• The Wall Street Journal

Euribor könnte für Banken bald Pflicht werden

Banken könnten bald gesetzlich verpflichtet werden, sich an der Erhebung des Euribor-Zinssatzes zu beteiligen. "Banken, die einen Rückzug aus dem Ausschuss erwägen, sollten berücksichtigen, dass sie zu einer Rückkehr in den Ausschuss gezwungen werden könnten", heißt es in einer Erklärung von EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier vom Freitag. Er werde die Bankenaufsicht EBA und die Wertpapieraufsicht ESMA damit beauftragen, diejenigen Banken zu ermitteln, die zur Teilnahme an dem Benchmarksystem verpflichtet werden sollten. Die EZB begrüßte die Pläne.

Barnier will im zweiten Quartal einen Regulierungsvorschlag für die Erstellung und Nutzung von Marktindizes vorschlagen. Dabei sollen die Regulierungsbehörden auch die Befugnis erhalten, die Banken zur Beteiligung an der Festlegung wichtiger Referenzsätze wie dem Euribor zu zwingen. Nach den jüngsten Skandalen um Euribor-Zinsmanipulationen haben sich bereits fünf Banken aus dem Ausschuss zurückgezogen, der den Euribor feststellt, darunter die Citigroup und die BayernLB. Gegenwärtig nehmen noch 39 Banken an der Erhebung teil.

Auch die EZB drängt die Banken, sich weiter im Euribor-Ausschuss zu betätigen, damit der Zinssatz die Entwicklungen im Euroraum korrekt widerspiegelt. "Das Eurosystem ermutigt Banken im Euribor-Ausschuss zu bleiben oder ihm beizutreten, um mögliche Störungen bei der Funktion der Finanzmärkte zu verhindern, während das regulatorische Rahmenwerk verbessert wird", heißt es in einer Erklärung vom Freitag.

Euribor steht für Euro Interbank Offered Rate und bezeichnet die durchschnittlichen Zinssätze, zu denen europäische Banken einander Anleihen in Euro über verschiedene Laufzeiten gewähren. Die täglich ermittelten Euribor-Werte gelten als Basistarif für allerlei andere Zinsprodukte wie etwa Zinsswaps, Zins-Futures, Sparkonten und Hypotheken. In jüngster Zeit waren Banken in Verdacht geraten, den Euribor und auch den Libor auf dem Londoner Geldmarkt zu ihren Gunsten manipuliert zu haben.

Kontakt zur Autorin: Angelika.Busch_Steinfort@dowjones.com

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