• The Wall Street Journal

Deutsche Bank suspendiert weitere Händler wegen Zinsmanipulationen

Die Deutsche Bank kommt bei ihren internen Untersuchungen im Skandal um die Manipulation der Zinssätze Euribor und Libor voran. Nachdem bislang zwei Händler im Zusammenhang mit Libor-Manipulationen suspendiert worden sind, wurden nun fünf weitere Mitarbeiter freigestellt. Das sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person zu Wall Street Journal Deutschland. Diese waren im Geldhandel auch für die Festsetzung des Euribor zuständig und auf niedrigen bis mittleren Hierarchiestufen angesiedelt, wie die Person sagte.

Die Deutsche Bank verwies auf die bisherige Stellungnahme, wonach sie Mitarbeiter mit einem „unangemessenen Verhalten" suspendiert oder entlassen hat. Die Führung der Bank wusste nichts von den Verfehlungen, hatte Aufsichtsratschef Paul Achleitner betont.

Die Aufsichtsbehörden in Deutschland, Großbritannien und den USA ermitteln mit Hochdruck, inwieweit Bankenmitarbeiter tatsächlich die Zinsen manipuliert haben. Auf den Euribor und Libor basieren Finanztransaktionen in Billionenhöhe. Bei den Ermittlungen gerät der Euribor zunehmend in den Fokus. Die Untersuchungen laufen in Deutschland seit Sommer vergangenen Jahres. Nachdem sich die RBS an diesem Mittwoch auf eine Strafzahlung von 613 Millionen US-Dollar geeinigt hat, wird als nächstes ein Ergebnis bei der Deutschen Bank erwartet.

Bei der RBS waren wohl 21 Mitarbeiter involviert. Der Chef des RBS-Investmentbanking, John Hourican, wird als Konsequenz seinen Hut nehmen. Die RBS hob hervor, dass Hourican an der mutmaßlichen Zinsmanipulation nicht beteiligt war. Bei der Deutschen Bank fallen die Verfehlungen unter den damaligen Bereich des jetzigen Co-Vorstandschefs Anshu Jain: das Investmentbanking.

Die schweizerische Großbank UBS hatte in dem Zusammenhang bereits 1,4 Milliarden Franken zahlen müssen, um sich freizukaufen. Die britische Bank Barclays war mit der Zahlung von rund 450 Millionen US-Dollar deutlich glimpflicher davongekommen.

Offiziell gibt es kaum Aussagen der Bank zu den Manipulationen. Sowohl bei der Pressekonferenz Ende Januar als auch bei der Anhörung vor dem Ausschuss des Bundestages waren die Aussagen des zuständigen Vorstands, Stephan Leithner, äußerst knapp. Das ist verständlich: Jede Aussage kann gegen die Bank verwendet werden. Auch wenn sie sich mit den Behörden auf Strafzahlungen einigt, ist das noch lange nicht das Ende vom Lied. Vor allem in den USA scharen klagefreudige Investoren, die sich durch die Manipulationen geschädigt sehen, schon mit den Füßen.

In Deutschland sorgte eine Klage von Metzler Investment bereits im Herbst 2011 für Schlagzeilen. Das Investmenthaus hatte sich einer Sammelklage mit anderen Kapitalanlagegesellschaften angeschlossen, die sich gegen mehr als zwanzig Institute in den USA richtet. Zu den beklagten Instituten gehört auch die Deutsche Bank. Der Fall läuft noch.

Indes versucht die Deutsche Bank wenigstens an anderer Stelle Geld zu sparen. Sie will im Libor-Skandal Bonuszahlungen in Millionenhöhe so lange einfrieren, bis Klarheit herrscht. So hat die Bank einen der verdächtigen Händler nicht nur entlassen, sondern auch Bonuszahlungen an ihn von 40 Millionen Euro auf Eis gelegt. Das sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person.

Eine Gruppe um den Händler Christian Bittar war bei der Deutschen Bank nach Angaben eines Insiders für Geschäfte zuständig, die sich auf wichtige Zinssätze wie Libor oder Euribor bezogen. Bittar soll auch versucht haben, sich mit Händlern anderer Banken zusammenzutun, um diese Zinssätze zu beeinflussen.

Händler wie er wurden prozentual an den Gewinnen beteiligt, die sie der Bank einbringen. Die Entlohnung wurde üblicherweise zeitlich gestreckt: Der Bonus bestand aus einem Baranteil und Aktienanteilen, die über drei Jahre ausbezahlt wurden. Die Deutsche Bank schloss den Bereich des Eigenhandels, in dem Bittar arbeitete, Ende 2008. Er war einer von zwei Händlern, die 2011 schon in Verbindung mit den versuchten Manipulationen entlassen wurden.

—Mitarbeit: Laura Stevens

Kontakt zum Autor: Madeleine.Nissen@wsj.com

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