• The Wall Street Journal

Kurzschluss löste Boeings rätselhafte Batterie-Panne aus

Associated Press

Boeing 787 Dreamliner nach einem ausnahmsweise erlaubten Überführungsflug in den USA am Donnerstag. Es könnte noch Monate dauern, bis Boeing seine Pannenflugzeuge wieder für den Passagierverkehr einsetzen darf.

Auf der Suche nach der Ursache für zwei in Brand geratene Batterien an Bord des Boeing -Prestigejets 787 Dreamliner haben US-Sicherheitsfahnder am Donnerstag neue Erkenntnisse veröffentlicht. Demnach hatte eine Serie von Kurzschlüssen das Feuer in der Batterie eines parkenden Boeing-Flugzeug im Januar ausgelöst. Zudem prangerten die Ermittler der Nationalen Behörde für Transportsicherheit (NTSB) erhebliche Mängel an den Sicherheitsüberprüfungen an. Erst wenn diese überarbeitet seien, dürften die zurzeit gesperrten Boeing-Flugzeuge wieder Passagiere befördern.

Reuters

Die Leiterin der US-Transportsicherheitsbehörde, Deborah Hersman, stellte am Donnerstag neueste Erkenntnisse zur Batterie-Pannenserie von Boeing vor.

Mit dem vorläufigen Befund zur Pannenserie kommen die seit Wochen eher schleppend verlaufenden Ermittlungen einen wichtigen Schritt voran. Fest steht nun, dass mehrere Kurzschlüsse in einer der acht Batteriezellen „eine unkontrollierte chemische Reaktion bei hohen Temperaturen" in Gang gesetzt hat. Diese habe sich auf andere Zellen übertragen, bis schließlich die gesamte, mehr als 28 Kilo schwere Batterie in Flammen stand.

Trotzdem wissen die Experten immer noch nicht genau, wie es überhaupt zu der Kurzschlussserie kommen konnte. Sie gehen verschiedenen Theorien nach: Verschmutzungen könnten genauso gut eine Rolle gespielt haben wie schwer aufzuspürende Probleme mit dem Stromnetz des Flugzeugs.

Was die Fahnder außerdem zu Tage förderten: Schon beim Zulassungsverfahren lief offensichtlich etwas gehörig schief. Vor sechs Jahren, als erstmals die Sicherheit der neuartigen Lithium-Ionen-Batterien getestet wurde, hätten sich Boeing und die Aufsichtsbehörden auf fehlerhafte Daten verlassen, teilten die Experten mit. Einige Annahmen, auf denen das Prüfverfahren basierte, seien „nicht erfüllt" worden, sagte die NTSB-Vorsitzende Deborah Hersman. Insbesondere hätte sich gezeigt, dass „ein Kurzschluss in einer einzelnen Zelle auf angrenzende Zellen übergreifen kann und zu Rauch und Feuer führen" könne, sagte Hersman. Boeing hatte die US-Luftfahrtbehörde Federal Aviation Authority (FAA) ursprünglich mit verschiedenen Testergebnissen und Zahlen davon überzeugt, dass eine solche Kettenreaktion in seinen Batterien nicht möglich sei.

Das Ergebnis ist ein herber öffentlicher Rückschlag für die Design- und Ingenieurskunst des amerikanischen Flugzeugbauers. Und es sieht nicht so aus, als könnten sich die Sicherheitsbedenken gegenüber den 787 Dreamlinern in absehbarer Zeit aus der Welt räumen lassen.

Ausgeträumt – Die Pannengeschichte des Dreamliner

Zwar hat die FAA gerade genehmigt, dass Boeing unter strikter Aufsicht und nur im Beisein von Ingenieuren und Besatzungsmitgliedern seine Dreamliner-Jets zu Testflügen nutzen darf, um die Batterien und das elektrische System weiter eingehend zu analysieren. Aber bis alle möglichen Gefahrenquellen erkannt sind – inklusive möglicher Fehler beim Bau der Batterie – könnte es noch Monate dauern. Die Ermittler hätten noch „einen weiten Weg vor sich", sagte Behördenleiterin Hersman und fügte hinzu, dass die NTSB innerhalb der nächsten 30 Tage einen Zwischenbericht vorlegen wolle.

Die Luftfahrtbehörde FAA hatte Boeings weltweiter Flotte aus 50 Dreamliner-Flugzeugen Mitte Januar ein Flugverbot erteilt. Dieses werde nicht eher aufgehoben, als bis alle Sicherheitsrisiken ausgeräumt seien, hat die FAA gesagt.

Frisch verkabelt

Boeing hatte Fluggesellschaften gegenüber die Hoffnung geäußert, dass seine Dreamliner-Flotte im März wieder am Passagierverkehr teilnehmen könnte. Aber jetzt dürfte es allein Monate dauern, bis Boeing eine schriftliche Antwort auf alle offenen Kritikpunkte der Behörde ausgearbeitet hat, sagen Personen, die mit der Sache vertraut sind. Hinzu kommen die Verzögerungen, die sich ergeben, weil Boeing gerade mögliche Änderungen am Batterieaufbau testet und für diese auch noch Genehmigungen einholen muss.

Ein Boeing-Sprecher erklärte, das Unternehmen „begrüße den Fortschritt" in der laufenden Untersuchung. Er betonte, dass Boeing in allen Fragen zu Tests und zur „Einhaltung von Zertifizierungsstandards" mit den Ermittlern zusammenarbeite und gegebenenfalls seine Prozesse und Produkte überarbeiten werde.

Wie der Konzern mitteilte, habe er für das Zulassungsverfahren zunächst alle Komponenten im Innern der Batterie einzeln geprüft, bevor die gesamte Batterie weitere 5.000 Stunden lang in Labors sowie 25.000 Stunden lang im Zusammenspiel mit dem elektrischen System des Flugzeugs getestet worden sei. Ingenieure hätten die Batterie bei Tests „gebacken", um eine Überhitzung zu simulieren. Außerdem habe man Drucktests unternommen und eine Zelle mit einem Nagel angestochen, um einen Kurzschluss zu simulieren.

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