• The Wall Street Journal

MAN stellt sich auf magere Jahre ein

Der Nutzfahrzeug- und Maschinenbauer MAN stellt sich nach einem schwachen Jahr 2012 auf weiter schwierige Zeiten ein. Die Münchner hatten zuletzt vor allem mit einer schwachen Nachfrage auf dem europäischen Markt für Lkw zu kämpfen, weshalb der Ertrag deutlich sank. In diesem Jahr wird es wohl erneut bergab gehen mit Umsatz und Gewinn.

Im abgelaufenen Jahr verzeichnete die MAN-Gruppe einen Umsatz von 15,8 Milliarden Euro, 4 Prozent weniger als 2011. Der operative Gewinn fiel von 1,48 Milliarden auf lediglich 964 Millionen Euro, womit die Marge von 9 auf 6,1 Prozent schrumpfte. Vor einer Gewinnwarnung im Sommer hatte die VW-Tochter eigentlich eine Rendite von rund 8,5 Prozent schaffen wollen. Auf operativer Ebene schnitt MAN trotz des deutlichen Rückgangs besser als erwartet ab.

"Mit diesem Jahresergebnis können wir nicht zufrieden sein", gestand Vorstandschef Georg Pachta-Reyhofen trotzdem ein. Deshalb habe der Vorstand bereits eine Reihe von Maßnahmen in die Wege geleitet. Im Fokus stünden die Senkung von Kosten und die Steigerung der Effizienz sowohl in der Produktion als auch in der Verwaltung und im Vertrieb.

Die Produktionskosten sollen unter anderem durch Synergien im Einkauf mit der Konzernmutter Volkswagen und der schwedischen Schwester Scania gesenkt werden. Genauere Zahlen dazu wurden nicht genannt. Die Verwaltungs- und Vertriebskosten sollen auf das Niveau der Konkurrenz gesenkt werden, erklärte Finanzchef Frank Lutz und gestand ein, dass MAN in diesem Bereich momentan schlechter dasteht als die Rivalen.

"Auch wenn wir die makroökonomischen Faktoren nicht beeinflussen können, so werden wir doch alle notwendigen Schritte unternehmen, um MAN auch in stürmischen Zeiten auf dem richtigen Kurs zu halten", sagte Pachta-Reyhofen. Deshalb sind bereits seit Januar tausende Mitarbeiter aus den Werken München und Salzgitter in die Kurzarbeit geschickt worden. Derzeit ist die Kurzarbeit für ein halbes Jahr beantragt. Man wolle die Beschäftigung jedoch konstant halten, erklärte Vorstandschef Pachta-Reyhofen.

Im vergangenen Jahr lastete am drastischsten die Flaute in der Nutzfahrzeugsparte in Europa auf MAN. In wirtschaftlich unsicheren Zeiten verschieben Spediteure und andere Käufer teure Neuanschaffungen gern nach hinten. Wegen der Schuldenkrise schrumpfte der europäische Markt 2012 um gut 10 Prozent. Insgesamt brach der operative Gewinn in der europäischen Nutzfahrzeug-Sparte vom MAN deshalb um weit mehr als die Hälfte auf lediglich 225 Millionen Euro ein.

Nicht nur in Europa lief es allerdings schlecht, auch auf dem wichtigen brasilianischen Markt entwickelte sich der Absatz flau. Das lag unter anderem an Subventionskürzungen der dortigen Regierung. MAN verdiente auf dem wichtigen Zukunftsmarkt in der Konsequenz nur noch einen Gewinn von 229 Millionen Euro nach 400 Millionen Euro im Vorjahr.

Der Konkurrenz erging es jedoch nicht viel besser als MAN: Auch Daimler, Scania und Volvo mussten wegen des schwierigen Wirtschaftsumfelds bei der Profitabilität deutliche Abstriche machen. Der weltweit größte Hersteller von Nutzfahrzeugen Daimler kündigte deshalb unlängst ähnliche Kostensparmaßnahmen wie MAN an. So wollen die Stuttgarter massiv im Bereich Verwaltung und Vertrieb sparen. Außerdem sollen mehr als 2.000 Stellen - vorrangig in den USA - abgebaut werden.

Besser lief es für MAN dagegen in der Sparte Power Engineering, in der die Münchner Dieselmotoren, Turbomaschinen und schlüsselfertige Kraftwerke produzieren. Dort verbuchte der Konzern einen Umsatz von 4 Milliarden Euro, der annähernd auf Vorjahresniveau lag. In dieser Sparte machten sich vor allem die Überkapazitäten in der Schiffahrtsbranche bemerkbar. Das operative Ergebnis sank daher um 5 Prozent auf 437 Millionen Euro.

Auch wenn es zum Jahresende bei den Münchnern schon wieder etwas besser aussah und die Auftragseingänge sowie der Umsatz sich im Schlussquartal wieder besser entwickelten als noch im Sommer, blickt der Vorstand sehr verhalten auf das Jahr 2013. So erwarten die Münchner einen weiter leicht sinkenden Umsatz und ein überproportional nachgebendes operatives Ergebnis. Analysten zeigten sich vom zurückhaltenden Ausblick enttäuscht und äußerten Unverständnis.

Georg Pachta-Reyhofen verteidigte die Jahresziele dennoch als "realistisch". Das zweite Quartal 2013 werde etwas besser laufen als das erste, stellte Anders Nielsen, Vorstand der Truck-Sparte in Aussicht. Erst im kommenden Jahr rechnet Vorstandschef Pachta-Reyhofen allerdings wieder mit einem besseren Marktumfeld. Langfristig blickt er jedoch optimistisch in die Zukunft. "Auf lange Sicht bleibt dieser Kurs ein Wachstumskurs", schrieb er im Brief an die Aktionäre. Die Märkte für Transport und Energie zählten nach wie vor zu den wachstumsstärksten weltweit.

Keine Neuigkeiten gab es in Sachen Lkw-Allianz. VW hält mittlerweile die Mehrheit an MAN und will die Münchener enger mit der schwedischen Tochter Scania zusammenbringen, um ein Gegengewicht zum Branchenprimus Daimler bilden zu können. Erst vor einigen Wochen kündigte VW an, einen Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag anzustreben. Die Niedersachsen halten mittlerweile gut 75 Prozent an MAN.

Kontakt zum Autor: ilka.kopplin@dowjones.com

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Immobilienpreise

  • [image]

    So teuer ist Wohnen in deutschen Städten

    Wohnen in der Stadt wollen immer mehr junge Leute und auch Familien. Lange Anfahrtswege zur Arbeit schrecken sie ab. Die Verstädterung hat ihren Preis. Immobilien in Ballungszentren werden immer teurer.

  • [image]

    Barack Obamas große Berlin-Show

    Barack Obama war zum ersten Mal während seiner Präsidentschaft zu Gast in der deutschen Hauptstadt. Mit seiner Rede vor dem Brandenburger Tor reihte er sich in die Tradition von John F. Kennedy und Ronald Reagan ein. Wir zeigen die Bilder vom Besuch der Obamas in Berlin.

  • [image]

    Tausende Türken im regungslosen Protest

    Erdem Gündüz ist zur neuen Symbolfigur der türkischen Proteste geworden. Acht Stunden lang stand er auf dem Taksim-Platz in Istanbul – und rührte sich nicht. Im ganzen Land machen es ihm Menschen gleich.

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 18. Juni

    Beim berühmten Pferderennen im britischen Ascot trinkt man trotz äußerer Eleganz den Sekt gern aus der Flasche, in Indien huldigen Hindus dem heiligen Fluss Ganges und in Madrid rücken die Abrissbagger in ein Elendsviertel ein. Das und mehr sehen Sie in unseren Fotos des Tages.

  • [image]

    Obama in Europa: Tanzen mit Angie, Boxen mit Wowi

    US-Präsident Barack Obama kommt viel herum - nicht nur, aber öfter in Deutschland, auch in Frankreich, Tschechien oder Großbritannien jubelt ihm die Menge zu. Wir zeigen schöne, nachdenkliche und sportliche Momente mit Obama in Europa.

  • [image]

    Spektakuläre Formen - Autos wie Skulpturen

    "Sinnlicher Stahl: Autos des Art Deco", unter diesem Titel zeigt das Frist Center for Visual Arts in Nashville, Tennessee, 19 Autos und zwei Motorräder. Die Ausstellung ist gewissermaßen eine Hommage an das im Art Déco gehaltene Gebäude: Sie zeigt Fahrzeuge in sinnlicher Strenge.

  • [image]

    Vom Holzmotorrad zum Schuhauto - die kuriosesten Fahrzeuge

    Mit Kristallen besetzte Autos oder ein Motorrad aus recycelten Fahrradteilen: Wer mit diesen Fahrzeugen unterwegs ist, zieht mit Sicherheit die Blicke auf sich. Wir zeigen, wie Menschen auf der ganzen Welt ihre fahrbaren Untersätze verschönern.

Erwähnte Unternehmen