• The Wall Street Journal

Wacker Chemie sieht Talsohle bei Siliziumpreis erreicht

Nach einem scharfen Gewinneinbruch im vergangenen Jahr hellt sich bei Wacker Chemie die Stimmung allmählich wieder auf. Vor allem im wichtigen Solargeschäft des Spezialchemiekonzerns ist Besserung in Sicht. „Wir glauben, dass wir im Solargeschäft die Talsohle jetzt erreicht haben", sagte Finanzvorstand Joachim Rauhut im Interview mit dem Wall Street Journal Deutschland.

Auch die Aussichten im Chemiegeschäft beurteile das Unternehmen optimistisch. Lediglich in der Halbleitersparte, der dritten Säule, rechnet der Manager erst in der zweiten Jahreshälfte mit einer Belebung.

Das schwache Geschäft mit hochreinem Polysilizium, das Wacker als Grundstoff für Solarpanels an die Solarindustrie liefert, hatte dem Konzern 2012 die Bilanz gründlich verhagelt. Erklärend hieß es, die Siliziumpreise hätten sich innerhalb eines Jahres fast halbiert. Der Grund: Es gibt Überkapazitäten in Asien, und die Nachfrage in Europa ist eingebrochen.

Das operative Ergebnis des Konzerns sackte mit 787 Millionen Euro um fast 30 Prozent ab, das Jahresergebnis reduzierte sich mit 107 Millionen Euro auf weniger als ein Drittel.

Der mehrheitlich im Familienbesitz stehende Konzern liefert neben Polysilizium für den Solarmarkt auch Wafer an den Halbleitermarkt sowie Chemikalien, unter anderem für Automobil-Lacke, Textilien und Papierindustrie. Das Geschäft mit Polysilizium steuert trotz der Gewinneinbußen immer noch gut die Hälfte zum operativen Ergebnis bei.

dapd

Wacker-Finanzvorstand Joachim Rauhut beurteilt die Aussichten der Solarbranche inzwischen "positiv optimistisch".

dapd

In jedem Solarpanel steckt hochreines Polysilizium. Ein Hersteller des Grundstoffs ist die Wacker Chemie AG.

Wegen des Gewinneinbruchs im abgelaufenen Jahr müssen sich die Aktionäre aber wohl auf eine erneute Dividendenkürzung einstellen, wie Rauhut andeutete. „Wir haben eine Politik, nach der wir mindestens 25 Prozent des Jahresüberschusses ausschütten wollen", sagte er.

Im Geschäftsjahr 2011 habe Wacker etwas mehr als 100 Millionen Euro für Dividendenzahlungen ausgegeben, das entspreche jetzt dem Konzerngewinn 2012. „Wir werden natürlich nicht das gesamte Jahresergebnis ausschütten können", sagte der Manager.

Beim Polysiliziumgeschäft sieht Rauhut inzwischen Licht am Ende des Tunnels. „Wir haben gesehen, dass die Kunden im vierten Quartal auch Vorräte abgebaut haben. Das hat dazu geführt, dass es mengenmäßig eine leichte Belebung gibt und dass sich die Preise auf dem derzeitigen, allerdings noch unbefriedigenden Niveau stabilisiert haben", sagte er.

Dass die Preise noch weiter nachgeben könnten, wie von einigen Analysten befürchtet, glaubt er nicht. Sie seien mittlerweile doch sehr nahe an die Kostenpositionen der großen wettbewerbsfähigen Hersteller gekommen, meinte er.

Eher hält er einen Preisanstieg in diesem Jahr für möglich. „Wenn die Nachfrage gut läuft, kann es schon sein, dass es dann auch zu einer ausgeglicheneren Nachfrage-Angebotssituation kommt, die zu Preissteigerungen führt. Gegebenenfalls passiert das im zweiten Halbjahr", meinte er

Weil es mengenmäßig etwas besser läuft als erwartet, werde derzeit auch eine Ausweitung der Produktion geprüft, kündigte er an. Aktuell sind die Kapazitäten für Polysilizium über alle Standorte etwa zu zwei Dritteln ausgelastet.

Als positives Zeichen wertet Rauhut auch, dass der Solarmarkt, trotz Rückgängen in Deutschland, 2012 schätzungsweise auf 32 bis 33 Gigawatt gewachsen ist, nach 29,7 Gigawatt im Jahr davor.

2013 rechnet er als Untergrenze sogar mit einem Wachstum bis auf 35 Gigawatt. „Es gibt große Märkte wie China, USA oder Japan, die in diesem Jahr wachsen werden. Wenn man das addiert, überkompensiert das die negativen Entwicklungen die wir ohne Zweifel in Deutschland haben werden wo es ja noch relativ hohe Installationen gab", sagte der Finanzchef. Der Markt werde mittlerweile sehr viel breiter.

Wie sich mögliche Strafzölle der EU auswirken könnten, ist aus seiner Sicht schwer absehbar. Bekanntlich will die EU-Kommission im Mai entscheiden, ob sie Strafzölle auf die Einfuhr von Solarzellen und -modulen aus China erhebt. Vor allem die deutsche Solarindustrie hofft, chinesische Billigwaren vom europäischen Markt fernhalten zu können.

Zulieferer Wacker Chemie hat sich dagegen stets gegen Strafzölle ausgesprochen. Das Unternehmen muss befürchten, dass es bei Sanktionen gegen China wichtige Kunden in der Volksrepublik verlieren könnte, ohne, dass dies durch deutsche Kunden ausgeglichen würde. Die größten Kunden von Wacker sitzen nämlich in Asien.

Kontakt zum Autor: heide.oberhauser@dowjones.com

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