Von WALTER S. MOSSBERG
Windows 8 ist ein Dilemma für PC-Hersteller. Es enthält zwei sehr verschiedene Benutzeroberflächen: Einerseits eine Tablet-Oberfläche für die Touchscreen-Bedienung mit Kacheln, Vollbild-Apps und einer virtuellen Tastatur. Andererseits die klassische Windows-Oberfläche mit ihren Programmen, die am besten mit Maus oder Touchpad sowie physischer Tastatur bedient werden. Daher versuchen die Hardware-Hersteller Laptops herzustellen, die in beiden Welten gut funktionieren.
Diese Woche habe ich einen der bekanntesten dieser neuen Laptops getestet – das besonders kreativ gestaltete IdeaPad Yoga13 von Lenovo, das es in Deutschland für rund 1.300 Euro zu kaufen gibt. Es heißt so, weil es sich – gleich Yoga-Übungen – in verschiedene Positionen wandeln kann. Einige davon sind ungewöhnlich und werden über ein stabiles aber flexibles Gelenk erreicht.
Der Yoga-PC kann wie ein normaler Klapp-Rechner funktionieren und aussehen – mit einer exzellenten Tastatur vorne und einem scharfen 13,3-Zoll-Display mit Touch-Steuerung. Es kann aber auch in einen Tablet-Modus gefaltet werde. Die Tastatur ist dann hinter dem Display versteckt – mit den Tasten an der Außenseite, um darauf tippen zu können.
Eine dritte Position, der „Stand-Modus", verwandelt das Yoga in eine Art Mini-Monitor, um beispielsweise Filme im Flugzeug zu sehen. Dabei wird der Bildschirm hochgeklappt, die Tastatur befindet sich dahinter. Die letzte Position, der „Zelt-Modus", verwandelt das Gerät in ein umgedrehtes „V", wobei der geneigte Bildschirm nach oben zeigt. In diesem Modus ist der Bildschirm starrer als im Stand-Modus. Dadurch eignet er sich besser zur Fingersteuerung.
Ich bewundere das Yoga für seine Kreativität und die für Lenovo typische Qualität. Es funktionierte gut mit bekannten klassischen Windows-Programmen. aber auch bei den neuen für Tablets optimierten Apps. Es ist schnell und die Oberfläche lässt sich flüssig bedienen. Das Gerät ist mit knapp 1,5 Kilogramm relativ leicht und 1,7 Zentimeter dünn. Auf dem Yoga-PC läuft die Vollversion von Windows 8, mit der die meisten existierenden Windows-Programme funktionieren.
Allerdings habe ich auch einige wesentliche Nachteile des Yogas gefunden. Trotz des gesalzenen Preises besitzt es einen recht kleinen Speicher und eine nur mittelmäßige Akkulaufzeit. Außerdem fehlt eine Hintergrundbeleuchtung der Tastatur. Im Tablet- und Stand-Modus befindet sich die Tastatur auf der Unterseite, wodurch Dreck oder Feuchtigkeit auf einer entsprechend verunreinigten Oberfläche eindringen könnten. Die Tastatur ist leicht eingesenkt, um dieses Risiko zu vermindern und in den beiden Modi deaktiviert. Dennoch bereitete es mir Sorgen, dass sich die ungeschützte Tastatur auf der Unterseite des Computers befindet.
Schlimmer noch ist allerdings ein Fehler, der in regelmäßigen Abständen die wichtigsten Funktionen des Touchpads deaktiviert – zum Beispiel Zwei-Finger-Scrollen und die Möglichkeit, mittels Wischgesten das Windows-8-Menü, die sogenannten Charms, aufzurufen. Lenovo versprach, den Fehler zu beheben, den sie auf eine seltsame Wechselwirkung zwischen der von einem Dritthersteller stammenden Software für das Touchpad und Microsoft Office zurückführten. Doch die Versuche des Unternehmens, den Fehler während meiner Testzeit zu beheben, schlugen fehl.
Sollten Sie erwägen, das Yoga zu kaufen, empfehle ich Ihnen auf jeden Fall zunächst zu prüfen, ob dieser Fehler behoben ist. Auch wenn es einen Touchscreen besitzt, ist das Touchpad für die meisten Nutzer immer noch der natürliche Weg, um klassische Desktop-Software unter Windows zu steuern.
Das 13-Zoll-Yoga, das ich getestet habe, wird es ab Dezember auch in einer 11-Zoll-Variante geben, die in Deutschland ab 800 Euro zu haben sein wird. Doch auf diesem kleineren und leichteren Modell wird eine Variante von Windows namens RT laufen, die – anders als beim größeren Yoga – nicht die Installation klassischer Windows-Desktop-Software erlaubt. Auch wenn beide Geräte jeweils als Laptop oder Tablet betrieben werden können, beschreibt Lenovo die große Variante offiziell als „Notebook-zentriert" und die kleinere als „Tablet-zentriert".
Tatsächlich kam mir der Tablet-Modus des Yoga 13 holprig vor – ähnlich wie bei vielen Konkurrenten mit Windows 8, die sich ebenfalls in ein Tablet verwandeln lassen. Es ist mehr als doppelt so schwer wie das schwerste iPad und fast doppelt so dick. Ich habe versucht, ein E-Book mit dem Yoga im Tablet-Modus zu lesen und nach einiger Zeit aufgegeben, weil ich es als Tablet einfach zu unhandlich fand.
Als normaler Laptop allerdings funktionierte es gut – vom Touchpad-Fehler abgesehen. All die neuen Apps im Tablet-Stil liefen reibungslos und flink. Außerdem installierte ich erfolgreich einige der populärsten Desktop-Programme, darunter Microsoft Word, Excel, Powerpoint und Outlook, Googles Webbrowser Chrome, Apples iTunes und den Adobe Reader.
Allerdings werden Sie nicht besonders viele Daten auf dem Yoga speichern können. Es ist derzeit nur mit einem Solid State Drive (SSD) mit 128 Gigabyte Kapazität verfügbar, von denen schockierenderweise nur 60 Gigabyte durch den Anwender genutzt werden können – der Rest wird von Systemdaten belegt. Lenovo wird den verfügbaren Speicher in Kürze auf 70 Gigabyte anheben, doch das ist immer noch erbärmlich wenig. Eine optional verfügbare SSD mit 256 Gigabyte Kapazität soll es gegen Aufpreis auch bald geben.
In meinem Akku-Test, bei dem ich alle Energiesparoptionen ausstelle, die Bildschirmhelligkeit auf 100 Prozent setze, die WLAN-Verbindung aktiviere, um E-Mails abzurufen und Musik abspiele, bis der Akku leer ist, hielt das Yoga 13 nur 4 Stunden und 31 Minuten durch. Zum Vergleich: Apples ähnlich großes Macbook Air hielt denselben Test 6 Stunden durch. Bei normaler Nutzung nehme ich an, dass Sie eine Betriebszeit zwischen fünf und fünfeinhalb Stunden aus dem Yoga herausquetschen können. Die Konfiguration des Yoga 13, die ich getestet habe, ist eine spezielle, die es bei der US-Kette Best Buy zu kaufen gibt. Sie ist mit einem Mittelklasse-Prozessor von Intel und 4 Gigabyte Arbeitsspeicher ausgestattet. Die in Deutschland verfügbare Version für knapp 1.300 Euro bietet doppelt so viel Arbeitsspeicher.
Wenn man diesen Computer in der Hand hält, fühlt er sich gut an. Die Hülle fühlt sich weich an und ist teilweise in Leder gehüllt. Für die Entwicklung dieses Designs gebührt Lenovo Lob. Doch der Touchpad-Fehler, der geringe Speicher und die Akkulaufzeit kombiniert mit einem hohen Preis lassen das Yoga 13 alles andere als ideal erscheinen.
Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de



Lenovo





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