• The Wall Street Journal

Börse Kambodscha erwacht zum Leben

PHNOM PENH—Die Börse von Kambodscha gibt es seit April, doch sie hat erst einen einzigen Börsengang erlebt. Anfang nächsten Jahres könnte diese Flaute zu Ende sein: Mindestens vier heimische Unternehmen wollen den Schritt an die Börse wagen.

Die staatlichen Firmen Telecom Cambodia und Sihanoukville Autonomous Port dürften bis Juni ihren Börsengang abschließen, während zwei private Kleidungshersteller schon im ersten Quartal an die Börse wollen, sagt Hong Sok Hour, Chef der kambodschanischen Börsenaufsicht.

Associated Press

Der kambodschanische Finanzminister Keat Chhon, links, während der Einweihungszeremonie der Cambodia Securities Exchange (CSX) im Juli 2011 in Phnom Penh. Erst Monate später konnte man dort die erste Aktie handeln. Bald sollen mindestens vier Börsengänge neuen Schwung bringen.

Seit der vielbeachteten, 20 Millionen Dollar schweren Emission der staatlichen Phnom Penh Water Supply Authority im vergangenen April ist es der Börse schlecht ergangen. Viele Firmen schafften die Voraussetzungen für einen IPO nicht oder verschieben ihn, bis der Markt an Liquidität gewinnt. Branchenvertreter sagen, die fehlenden Börsengänge hätten viele Investoren abgeschreckt.

Der Aktienkurs der Phnom Penh Water Supply Authority, der in der ersten Börsenwoche um 63 Prozent gestiegen war, hat inzwischen all seine Zugewinne wieder abgegeben. Am Montag schloss die Aktie bei 6.200 kambodschanischen Riel. Der Ausgabepreis hatte bei 6.300 Riel gelegen.

Investoren trauen sich noch nicht an die Börse

Die Börse sei für die Kambodschaner eine ganz neue Welt, sagt Nguon Sokha, Generaldirektorin der National Bank of Cambodia. Es brauche Zeit, bis sich mehr Investoren an die Börse trauen, sagt sie. Von den 4.000 Anlegerkonten bei zugelassenen Brokerhäusern gehört etwa ein Drittel Ausländern, berichtet die Börse Kambodscha, auch als CSX bekannt.

Viele der großen privatwirtschaftlichen Firmen in Kambodscha sehen keinen Grund, an die Börse zu gehen. Die Acleda Bank zum Beispiel will irgendwann zwar an die Börse, doch erst, wenn sie frisches Kapital braucht und wenn das Aufsichts- und Investmentklima robust genug erscheint, sagt Banken-Chef In Channy.

Große Unternehmen „wollen, dass staatliche Firmen zuerst an die Börse gehen und Schwung im Markt aufbauen", sagt Sokha von der kambodschanischen Zentralbank.

Staatsunternehmen sollen vorangehen

Telecom Cambodia und Sihanoukville Autonomous Port sollten ursprünglich schon Ende 2012 an die Börse, konnten jedoch nicht rechtzeitig die Auflagen erfüllen, sagt Hong von der CSX. Danach könnte die Regierung Phnom Penh Autonomous Port, einen staatlichen Hafenbetreiber, für das nächste IPO wählen, sagt er. In den nächsten zwei Jahren erwartet er zunehmend mehr Börsengänge.

Einige kleine private Unternehmen zeigen größeres Interesse an einem Börsengang als große Konzerne, sagen Aktienhändler. Die beiden Kleidungshersteller Grand Twins International und TY Fashion, die einen Börsengang Anfang nächsten Jahres erwägen, dürften im nächsten Monat offizielle Anträge abgeben, sagt Stephen Hsu, Chef des Brokerhauses Phnom Penh Securities, das solche Geschäfte abwickelt. Die beiden Unternehmen dürften zusammen 60 bis 70 Millionen Dollar einnehmen, sagt er.

„Viele andere Unternehmen, von Banken bis zu Stromanbietern, ziehen ebenfalls Börsengänge in Erwägung", sagt Hsu. „Wenn sie den Börsengang schaffen, könnten bei uns bis Ende nächsten Jahres zwischen sieben und zehn Unternehmen gelistet sein."

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