• The Wall Street Journal

J.P. Morgan droht Ungemach wegen Geldwäsche

Neuer Ärger für J.P. Morgan Chase . Amerikanische Behörden dürften schon bald offiziell gegen die US-Großbank vorgehen. Der Grund: Es soll Schwächen im System zur Bekämpfung von Geldwäsche bei Morgan Chase geben. Das berichten eingeweihte Personen.

Das Office of the Comptroller of the Currency (OCC), eine unabhängige Behörde, die die US-Banken und Sparkassen überwacht, hat J.P. Morgan Ende vergangener Woche eine Abmahnung geschickt. Diese sei Teil einer umfangreichen Untersuchung bei der größten Bank des Landes, heißt es. Das OCC wird J.P. Morgen vermutlich dazu verdonnern, seine Strategie zu überarbeiten und die Maßnahmen zu erweitern. Außerdem müssen zurückliegende Transaktionen noch einmal überprüft werden, berichten die eingeweihten Kreise.

[image] dapd

Bei J.P. Morgan Chase kehrt einfach keine Ruhe ein. Die US-Großbank kämpft gerade mit einer Reihe von Verfahren – und nun droht ihr auch noch Ärger wegen laxer Geldwäsche-Bekämpfung.

Die Aufforderung der Behörde wäre der jüngste Höhepunkt in einer Reihe von Problemen, mit denen sich die größte Bank des Landes konfrontiert sieht. Prüfstellen und Behörden untersuchen derzeit auch, ob Mitarbeiter der Bank den Strompreishandel in Kalifornien sowie Bundesstaaten des Mittleren Westens manipuliert haben. Ebenfalls im Fokus steht das Geschäftsgebaren von Bear Stearns. Bei der Tochterfirma von J.P. Morgan steht die Vergabe von Immobilienkrediten während der Wirtschaftskrise in der Kritik.

Die jetzt bekanntgewordenen neuen Maßnahmen unterstreichen die Bemühungen von Aufsichtsbehörden und Gesetzesgebern, verstärkt gegen Geldwäsche vorgehen zu wollen. Der Staat und seine Beamten haben in den vergangenen Monaten bereits groß angelegte Verfahren gegen ausländische Banken wie Standard Chartered und HSBC eröffnet.

Aufsichtsbehörden hatten J.P. Morgan und andere Banken erst kürzlich schriftlich gewarnt, dass sie in Zukunft verstärkt mit Schadenersatzklagen rechnen müssten. Vor allem, wenn Regeln zur Bekämpfung von Geldwäsche verletzt wurden und Kunden wissentlich in die Irre geführt wurden, kündigten die Ermittler Schärfe an. Diese Warnung des OCC ging Ende vergangener Woche an die Top-Manager von mehr als zwölf Banken.

US-Banken müssen verdächtiges Verhalten bei Geldtransaktionen in Höhe von mehr als 10.000 Dollar an die Behörden melden. Das schreibt das Gesetz über das Bankgeheimnis (Bank Secrecy Act) vor. Die Geldhäuser müssen außerdem wirkungsvolle Systeme installieren, um kriminelles Verhalten innerhalb ihrer Netzwerke aufspüren zu können. Wer sich nicht an die Regeln hält, muss mit Strafzahlungen und strafrechtlicher Verfolgung rechnen.

Die jetzt eingeleiteten Schritte des OCC gegen J.P. Morgan werden vermutlich denen ähneln, mit denen man im April bereits gegen die Citigroup vorgegangen war. Die Citigroup wurde dazu verdonnert, ihre Maßnahmen zur Bekämpfung von Geldwäsche zu verbessern, nachdem die Bank Versäumnisse eingeräumt hatte. Zwar floss kein Geld, das OCC forderte die Citigroup jedoch auf, ihre Strategie zur Überwachung von Geldflüssen zu verbessern und die internen Prüfungen auszuweiten.

2010 war die Nordamerikaabteilung von HSBC dazu verurteilt worden, ihr Risikomanagement an geltende Gesetze zur Geldwäsche anzupassen. Bei einer Untersuchung waren zuvor Mängel in diesem Bereich festgestellt worden.

Ungewohnt direkter Ton des OCC

Der untypisch direkte Ton des OCC während der Treffen mit großen Banken Ende vergangener Woche hat sich in den Führungsetagen der Geldhäuser schnell herumgesprochen. Einige sahen die geänderte Taktik als Schritt aus dem Schatten des Consumer Financial Protection Bureau (BCFP), das in der Vergangenheit bei der Veröffentlichung von strafrechtlichen Maßnahmen und Bußgeldern gegen Banken recht aggressiv vorgegangen war. Vielleicht wollte sich dass OCC aber auch nicht länger vorwerfen lassen müssen, zu zurückhaltend und vorsichtig mit den Geldhäusern umzugehen.

„Es war ein Schlag ins Gesicht", sagt ein leitender Bankangestellter. Er hatte zwar nicht an einem der Treffen teilgenommen, ein Kollege hatte ihn jedoch informiert. „Die Nachricht war: ‚Ihr lebt in einer Welt mit absolut null Toleranz'", berichtet ein anderer.

In einem Interview sagte OCC-Direktor Thomas Curry am Donnerstag, die Null-Toleranz-Aussage sei „zu scharf" gewesen. Er bestätigte jedoch einen „neuen Umgangston" im Vergleich zur Zeit vor der Finanzkrise. „Passabel ist nicht akzeptabel", bekräftigte er. Man solle damit rechnen, schon in Kürze weitere Fortschritte zu sehen.

Bereits auf strengeres Vorgehen hingewiesen

J.P. Morgan hatte in einer Mitteilung an die US-Wertpapier- und Börsenaufsichtsbehörde bereits am 8. November auf das aggressivere Vorgehen hingewiesen. Man erwarte „eine strengere Überprüfung durch die Aufsichtsbehörden hinsichtlich der Erfüllung derzeitiger und zukünftiger Regeln und Gesetze", hieß es dort. Man gehe davon aus, „häufiger Ziel förmlicher Durchsetzungsmaßnahmen zu sein und weniger formlose Kritik einstecken zu müssen".

Das Geldhaus hatte sich in den vergangenen Monaten mit dem OCC bereits über mögliche Lösungen ausgetauscht. Höchstwahrscheinlich wird dazu auch eine Überprüfung früherer Zahlungsvorgänge zählen, berichtet eine Person aus dem Umfeld von J.P. Morgan.

Curry wollte sich zu den Vorgängen rund um J.P. Morgan nicht äußern. Er erklärte jedoch, das OCC werde nicht zögern, wenn es um die Einleitung von Maßnahmen gegen große Banken gehe. „Die Öffentlichkeit soll wissen, dass die Aufsichtsbehörden ihre Arbeit machen", sagte er.

—Mitarbeit: Victoria McGrane

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