• The Wall Street Journal

Credit Suisse schreibt wieder schwarze Zahlen

Die Schweizer Großbank Credit Suisse hat im Schlußquartal wieder schwarze Zahlen geschrieben. Das Zürcher Geldhaus erntet die Früchte seines bereits vor zwei Jahren angestoßenen Sparprogramms und auch im operativen Geschäft läuft es wieder besser. Zwar fiel der Gewinn deutlich niedriger aus als vom Markt erhofft, doch das Institut ist nach eigenen Angaben gut ins neue Jahr gestartet und will künftig noch stärker an der Kostenschraube drehen. Insgesamt scheint Credit Suisse besser durch die Finanzkrise gekommen zu sein als die heimische Konkurrentin UBS .

Marktbeobachter werteten den Ausblick angesichts des um insgesamt zehn Prozent angehobenen Sparziels positiv. "Obgleich der Handel, die Margen im Wealth Management und die Neugelder unter den Erwartungen blieben, liegen sie auf einer Linie" mit den europäischen Wettbewerbern, schreiben Analysten von Nomura. Die Aktie gehöre zu den Favoriten des Brokerhauses, schrieben sie unter Verweis auf die Gewinnentwicklung und die Aussicht auf hohe Dividenenrenditen. Für 2012 will Credit Suisse eine Dividende auf Vorjahresniveau von 75 Rappen ausschütten

Der Nettogewinn lag im Schlussquartal bei 397 Millionen Schweizer Franken, umgerechnet 322 Millionen Euro, nachdem im Vorjahr noch ein herber Verlust von 637 Millionen Franken oder 517 Millionen Euro in der Bilanz gestanden hatte. Analysten hatten im Konsens aber mit einem Plus von 563 Millionen Franken oder 457 Millionen Euro gerechnet. Die Einnahmen legten um 29 Prozent auf 5,8 Milliarden Franken zu, lagen damit aber ebenfalls unter den Erwartungen. Dazu trug das Investmentbanking fast die Hälfte bei, dessen Einnahmen sich auf 2,66 Milliarden Franken mehr als verdoppelten.

Reuters

Die Schweizer Großbank Credit Suisse erreicht die geforderte Kernkapitalquote nach eigenen Angaben schon im Mitte 2013.

Damit steht die Credit Suisse besser da als die UBS, die für das Schlussquartal noch einen schweren Verlust von 1,9 Milliarden Franken ausweisen musste. Jahrelange Zinsmanipulationen haben die UBS eine Stange Geld gekostet, und auch Kosten für Rechtsstreitigkeiten belasteten die Kasse der größten Schweizer Bank. Hinzu kommen der teure Konzernumbau und ein Verlust aus eigenen Verbindlichkeiten. Auch die Deutsche Bank musste in der vergangenen Woche hauptsächlich wegen ihrer Altlasten in Form von Prozesskosten und Abschreibungen auf Geschäfts- und Firmenwerte für das Quartal einen Verlust von 2,2 Milliarden Euro melden.

Allerdings könnte der Skandal um Manipulationen des Referenzzinssatzes Libor auch für die Credit Suisse noch teuer werden - gegen das Institut wird ebenfalls ermittelt. Anders als die UBS hat sich die Credit Suisse dazu bislang nicht geäußert.

In das neue Jahr blickt die Bank zuversichtlich. "Die Ertragsentwicklung zum Jahresauftakt 2013 war erfreulich", erklärte CEO Brady W. Dougan. "Zudem wirken sich die 2012 eingeleiteten strategischen Massnahmen, also die Stärkung unserer Kapitalbasis sowie die deutliche Risiko- und Kostenreduktion, positiv auf unsere Profitabilität aus."

Um ihre Risiken weiter zu reduzieren, hatte die Bank Ende November eine umfassende Neuordnung angekündigt. Sie legte die stabile Vermögensverwaltung mit dem Privatkundengeschäft zusammen, um sie ein Stück weit vom schwankungsanfälligen Investmentgeschäft abzukoppeln. Während die Gewinne der Investmentbank mitunter stark fluktuieren, sind die Erträge aus der Verwaltung der Vermögen reicher Kunden relativ gleichbleibend.

Diese Maßnahmen gingen einigen Anlegern mit Blick auf die drastischeren Schritte bei der größeren UBS allerdings nicht weit genug - diese verkleinert derzeit ihr Investmentbanking und gliedert den Anleihehandel aus. Bis 2015 sollen jährlich 5,4 Milliarden Franken eingespart werden, 10.000 Stellen werden gestrichen - ein Großteil davon im Investmentbanking in London und den USA.

Beim Sparkurs kommt Credit Suisse nach eigenen Angaben gut voran. Bis Ende 2013 will die Bank weitere 200.000 Franken einsparen und ihre Kosten dann um 3,2 Milliarden Franken senken. Bis 2015 sollen insgesamt 4,4 Milliarden Franken gespart werden - 400.000 mehr als bislang geplant. Davon wurden 2 Milliarden bereits per Ende Dezember erreicht.

Der Rotstift wird vor allem bei der Investmentbank angesetzt, sie soll mehr als die Hälfte zum gesamten Sparprogramm beitragen. Bereits im vergangenen Jahr hatte Credit Suisse 3.500 Mitarbeiter hinausgeworfen. Eine konkrete Zahl für weitere Stellenstreichungen blieb die Bank bislang aber schuldig. Anleger hatten sich einen ähnlichen Kahlschlag erhofft wie bei der UBS.

Die risikogewichteten Aktiva verringerten sich seit dem Ende des dritten Quartals 2011 um 77 Milliarden auf 293 Milliarden Franken zum Jahresende, die Bilanzsumme sank in den vergangenen drei Monaten um 99 Milliarden auf 924 Milliarden Franken - bis Jahresende sollen es weniger als 900 Milliarden sein.

Auch die Kapitalbasis sei jetzt stärker, meldete die Bank. Weil unter anderem die Schweizer Nationalbank Zweifel an ihrer Finanzkraft angemeldete hatte, hatte die Credit Suisse im Sommer Kapitalmaßnahmen in Höhe von 15,3 Milliarden Franken eingeleitet - denn je riskanter ein Geschäft ist, desto mehr müssen die Institute dafür Kapital zur Seite legen. Die Maßnahmen sollen "in naher Zukunft" abegeschlossen sein.

Die Kernkapitalquote nach Vorgaben der Schweizer Regulierer, die sogenannte "Look-through Swiss Core Capital Ratio", erreichte auf Pro-forma-Basis 9,4 Prozent und erfüllt damit die Zielvorgaben; die per Ende 2018 erforderlichen 10 Prozent dürften bereits Mitte 2013 übertroffen werden, hieß es. Banken weltweit müssen künftig schärfere Anforderungen an ihr Eigenkapital erfüllen, allerdings liegt die Messlatte für die eidgenössischen Institut höher als im Branchenregelwerk Basel III. Weil die Bankenbranche für die Schweiz seine so bedeutende Rolle spielt, haben die Regulierungsbehörden des Landes die Regelungen nochmals verschärft.

Kontakt zum Autor: stefanie.haxel@dowjones.com

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