• The Wall Street Journal

Was Anleger von James Bond lernen können

AP Photo/Sony Pictures, Francois Duhamel

Anzug, Auto, Walther PPK: Die Darsteller von James Bond ändern sich, das Grundrezept der Filme dagegen nur wenig.

Ständig hört man, dass wir in einer immer schneller werdenden Zeit leben. Produktzyklen und Aufmerksamkeitsspannen sind nicht länger als ein Tweet. Der Börsenhandel geschieht nicht mehr in Mikro-, sondern in Nanosekunden. Nichts hat lange Bestand. Da ist es geradezu paradox, dass zwei der größten Namen des Unterhaltungsgeschäfts in diesem Jahr ihr 50-jähriges Jubiläum feiern: James Bond und die Rolling Stones. Und sie werden immer beliebter.

Unternehmer und Anleger können von ihnen einiges lernen. Nicht viele Firmen und Marken halten 50 Jahre durch. Aber wenn man herausfindet, wer das Potenzial dafür hat, ist das eine gute Basis für ein Portfolio.

An „Skyfall", dem 23. Bond-Film, führt in diesem November kein Weg vorbei. Auf beiden Seiten des Atlantiks hat er die Kinorekorde geknackt. 50 Jahre nach „Dr. No" hatte Skyfall in den USA mit 90 Millionen eingenommenen US-Dollar das stärkste Auftaktwochenende aller Bond-Folgen (Inflationsbereinigt war „Feuerball" 1965 allerdings noch stärker). Weltweit hat der Film bereits mehr als 500 Millionen Dollar in die Kinokassen gespült.

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Unkaputtbar. Die Rolling Stones

Die Stones, die im Gegensatz zu den Bond-Produzenten nicht alle paar Jahre die Hauptdarsteller austauschen können, sind genauso stark. Ende des Monats spielt die Band ihre ersten Konzerte seit fünf Jahren. Und 50 Jahre nach ihrem ersten Auftritt sorgen sie immer noch für ausverkaufte Stadien. Ihre jüngsten Singles sind zwar kein „Brown Sugar", aber trotzdem ziemlich gut für Männer Ende 60. Auch wenn einem das Riff bei „Doom and Gloom" verdächtig bekannt vorkommt.

So wie die Dinge derzeit laufen, würde wohl kaum jemand dagegen wetten, dass die 46. Bond-Folge 2062 läuft. Und die scheinbar unsterblichen Stones werden da wahrscheinlich immer noch touren. Ein halbes Jahrhundert ist eine sehr lange Zeit für jede Marke mit solcher Beliebtheit. Von den 20 größten Unternehmen der Fortune-500-Rangliste aus dem Jahr 1962 sind zwar noch einige unter uns, etwa Exxon und AT&T, aber nicht mehr viele. Einige, wie General Motors, sind mindestens einmal insolvent gegangen. Das trifft auch auf andere Märkte zu. Im FT-30, dem Vorläufer des britischen Leitindexes FTSE, sind nur noch zwei Gründungsmitglieder erhalten: Der Lebensmittelhersteller Tate & Lyle und der Automobilzulieferer GKN.

Wenn man in etwas investieren könnte, dass sich garantiert lange hält, würde sich das sicher lohnen. Was kann man also von diesen beiden Showbiz-Dinosaurieren lernen, außer dass Martinis besser geschüttelt als gerührt sein sollten?

1. Die Dinge einfach halten

Die Stones haben sich nie weit von ihrem ureigenen Sound entfernt. Auch wenn einige Mitglieder ausgetauscht wurden, ist die Band nicht größer geworden. Die Bond-Filme sind etwas schneller geworden, aber nicht fundamental anders als vor 50 Jahren. Sie halten sich an ein einfaches Rezept: Schnelle Autos, schöne Mädchen, fiese Schurken und spektakuläre Stunts. Es gibt genug Abwechslung, um jeden neuen Film frisch erscheinen zu lassen. Aber das Grundprodukt bleibt erkennbar.

2. Keine Skrupel zeigen

Die Bond-Produzenten haben ihre Hauptdarsteller ausgetauscht, sobald die Zuschauer die Nase voll von ihnen hatten. Pierce Brosnan hat ihnen in seinen vier Filmen viel Geld eingebracht. Trotzdem wurde er durch Daniel Craig ersetzt, bevor er dem Publikum überdrüssig wurde. Wenn Veränderungen nötig sind, müssen sie schnell und ohne Reue erfolgen. Die Marke ist immer wichtiger als einzelne Personen.

Video auf WSJ.com

The latest James Bond film, Skyfall, opens in the U.S. this weekend. But with high product placement the film is attracting criticism. Dow Jones's Nick Hastings asks if 007 has gone too corporate. Photo: AP

3. Nicht zu viel Produzieren

In 50 Jahren gab es 23 Bond-Filme. Es gibt keine peinliche Bond-Fernsehserie, keine Zeichentrickversion und auch nur wenige Videospiele. Kein Mensch braucht alle fünf Minuten ein neues Bond-Video auf Youtube. Wenn ein neuer Film erscheint, muss das ein besonderes Ereignis sein. Auch die Stones haben seit fünf Jahren nichts veröffentlicht. Sie halten lange durch, ohne aufzutreten oder neue Songs zu schreiben. Es ist besser, den Markt zu wenig zu versorgen und so die Nachfrage hochzuhalten. Die langfristigen Renditen sind wichtiger als die kurzfristigen.

4. Immer weitermachen

Für jede Marke läuft es mal schlecht. Timothy Dalton funktionierte Ende der 1980er Jahre nicht als James Bond. Damals hätten nur wenige darauf gesetzt, dass die Serie weitergeht. Dann kam „Goldeneye". Mitte der 1980er Jahre legten auch die Stones ein paar durchwachsene Alben hin. Auch viele Fans konnten sich mit „Dirt Work" nicht anfreunden. In der Entwicklung jeder Marke gibt es Rückschläge. Wenn man diese wegsteckt, kann man gestärkt zurückkommen.

5. Seinen Wurzeln treu bleiben

Bond ist eine Weltmarke, bleibt aber ein sehr britisches Produkt. Noch nie zuvor gab es wie in Skyfall so viele Szenen, die in London oder Schottland spielen. Die Stones verkaufen sich rund um den Globus, haben aber ihren Akzent aus der Grafschaft Kent behalten. In immer globalisierten Märkten zählt das Authentische. Die Verbraucher wollen keine faden Produkte nach dem Massengeschmack. Sie wollen Dinge, die eine Herkunft und einen Charakter haben.

Das ist sicherlich nicht die ausgeklügeltste Anlagestrategie aller Zeiten. Aber es gibt Unternehmen, auf die die Punkte zutreffen: Apple hat mehrere Tiefschläge überwunden. Mercedes baut sehr deutsche Autos, die sich weltweit verkaufen. Nestlé streicht ohne mit der Wimper zu zucken Produkte, die nicht funktionieren. Die Firmen, die drei oder vier der Punkte oben in sich vereinen, dürften auch in 50 Jahren nach bestehen und ihren Aktionäre bis dahin viel Freude bereiten.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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