Von DAISUKE WAKABAYASHI
Die Aktie von Sony ist am Donnerstag nach einem Kurssturz von 9 Prozent auf ein 32-Jahres-Tief gefallen. Das unterstreicht erneut, vor welchen Problemen der neue Konzernchef Kazuo Hirai steht.
Der Kurseinbruch und die drohende Ratingabstufung auf Ramschstatus zeigen, wie dringend und schnell Hirai beweisen muss, dass die von ihm eingeleitete Restrukturierung wirkt und die neuen Produktlinien wieder den alten Glanz hervorzaubern.
Die Probleme bei Sony sind im leidgeplagten japanischen Elektroniksektor alles andere als ungewöhnlich. Geschwächt von jahrelangen Verlusten müssen sich die Unternehmen hier ein Finanzpolster zulegen, um mit den schlankeren Rivalen mithalten und den starken japanischen Yen ausgleichen zu können. Gleichzeitig muss Sony das Wachstum antreiben, während es mit der Kernsparte Konsumelektronik steil bergab geht.
Am Mittwoch teilte Sony mit, eine Wandelanleihe über 150 Milliarden Yen (1,45 Milliarden Euro) zu begeben. Weniger als eine Woche zuvor hatte Moody's Investors Service das Rating für Sony auf die letztmögliche Investment-Grade-Note abgestuft. Es war schon die zweite Absenkung innerhalb eines Monats und Moody's belegt das Unternehmen auch weiterhin mit einem negativen Ausblick.
"Der anhaltend negative Ratingausblick spiegelt die Ansicht von Moody's, dass ohne eine echte Restrukturierung in den nächsten 12 bis 18 Monaten das Nicht-Finanzgeschäft von Sony bestenfalls eine schwarze Null erreichen wird, wenn es nicht sogar unprofitabel bleibt", hieß es von Moody's in der dazugehörigen Erläuterung.
Für die Sony-Spitze war die erfolgreich begebene Wandelanleihe ein Zeichen des Vertrauens, dass das Unternehmen anders als einige der japanischen Konkurrenten wenigstens noch Kapital am Markt aufnehmen kann, sagte ein Insider. Zudem halte das Management den Aktienkurs für zu niedrig, was die Wahrscheinlichkeit erhöhe, dass die Anleihe letztlich in Aktien getauscht werde.
Wenn Sony es nicht schaffen sollte, den Kurs nach oben zu bringen, wird es die ganze Summe im Jahr 2017 zurückzahlen müssen. Die Sorgen um einen Verwässerung des Aktienkurses waren ein wichtiger Grund, warum das Papier am Donnerstag um knapp 9 Prozent auf 793 Yen einbrach. In diesem Jahr addiert sich der Kursverlust damit bereits auf mehr als 40 Prozent. Unter 800 Yen notierte die Aktie zuletzt im April 1980.
Das meiste Geld aus der Anleihe wird für Investitionen benötigt, die der im April ins Amt gekommene CEO Hirai mit seiner Vision eines neu aufgestellten Konzerns auf den Weg gebracht hat. So übernahm er einen Anteil an dem schwächelnden Medizingerätehersteller Olympus und kaufte den Entwickler von Online-Spieltechnologie Gaikai. Zudem erhöhte er die Produktion des profitablen Bildsensors, der in Smartphone-Kameras zur Anwendung kommt. Gleichzeitig verkaufte er das Geschäft mit Chemieprodukten und zog sich aus einem LCD-Joint-Venture mit Sharp zurück.
Die Schritte spiegeln eine Neuaufstellung des Sony-Portfolios wider, das sich weniger auf das Fernsehgeschäft konzentriert, das seit mittlerweile acht Jahren keinen Gewinn mehr abwirft. Stattdessen richtet sich der Fokus nun auf mehr versprechende Sektoren wie Smartphones, Videospiele, Bilddarstellung und Medizingeräte.
Das aktuelle bis März laufende Geschäftsjahr soll ganz im Zeichen des Verschlankens stehen. Nach der Auflösung des Handy-Joint-Ventures mit der schwedischen Ericsson im Februar gab Sony bekannt, 15 Prozent der Arbeitsplätze abzubauen und die Zentralen der Tochtergesellschaften nach Tokio zu verlegen.
Anfang des Monats senkte Sony seine Prognose für den Umsatz mit LCD-Fernseher in diesem Geschäftsjahr um eine Million auf jetzt 14,5 Millionen. Der Konzern wollte dies als Zeichen seiner neuen Philosophie interpretiert wissen, nicht mehr zulasten des Gewinns höheren Marktanteilen hinterherzujagen. Im nächsten Jahr solle das Fernsehgeschäft wieder profitabel sein.
"In diesem Jahr räumt er auf, was aufzuräumen ist", sagt Analyst Nobuo Kurahashi von Mizuho Investors Securities mit Blick auf den CEO. "Aber das nächste Jahr ist entscheidend."
Auf das Handy-Geschäft wird es ankommen
Dabei wird es vor allem auf das Geschäft mit Handys ankommen, dass im nächsten Geschäftsjahr erstmals komplett unter der Allein-Regie von Sony geführt wird. Die Smartphones, die 2013 auf den Markt kommen sollen, dürften die Konsumelektronik-Technologie von Sony besser integriert haben. In einer aktuellen Studie schreibt Barclays-Analyst Yuji Fujimori, dass die Anleger vor allem darauf achten sollten, ob der Handy-Bereich im nächsten Jahr einen Gewinn abwirft.
Ebenso wichtig wird der Nachfolger der Spielkonsole Play-Station 3 werden. Der Vorgänger Play-Station 2 hatte noch die Spielewelt beherrscht und für kräftige Gewinne gesorgt. Die PS3 stolperte schon kurz nach ihrer Einführung und fuhr vier Jahre lang Verluste ein, bevor Hirai, der die Sparte damals führte, wieder für schwarze Zahlen sorgte.
Der Unterschied zu jetzt ist, dass Hirai die Wende viel schneller schaffen muss. "Uns wurde von Sony schon so oft gesagt, dass das nächste Jahr entscheidend sei, und immer wurde das aus irgendeinem Grund wieder aufgeschoben", sagt der Analyst Kurahashi. "Aber wir haben schon so oft gewartet. Deshalb geht die Stimmung wohl eher dahin, Ergebnisse zu sehen, bevor wir uns in Hoffnungen ergehen."
Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de







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