 bis 47 Euro festgesetzt. Verkauft werden sollen rund 26,5 Millionen Aktien, fast 4 Millionen weitere Anteile stehen im Rahmen einer Mehrzuteilungsoption zur Verfügung. Das entspricht bis zu 57,5 Prozent des Grundkapitals. Der Immobilienkonzern hat gute Chancen, nach dem Börsengang in den Mittelwerteindex MDax aufgenommen zu werden.

Die Investoren können die Aktien bis zum 31. Januar zeichnen. Der Handelsstart der LEG-Aktie im Prime-Standard der Frankfurter Börse ist für den 1. Februar 2013 geplant.

LEG ist derzeit noch zu 90 Prozent im Besitz des zu Goldman Sachs gehörenden Immobilienfonds Whitehall. Der Fonds hatte 2008 gemeinsam mit dem Finanzinvestor Perry Capital, der die restlichen 10 Prozent an dem Immobilienunternehmen hält, die LEG vom Bundesland Nordrhein-Westfalen gekauft. Damals wurde der Wert des Deals auf 3,4 Milliarden Euro geschätzt und soll 2,6 Milliarden Euro an Schulden umfasst haben.

Die Konkurrenz für LEG ist in Deutschland groß. So steht die Deutsche Annington ebenfalls in den Startlöchern, um im zweiten Halbjahr 2013 den Sprung an die Börse zu wagen. Der Bochumer Konzern verwaltet mehr als 210.000 Wohnungen, die mit insgesamt 10 Milliarden Euro bewertet werden. Die Annington gehört dem Finanzinvestor Terra Firma, der wohl nicht sofort komplett aussteigen, sondern Aktienpakete in mehreren Schritten auf dem Markt platzieren dürfte.

Konkurrent Gagfah suchte zuletzt nach einem Käufer für seine 37.800 Wohnungen in Dresden. Inzwischen werde allerdings geprüft, das Portfolio zu behalten und selber eine Refinanzierung auf die Beine zu stellen, erklärte ein Unternehmenssprecher am Montag. Die Entscheidung wird das Unternehmen innerhalb des ersten Quartals fällen. Gagfah beziffert die Größe des eigenen Portfolios auf insgesamt rund 146.000 Wohnungen.

Konkurrent Deutsche Wohnen, dem Branchenexperten eine aktive Rolle in der Konsolidierung der Immobilienbranche zutrauen, verwaltet aktuell rund 74.000 Wohneinheiten. Der Konzern hat bereits angedeutet, dass man weitere Zukäufe 2013 tätigen will. TAG Immobilien besitzt nach dem im November erfolgten Zukauf der TLG Wohnen jetzt über 69.000 Wohneinheiten. Auf 52.100 Wohneinheiten, deren Wert das Unternehmen mit 2,9 Milliarden Euro beziffert, bringt es GSW Immobilien .

Kontakt zum Autor: Alexandra.Edinger@wsj.com

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