• The Wall Street Journal

BP vor Einigung mit USA im Fall Deepwater Horizon

Zwei Jahre nach der Explosion der Bohrplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko kann sich der britische Ölkonzern BP offenbar mit den US-Behörden auf Strafzahlungen einigen. Informierte Kreise sagten, Generalstaatsanwalt Eric Holder werde das Ergebnis am Nachmittag auf einer Pressekonferenz in New Orleans verkünden.

BP selbst hatte am Morgen erklärt, die Verhandlungen mit dem Justizministerium seien in einem fortgeschrittenen Stadium angekommen, es gebe aber noch keine „abschließende Vereinbarung".

Reuters

Nach der Ölkatastrophe waren Arbeiter lange damit beschäftigt, die amerikanische Küste von Ölklumpen zu säubern. Hier ein Bild vom Strand in Waveland, im US-Bundesstaat Mississippi vom Juli 2010.

Bei der Explosion der Plattform im April 2011 waren elf Menschen getötet worden, riesige Mengen Rohöl verseuchten den Golf von Mexiko und verursachten die bisher größte Umweltkatastrophe dieser Art. Erst nach drei Monaten gelang es, das Bohrloch am Meeresgrund zu schließen.

US-Behörden leiteten in der Folgezeit straf- und zivilrechtliche Verfahren ein. Sollte es jetzt zu einer Einigung kommen, so müsste diese noch von einem amerikanischen Bundesgericht abgesegnet werden, um wirksam zu werden.

BP erklärte, eine etwaige Einigung würde die zivilrechtlichen Schadensersatzansprüche der US-Regierung nicht abdecken, darunter auch solche nach dem Wasserschutzgesetz und wegen Verschmutzung der Umwelt, auch die noch offenen privaten Klagen würden damit nicht erledigt.

Vertreter des Ministeriums lehnten eine Stellungnahme ab. BP könnte allein nach dem Clean Water Act mit einer Strafzahlung von 5,4 Milliarden Dollar belegt werden. Die Geldbuße könnte auf bis zu 21 Milliarden Dollar steigen, wenn dem britischen Konzern bescheinigt wird, dass grobe Fahrlässigkeit zu dem Unfall geführt hat, was der allerdings immer bestritten hat.

Sollte eine Strafzahlung vereinbart werden, die am oberen Ende der Spanne liegt, würde dies darauf hindeuten, dass BP zumindest teilweise fahrlässig gehandelt hat. Dann könnten auch die Kläger in den noch offenen Verfahren höhere Entschädigungen verlangen, wie Rechtsexperten anmerken.

Eine in New Orleans angesiedelte Arbeitsgruppe der US-Regierung hat den Unfall auf der Bohrinsel Deepwater Horizon in den vergangenen 29 Monaten genau untersucht. Die Ermittlungsbehörden haben Tausende von Dokumenten ausgewertet und Dutzende Befragungen durchgeführt, teilweise vor einem Geschworenengericht.

Wie viel Schadensersatz BP nun zahlen muss, sei noch nicht klar, war zu hören. Die Summe könnte jedoch die Geldbuße von 1,3 Milliarden US-Dollar übersteigen, die der Pharmakonzern Pfizer 2009 für den Betrug beim Marketing eines Schmerzmittels zahlen musste - und schon das war seinerzeit eine Rekordstrafe.

Der Schadensersatz von BP wird den fünf von der Ölkatastrophe betroffenen US-Bundesstaaten am Golf zukommen. Insgesamt waren seinerzeit 4,9 Milliarden Barrel Rohöl ausgelaufen.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Panorama

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 21. Mai

    In Sri Lanka fertigt ein Schneider eine kunterbunte Buddha-Fahne, in China hat sich wieder ein riesiger Straßenkrater aufgetan und beim Radrennen Giro d'Italia kämpften sich die Teilnehmer durch die Alpen. Das und mehr sehen Sie in unseren Fotos des Tages.

  • [image]

    Im Luxusreich der Teenager

    Damit sich ihre Kinder gern zu Hause aufhalten, lassen wohlhabende Eltern für sie luxuriöse Wohnbereiche mit Karaokeanlagen, Billardtischen und riesigen Computern gestalten. Einige treiben es dabei auf die Spitze.

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 20. Mai

    In China explodiert eine Straßenüberführung, in Indien wütet eine Hitzewelle und in Israel kommt eine Geisel frei. Das und mehr sehen Sie in unseren aktuellen Fotos des Tages.

  • [image]

    Die Krise erreicht die Stierkampf-Arena

    Die Jahrhunderte alte spanische Stierkampf-Tradition steht vor dem Aus. Regionaler Nationalismus und Tierschützer setzen ihr schon seit Jahren zu. Die Rezession droht dem blutigen Spektakel aber den Gnadenstoß zu versetzen.

  • [image]

    Otto – ein deutsches Einkaufsimperium

    Die Otto Gruppe besteht nicht nur aus dem gleichnamigen Versand. Gegründet 1946, ist Otto heute in mehr als 20 Ländern aktiv - mit 123 Konzerngesellschaften wie SportScheck, Manufactum, Mirapodo oder Hermes. Überrascht? Wir zeigen, was noch alles zum Imperium gehört.

  • [image]

    Die SPD und ihre Gesichter

    In diesem Jahr feiert die SPD ihr 150 jähriges Bestehen. In der Geschichte der Bundesrepublik und des vereinigten Deutschlands hat sie die Politik entscheidend mitgeprägt. Wir zeigen einige der wichtigsten Politiker der altehrwürdigen Partei.

  • [image]

    Argentiniens versunkene Stadt taucht wieder auf

    Eine kleine Stadt in der Nähe von Buenos Aires versank nach einem Dammbruch vor 27 Jahren im Meer. Mehr als ein Vierteljahrhundert später erblickt die argentinische Geisterstadt Epecuén wieder das Licht.

Erwähnte Unternehmen