• The Wall Street Journal

Dividenden-Strategie bei Aktien trotz Eon weiter attraktiv

Dass eine hohe Dividendenrendite den Anlegern am Aktienmarkt keine Sicherheit bietet, zeigt derzeit die Aktie von Eon. In den vergangenen Tagen ist ihr Kurs um 15 Prozent eingebrochen. Dabei zahlt der Konzern für dieses Jahr eine Dividende von 1,10 Euro je Aktie, was aktuell einer Rendite von fast acht Prozent entspricht.

Dabei sind so genannte Dividendenstrategien ‚in', also der Kauf von Aktien mit hohen Dividendenrenditen. Sie gelten als Alternative zum Anleihenmarkt, der derzeit nur sehr niedrige Renditen abwirft. Am Markt werden deshalb immer neue Fonds oder Zertifikate auf dividendenstarke Aktien aufgelegt. Und ihre Befürworter lassen sich auch von Entwicklungen wie bei Eon nicht beeindrucken.

"Hohe Dividenden wirken wie ein Puffer, wenn der Markt fällt", sagt Thomas Schüssler, Fondsmanager der DWS. Und er hat nachgerechnet: In Abschwungphasen machen Werte mit einer hohen Dividende den Rückschlag des Gesamtmarktes nur zu 74 Prozent mit, in Aufschwungphasen vollziehen sie die Performance aber zu 100 Prozent nach.

Dividendenstarke Titel halten sich im Abschwung besser

Ein Grund dafür sei, dass die Dividenden auch in Rezessionen ziemlich stabil blieben, obwohl die Unternehmensgewinne in Abschwungphasen um durchschnittlich 30 bis 50 Prozent zurückgingen. In den Krisenjahren 2008 und 2009 hätten sogar mehr Unternehmen die Dividende erhöht als gesenkt.

"Das Eingehen von Risiken wird am Markt nicht belohnt, sondern bestraft", sagt auch Michael Fraikin, Chef der Anlagestrategie bei Invesco. Risiko misst er in Kursausschlägen, der so genannten Volatilität. Hoch volatile Aktien werfen nach seinen Berechnungen niedrigere Erträge ab als der Gesamtmarkt.

Trotzdem setzen gerade Privatanleger immer wieder auf solche Aktien. Nach einer Untersuchung der Fondsanalysegesellschaft Morning Star haben Anleger in der jüngsten Krise immer wieder Aktien gekauft, die im Monat zuvor besonders stark gefallen waren. "Grund ist blindes Vertrauen, für höheres Risiko gäbe es höhere Erträge", sagt Fraikin. Und das habe sich empirisch als falsch herausgestellt. Die höheren Erträge gebe es bei großen Titeln mit niedriger Volatilität, und das seien häufig Aktien mit hoher Dividendenrendite. "Solche Aktien sind vielleicht keine eierlegenden Wollmilchsäue, kommen aber solchen sehr nahe", gibt er sich überzeugt.

Zu hohe Dividendenrenditen sind auch nicht gut

Und Eon? Ein Grund für den Kurssturz ist, dass Eon die Dividende für das kommende Jahr kürzen wird. Doch auch dieses Risiko ist laut Schüssler beherrschbar: "Anleger sollten Aktien mit extrem hohen Dividendenrenditen verkaufen und so das Risiko für Kürzungen minimieren", lautet seine Empfehlung. Das größte Risiko für Dividendenkürzungen gebe es bei Dividendenrenditen im zweistelligen Prozentbereich, solche seien nicht "nachhaltig".

Aber auch Dividendenrenditen von oberhalb von sechs bis sieben Prozent erhöhten das Risiko für Kürzungen stark. Die größte Dividendensicherheit sieht er bei Aktien mit Dividendenrenditen von drei bis vier Prozent. Daneben schaut er auf den Kapitalfluss: Je stabiler der zukünftige Cashflow aussehe, desto höher sei die Dividendensicherheit.

Fraikin verweist darauf, dass Unternehmen wie Nestle ihre Dividenden kontinuierlich erhöhen. Dadurch werde auch der Kurs nach oben gedrückt. Und auch für die Entwicklung bei Eon hat der Invesco-Stratege eine Erklärung parat: "Wenn der Staat eine Teilenteignung vornimmt und die Wettbewerbssituation verdreht, haben Aktionäre das Nachsehen".

Kontakt zum Autor: herbert.rude@dowjones.com

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