• The Wall Street Journal

Der Krieg der Währungen

Im Währungskrieg ist alles anders. Keine Land möchte den Gewinner stellen. Es geht vielmehr darum, zu den Verlierern zu gehören. Nur eine schwache Währung kann die heimische Wirtschaft im globalen Wettkampf in die Spitzenposition bringen. In Zeiten globaler Stagnation kann die Währung der entscheidende Schlüssel sein, Wachstum zu generieren.

Von den großen frei handelbaren Währungen hat der Yen in den vergangenen Monaten den Abwertungswettlauf für sich entschieden. Seit Anfang November verlor die japanische Währung gegenüber dem Dollar rund 17 Prozent - gegenüber dem Euro sogar knapp 23 Prozent.

[image] dapd

Yen, Euro und Dollar: Zwischen den drei großen frei handelbaren Währungen herrscht Krieg, und niemand möchte auf der Verliererseite stehen.

Die relative Stärke des Euro ist nicht in erster Linie Ausdruck der Stärke der heimischen Wirtschaftsleistung, sondern vor allem den währungspolitischen Maßnahmen der Bank of Japan geschuldet. Wie die US-Notenbank flutet die japanische Notenbank den Markt mit Liquidität.

Bislang hat sich die EZB in diesem Spiel zurückgehalten. Eine gezielte Abwertung des Euro war auch gar nicht nötig - sie war ein nicht unwillkommener Nebeneffekt der Schuldenkrise in der Eurozone. Mit der Ausweitung der Krise nach Spanien und Italien sah sich die EZB aber gezwungen einzugreifen. Mario Draghi kündigte das theoretisch unbegrenzte OMT-Anleihenkaufprogramm an. Mit der neuen Zuversicht floss wieder Geld in den Währungsraum und stärkte den Euro.

Die erste Rückzahlung von 137 Milliarden Euro aus dem Langfristtender der EZB durch die Banken löste den letzten Kurssprung in der Gemeinschaftswährung aus. Denn damit fängt die Bilanz der EZB nun an zu schrumpfen, und das in Zeiten, in denen die anderen großen Notenbanken kräftig weiterdrucken. Kein Wunder, dass die Einheitswährung Anfang der Woche zum Dollar auf dem höchsten Stand seit November 2011 notierte.

Der Stimmungsumschwung für den Euro setzte diese Woche ein, als der französische Präsident Hollande die Euro-Länder vor dem Hintergrund des gestiegenen Euro-Wechselkurses zu einer aktiven Währungspolitik ermunterte. Für die französische Exportwirtschaft bedeutet der teuere Euro keine guten Nachrichten, denn die früher gerne genutzte Möglichkeit der Abwertung des Franc ist keine Option mehr.

Berichtssaison läuft auf vollen Touren.

Damit steigt der Druck auf die Europäische Zentralbank. Mario Draghi glückte ein geschickter Schachzug, indem er auf die weiterhin schwache Wirtschaftsleistung in Europa verwies, zugleich aber nicht den Eindruck erweckte, zum Erfüllungsgehilfen der Politik zu verkümmern. Die Anleger interpretierten die Aussagen Draghis dahingehend, dass eine Zinssenkung in den kommenden Monaten in den Bereich des Möglichen rückt. Wie geplant, reagierte der Euro mit Abschlägen.

Spannend könnte es am 22. Februar werden. Dann haben die Banken erstmalig die Option, Mittel aus dem zweiten Dreijahrestender vorzeitig an die EZB zurückzuzahlen. Aktuell wird davon ausgegangen, dass der Betrag knapp unterhalb des Rückzahlungsvolumens des ersten Tenders von 137 Milliarden Euro liegen dürfte. Der Einfluss der Rückzahlungsvolumens auf den Devisenmarkt dürfte von geringerer Bedeutung sein als beim ersten Dreijahrestender.

Daneben steht ein weiterer wichtiger Termin Ende Februar an. Am 24. und 25. Februar wird in Italien gewählt. In den Umfragen konnte der frühere Skandal-Premier Silvio Berlusconi den Abstand zum führenden Kandidaten der Mitte-Links-Koalition verkürzen. Jede Beteiligung Silvio Berlusconis an der nächsten Regierung in Rom wird an den Finanzmärkten sehr negativ gesehen und dürfte den Euro schwächen. Zumindest die französische Exportnation dürfte sich freuen.

Kontakt zum Autor: thomas.leppert@dowjones.com

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