• The Wall Street Journal

Bildungsministerin für sieben Monate

Johanna Wanka wird Nachfolgerin von Annette Schavan als Bildungs- und Forschungsministerin. Das hat Angela Merkel am Samstag in Berlin verkündet. Die 61-jährige Wanka genießt als Bildungspolitikerin einen exzellenten Ruf. Auch ihr Verhältnis zur Bundeskanzlerin ist eng und gut. Merkel rechnet Wanka hoch an, dass sie als ehemalige brandenburgische CDU-Landesvorsitzende die Partei wieder geeint hat.

Die promovierte Mathematikerin Wanka war von 2000 bis 2009 Kultusministerin in Brandenburg. 2010 wechselte sie als Wissenschaftsministerin in das Kabinett des damaligen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU), blieb dort aber eher farblos. Sie war dort auch die erste ostdeutsche Ministerin in einem westdeutschen Kabinett. Die Professorin der Ingenieurmathematik ist momentan Bildungskoordinatorin der unionsgeführten Bundesländer in der Kultusministerkonferenz (KMK).

dapd

Johanna Wanka (CDU)

Geboren wurde die heute 61-Jährige in der nordsächsischen Gemeinde Rosenfeld in der damaligen DDR am 1. April 1951. 1970 bis 1974 studierte sie in Leipzig Mathematik. Anschließend war sie bis Oktober 2000 an der Technischen Hochschule Merseburg in Sachsen-Anhalt. Von 1994 bis zu ihrer Berufung als Landeministerin arbeitete sie Rektorin der Hochschule. In der Wendezeit war Wanka Gründungsmitglied des Neuen Forums in Merseburg.

Im Oktober 2000 wurde sie vom damaligen brandenburgischen Ministerpräsidenten Manfred Stolpe in die große Koalition als Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur berufen. Erst 2001 trat die vorher parteilose Wanka in die CDU ein. Neben ihrer Tätigkeit als Ministerin war sie von Dezember 2003 bis Februar 2011 Kreisvorsitzende der CDU Dahme-Spreewald, 2005 Präsidentin des Kultusministerkonferenz und von Januar 2009 bis Juni 2010 schließlich Landesvorsitzende der CDU Brandenburg.

Während des Wahlkampfs im August 2009 zeigte sich Wanka volksnah und verteilt Rezeptkärtchen auf den Märkten Brandenburgs. Sie selbst sagte, dies passe zu ihr. Schließlich komme sie vom Dorf und habe keine Hemmungen, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Oft erreiche sie auf den Märkten Menschen, die nicht zu Wahlveranstaltungen kommen würden.

Doch die CDU wurde 2009 nicht wieder Regierungspartei. Wanka wurde Oppositionsführerin im brandenburgischen Landtag. Am 27. April 2010 verließt sie Brandenburg, wo sie ihre politischen Ämter niederlegte, und wechselte als Ministerin für Wissenschaft und Kultur in das Kabinett des damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU) nach Hannover.

Am Montag soll Wanka nun von Bundespräsident Joachim Gauck in ihrem neuen Amt vereidigt werden - zunächst einmal bis zur Bundestagswahl im September. In einem ersten Kommentar bedauerte die 61-Jährige den Rücktritt ihrer Vorgängerin. "Sie hat für die Bildung in Deutschland außerordentlich viel erreicht", sagte Wanka am Samstag auf dapd-Anfrage in Hannover. Zu ihrer neuen Aufgabe erklärte sie: "Ich danke der Bundeskanzlerin für das in mich gesetzte Vertrauen."

Ihre Doktorarbeit hat Wanka über das Thema „Lösung von Kontakt- und Steuerproblemen mit potential-theoretischen Mitteln" geschrieben und 1980 abgeschlossen - im gleichen Jahr wie Annette Schavan.

—Mit Material von dapd

Kontakt zum Autor: susann.kreutzmann@dowjones.com

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