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Israel bombardiert Regierungssitz der Hamas

[image] AP/dapd

Eine Explosion und Rauch nach einem Luftangriff der Israelis am Samstagmorgen im Gazastreifen. Israel bombardierte den von der Hamas beherrschten Gazastreifen allein in der Nacht zum Samstag mit mehr als 180 Raketen. Zu den Zielen gehörte auch der Regierungssitz der Hamas.

Als Reaktion auf den Raketenbeschuss durch palästinensische Extremisten hat Israel seine Luftangriffe im Gazastreifen ausgeweitet. Allein in der Nacht zum Samstag seien fast 200 Luftangriffe geflogen worden, erklärten die Streitkräfte. Dabei wurde auch der Sitz des Ministerpräsidenten der Hamas, Ismail Hanijeh, zerstört. Weitere Ziele waren Verwaltungsgebäude, Einrichtungen der Polizei und Schmugglertunnel. Zehn Menschen kamen ums Leben, wie die Behörden in Gaza mitteilten.

Seit Beginn der Offensive am Mittwoch wurden nach israelischen Angaben mehr als 800 Ziele im Gazastreifen getroffen. Aus dem Autonomiegebiet wurden in dieser Zeit mehr als 500 Raketen auf Israel abgefeuert und dabei erstmals auch auf Jerusalem und Tel Aviv ins Visier genommen. Die israelischen Streitkräfte stationierten daraufhin am Samstag ein Raketenabwehrschild in der Mitte des Landes, wie das Verteidigungsministerium bekannt gab. Am Samstag haben palästinensische Extremisten erneut Tel-Aviv beschossen. Dort wurde Luftalarm ausgelöst und es waren auch Explosionen zu hören.

In der Nacht zum Samstag erschütterte eine gewaltige Explosion das Hauptquartier der Polizei in Gaza. Auch das Haus eines Hamas-Kommandeurs wurde getroffen. Nach Angaben des Innenministeriums schlugen weitere Raketen in einem Regierungsgebäude und mehreren kleineren Stützpunkten der Sicherheitskräfte der Hamas ein. Zudem sei bei einem Luftangriff eine Moschee zerstört worden, teilten die Behörden im Gazastreifen mit. Im Süden des Gazastreifens waren nach Angaben des örtlichen Stromversorgers mehr als 400.000 Menschen ohne Elektrizität, weil Geschosse Umspannwerke trafen.

Mindestens 43 Tote seit Mittwoch

Seit Mittwoch kamen auf palästinensischer Seite mindestens 40 Menschen ums Leben, darunter 13 Zivilisten. Israel beklagte den Tod von drei Bürgern.

In der Grenzregion zog das israelische Heer immer mehr Soldaten zusammen, was auf eine bevorstehende Bodenoffensive hindeutete. Im Dezember 2008 hatte Israel das letzte Mal Bodentruppen gegen die militante Hamas im Gazastreifen in Bewegung gesetzt.

International richteten sich Hoffnungen auf den ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi, auf die Konfliktparteien einzuwirken. Auch US-Präsident Barack Obama telefonierte am Freitag mit Mursi. Die USA "machten Überstunden" mit anderen Staaten in der Region, um eine Eskalation des Konfliks und eine Bodenoffensive der Israelis zu verhindern, sagte am Samstag ein hochrangiger US-Vertreter. "Es gibt eine Gelegenheit zur Deeskalation, wenn die Hamas und diejenigen, die mir ihr verbunden sind, die notwendigen Schritte für eine ruhige Lage unternehmen - und keine Raketen mehr abfeuern, sagte der Vertreter, der anonym bleiben wollte.

Außenminsterin Hillary Clinton hat bereits mit den Regierungen in Israel, Ägypten und Jordanien und Katar gesprochen. Sie sollen mithelfen, dass die Hamas den Abschuss von Raketen einstellt, teilte das Außenministerium mit. Ziel sei, die Situation zu deeskalieren und zu vermeiden, dass Israel im Gazastreifen einmarschiert.

Blutiger Konflikt um Gaza

Reuters/Ronen Zvulun

Bundeskanzlerin Angela Merkel appellierte am Freitag am Rande der Regierungskonsultationen in Moskau an die ägyptische Führung, "den Einfluss auf die Hamas geltend zu machen, damit es zu keiner weiteren Eskalation kommt". Verantwortlich für die jüngste Gewalt sei die Hamas mit ihren Raketenangriffen. "Es gibt für diese Gewalt keinerlei Rechtfertigung, zumal die israelische Zivilbevölkerung massiv betroffen ist", sagte die Kanzlerin.

Israel beruft Reservisten ein

Unterdessen kündigte der israelische Außenminister Avigdor Lieberman Vergeltung für die anhaltenden Raketenangriffe an und schloss selbst eine gezielte Tötung von Ministerpräsident Ismail Hanijeh nicht aus. "Jedes Mal, wenn die Hamas schießt, wird die Antwort noch heftiger ausfallen", sagte er dem Fernsehsender Channel 2. "Ich rate der gesamten Hamas-Führung, uns nicht auf die Probe zu stellen (...) Keiner dort ist unantastbar - weder Hanijeh noch sonst irgendjemand."

Das israelische Sicherheitskabinett in Jerusalem genehmigte am späten Freitagabend laut örtlichen Medien die Mobilisierung von 75.000 Reservisten für eine mögliche Bodenoffensive im Gazastreifen. 16.000 Reservisten seien bereits einberufen worden, sagte Militärsprecherin Oberstleutnant Avital Leibovich. Weitere würden bald folgen. Über eine Bodenoffensive sei noch nicht entschieden worden, aber alle Optionen lägen auf dem Tisch, sagte sie.

Hamas gibt sich unversöhnlich

"Die palästinensische Regierung unterstreicht ihre Standfestigkeit und ihre Unterstützung für den palästinensischen Widerstand", schrieb Regierungssprecher Ihab Hussein am Samstagmorgen in einer Nachricht an Journalisten. "Sie steht an der Seite des Volkes, das dieser Aggression ausgesetzt ist." Am Freitag hatte der Sprecher des militärischen Arms der regierenden Hamas, Abu Obeida, gesagt: "Die Botschaft ist kurz und einfach: Es gibt keine Sicherheit für die Zionisten (..) und wir planen mehr Überraschungen."

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