• The Wall Street Journal

"Ohne Ziel hat jeder eine Entschuldigung"

Henkel-Chef Kasper Rorsted hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt. Bis 2016 soll der Konsumgüterkonzern diese Formel schaffen: 20-10-10. Will heißen: der Umsatz wächst bis auf 20 Milliarden Euro, 10 Milliarden davon sollen aus Schwellenländern kommen. Den Gewinn je Aktie will Henkel im Schnitt bereinigt um zehn Prozent jährlich steigern. Das Wall Street Deutschland hat ihn dazu befragt.

Herr Rorsted, Analysten haben sich über Ihre neuen Ziele enttäuscht gezeigt…

Wir glauben, dass wir einen realistischen Plan vorgelegt haben. Was wir vorhaben, ist sehr ambitioniert. Ich glaube, es gibt nur wenige Unternehmen, die sich solche Ziele setzen. Analysten waren enttäuscht, weil es kein Margen-Ziel gab. Unsere Wachstumsziele unterstellen aber eine operative Marge von 15,7 bis 16,3 Prozent.

dapd

Henkel-Chef Kasper Rosted hat ehrgeizige Ziele. Bis 2016 will er den Umsatz des Konzerns auf 20 Milliarden Euro steigern.

Ist es sinnvoll, sich in solch unsicheren Zeiten ein Mittelfristziel zu setzen?

Es ist sinnvoll. Sie geben damit eine klare Richtung vor, in die die Reise gehen soll. Machen sie das nicht, gerade in volatilen Zeiten, hat jeder eine Entschuldigung, nicht zu liefern. Es ist sehr wichtig, langfristig strategische Klarheit zu haben.

Sie haben die Tür für Zukäufe geöffnet. Das war früher anders...

Wir haben unsere Verschuldung auf etwas über 600 Millionen Euro gesenkt; in drei Quartalen werden wir schuldenfrei sein. Damit haben wir eine Reihe von Möglichkeiten. Bei der Klebstoffsparte Adhesive Technologies sind wir an Technologien interessiert. In den Konsumentengeschäften schauen wir auf Regionen und Kategorien. Aber unser Programm ist vornehmlich auf organisches Wachstum ausgerichtet, mit kleinen und mittleren Zukäufen.

Sie schließen aber auch größere Übernahmen nicht aus. Wie viel wäre Henkel denn bereit und in der Lage auszugeben?

Wir haben einen finanziellen Spielraum von drei Milliarden Euro. Man kann Zukäufe aber nicht planen. Wir haben genügend Mittel, sehen aber keine Notwendigkeit sie auch auszugeben. Wenn sich eine strategische Möglichkeit ergibt, werden wir sie verfolgen. Man sollte aber nicht kaufen, um des Kaufens willen.

Im Gegenzug streben Sie Verkäufe im Volumen von 500 Millionen Euro an.

Wir betreiben ein aktives Portfoliomanagment. Wenn bestimmte Geschäfte für uns keine strategische Bedeutung mehr haben, wollen wir sie abgeben. Etwa bei Adhesive Technologies. Im Konsumentengeschäft gilt: Wenn wir in einer Kategorie die Positionen 1 bis 3 in einem Land nicht erreichen können, überlegen wir, uns davon zu trennen. So haben wir jüngst sieben Kosmetikmarken in den USA abgegeben.

Schwellenländer haben eine große Bedeutung für Henkel. Was erwarten Sie für Märkte wie China oder Brasilien?

2016 sollen 10 Milliarden Euro Umsatz von den Emerging Marktets kommen. Heute ist Russland der drittgrößte Markt für Henkel, China der viertgrößte. Brasilien liegt noch etwas zurück. Dies sind jedoch die drei Länder, in denen wir überproportional investieren. Langfristig ist dies ein sehr attraktives Geschäft für uns. Das gilt auch für den Nahen Osten, trotz der aktuellen Probleme dort. Langfristig sind wir dort aber sehr optimistisch.

Kontakt zum Autor: natali.schwab@dowjones.com

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