Von NICHOLAS HASTINGS und FLORIAN FAUST
Japan braucht mit seiner exportabhängigen Industrie dringend eine schwächere Währung. Der neue Ministerpräsident Shinzo Abe hat hier schon Einiges vorzuweisen. Markige Ankündigungen zur Yen-Abwertung vor der Wahl brachten Abe nicht nur ins Amt, sie haben auch jene Spekulation beflügelt, die auf schwächere Wechselkurse setzt.
Jetzt, da die neue Regierung im Amt ist, stellt sich die Frage, ob es ihr gelingen wird, den Yen dauerhaft zu schwächen. Am Dienstag trifft sich der geldpolitische Ausschuss der Bank of Japan. Dann wird sich zeigen, inwieweit die Notenbank den Appellen folgt.
Das Enttäuschungspotenzial derer, die auf weiter fallende Yen-Notierungen setzen, ist groß, sagen Beobachter. Die Erwartungen des Marktes seien in den vergangenen Wochen massiv gestiegen.
Es könnte sein, dass die Spekulationen über die Politik der Notenbank längst eingepreist sind und der Yen wieder aufwertet, wenn die Zentralbänker nicht stärker lockern, als alle Devisenhändler dies ohnehin erwarten.
Was von der Bank of Japan erwartet wird
Vorrangig erwarten sie, dass die Notenbank ihr Inflationsziel von 1 auf 2 Prozent anheben wird, also eine verstärkte Teuerung zulassen wird, um die jahrelange Deflation zu beenden. Jüngsten Aussagen deuten darauf hin, dass die Bank of Japan, verstärkt Staatsanleihen ankauft, und so mehr Geld in den Markt pumpt, um das Ziel einer höheren Inflation zu erreichen. Die Rede ist von einem zusätzlichen Anleihekäufen im Volumen von umgerechnet 110 Milliarden Dollar.
Erwartet wird ferner, dass die Bank of Japan die Vergütung der Mindestreserve, die die Geschäftsbanken bei ihr vorhalten müssen, um 10 Basispunkte senken wird. Volkswirte sagen, faktisch käme ein solcher Schritt einer Senkung der Leitzinsen gleich. In der Folge dürfte sich die Rendite kurzlaufender japanischer Staatsschulden in Richtung Null bewegen. Es ist wenig überraschend, dass auch derartige Überlegungen zur Yen-Abschwächung schon beigetragen haben.
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Die Commerzbank rechnet fest damit, dass die Notenbank mit ihren Beschlüssen für enttäuschte Gesichter sorgen wird. Das werde zunächst einmal den US-Dollar belasten. Nach einer Phase immer neuer verbaler Interventionen gegen den Yen, so argumentieren die Commerzbank-Analysten, habe sich Koichi Hamada, der Berater des japanischen Regierungschefs, zuletzt deutlich moderater geäußert. Er habe bereits davor gewarnt, es bei der Schwächung des Yen nicht zu weit zu treiben.
Die Commerzbank-Experten glauben allerdings nicht, dass sich an der grundsätzlichen Yen-Abschwächung etwas ändern wird, auch nicht, wenn die Notenbank mit ihren Maßnahmen nicht über das von Beobachtern erwartete Maß hinausgeht. Eine kleine Korrektur des Wechselkurses könne daher günstige Einstiegskurse bieten, sagen die Devisenmarktexperten.
Nicht nur die Zentralbank, auch die Regierung in Tokio könnte mit ihren Yen-Interventionen an Grenzen stoßen. Dass Japan seine Konkurrenzfähigkeit mit einer schwächeren Währung auf Kosten der Wettbewerber steigern will, stößt international nicht auf Gegenliebe. So hat die Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, erst jüngst Japans Regierungschef Abe in seinem Eifer mit dem schlichten Hinweis gebremst, dass Währungsabwertungen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit gegen die Prinzipien des IWF verstießen.
Wettbewerber stören sich an Japans Vorhaben
Auch Japans internationale Wettbewerber werden sich vernehmlicher zu Wort melden, sollte die Notenbank zu aggressive Lockerungsübungen machen. Südkorea hat sich dahingehend bereits geäußert. Sollte das japanische Beispiel nämlich Schule machen, droht eine globale Abwertungsspirale.
Osamu Takashima, Währungsstratege der Citigroup, glaubt, dass Japan schon auf dem G-20-Finanzministertreffen Mitte Februar unter Druck kommen könnte. Werden gar schon auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, das diese Woche beginnt, entsprechende Bedenken geäußert, sollten Anleger hellhörig werden, warnt er.
Kurzfristig rechnet die Citigroup aber damit, dass der Dollar sich gegenüber dem Yen weiter verteuert. Schon Anfang Februar könnte die Marke von 91,20 Yen getestet werden.
Japans Regierungschef Abe hat kaum eine Wahl, will er die in ihn gesetzten Erwartungen der Japaner erfüllen und die seit mehr zwei Jahrzehnten lahmende japanische Wirtschaft, die in besonderer Weise auf Exporte angewiesen ist, auf Vordermann bringen. Immer wieder verfehlten Versuche ihr Ziel, die herrschende Deflation mit einer lockeren Fiskal- oder Geldpolitik wirkungsvoll zu bekämpfen. Letztlich verdankt Abe seinen Wahlsieg genau diesem Umstand und seiner vollmundigen Ankündigung, alles zu unternehmen, um den Wert des Yen zu drücken.
Bekanntermaßen hat jede Medaille zwei Seiten. Sollte die Bank of Japan ihren Zins auf die Mindestreserve wie erwartet senken und damit das Geld noch billiger machen, könnte auch die Bereitschaft der Banken zur Kreditvergabe leiden. Das Volumen ist schon jetzt auf einem Zehnjahrestief.
Auch hat Japan praktisch keine industriell verwertbaren Bodenschätze. Mit einer Yen-Abwertung verteuert sich die für die Wirtschaft lebenswichtigen Rohstoffe. Das belastet letztlich wieder die japanische Wettbewerbsfähigkeit.
Kontakt zum Autor: florian.faust@dowjones.com











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