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Line – Japans Facebook hat große Pläne

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Die japanische Firma NHN will mit dem sozialen Netzwerk Line die Welt erobern.

Line ist gerade einmal 17 Monate alt. In der App-Welt ist das jedoch schon eine Menge. Das aus Tokio stammende Programm macht sich auf, soziales Netzwerken im Zeitalter der Smartphones neu zu erfinden.

Die App hat mehr als 70 Millionen Nutzer und bietet vor allem Kurznachrichten und Internettelefonie an – ähnlich dem, was der Telefoniedienst Skype bereits seit Jahren leistet. Aber das Unternehmen hinter Line will mehr sein als nur eine Nachrichtenzentrale. Die Firma sieht ihr Programm als Ausgangspunkt, als Basis. Man will eine Alternative zu den beliebten US-Netzwerken und -Diensten wie Facebook, Twitter, Zynga und Instagram anbieten.

„Wir haben in Asien eine Bewegung ins Leben gerufen, und wir hoffen, dass sie sich bis nach Europa, in die USA und noch an andere Orte ausbreitet", sagt Akira Morikawa, CEO von NHN Japan, dem Entwickler von Line. Das Unternehmen ist eine Tochterfirma des südkoreanischen NHN-Konzerns, die dort die dominierende Suchmaschine und das Portal Naver betreibt, koreanische Versionen von Google und Yahoo .

Kontakte werden durchsucht

Sobald sich eine Person bei Line anmeldet, findet die App automatisch befreundete Nutzer, indem sie die auf dem Smartphone gespeicherten Kontakte durchsucht. Bestimmte Personen können nach Wunsch ausgeschlossen werden. Anschließend lassen sich Textnachrichten verschicken, die sowohl aus einfachen Buchstaben, aber auch aus kleinen bunten Grafiken und virtuellen Stickern bestehen können.

Obwohl die App ein Hit ist, liegen große Hürden vor ihren Machern. Es gibt bereits eine Vielzahl an Kommunikationsprogrammen für Smartphones. Skype, WhatsApp und Facetime sind nur einige davon. Alleine in Asien muss sich Line gegen Konkurrenten wie KakaoTalk in Südkorea und WeChat von Tencent Holding durchsetzen. Allein WeChat kommt auf etwa 200 Millionen Nutzer, die meisten davon in China.

„Es dürfte eine große Herausforderung für Line werden, in Länder vorzudringen, in denen es bereits einen dominanten Anbieter gibt", sagt Jessica Kwee, eine Analystin der Marktforscher von Canalys. „Nutzer wollen in der Regel nicht mehrere IM-Plattformen gleichzeitig nutzen." Kwee fügt hinzu, dass Line außerhalb von Asien noch kaum eine Präsenz vorweisen kann. Sie könne nicht sagen, ob virtuelle Sticker auch in anderen Teilen der Welt auf so viel Interesse stoßen.

In vielen asiatischen Ländern gibt es bereits lokale soziale Netzwerke. Doch die Angebote beschränken sich in der Regel auf den heimischen Markt, berichtet Yoshiya Nakamura, ein Nielsen-Analyst. Facebook und Twitter hingegen seien überall beliebt.

Die Stärke von Line liegt laut Morikawa darin, dass die Plattform exklusiv für Smartphones entwickelt wurde. Während Skype und Facebook ihre Wurzeln im PC-Zeitalter und die Konversation von Computer zu Computer geprägt haben, will Line zum Vorreiter bei Smartphones werden.

Der mobile Datenverkehr nimmt immer mehr zu

Der mobile Datenverkehr nimmt immer mehr zu. Im September machten mobile Geräte 12 Prozent des gesamten Onlinetraffics aus. Das war fast doppelt so viel wie im Vorjahr. Laut StatCounter ist der Trend in Asien noch deutlicher zu erkennen. Hier entfallen fast 20 Prozent des Datenverkehrs auf mobile Geräte. Zum Vergleich: In Nordamerika sind es gerade einmal 10 Prozent.

In diesem Jahr hat Line seine Apps um den Fototauschdienst Line Camera, das Puzzlespiel Line Birzzle, das Malprogramm Line Brush und Line Cards, eine App zum Versenden digitaler Postkarten, erweitert. Innerhalb des Hauptprogramms wurde außerdem ein Coupon-Feature eingebaut, ähnlich Groupon . In einer Timeline können Beiträge mit Freunden geteilt werden und einen an Twitter erinnernden Service für Prominente und Unternehmen gibt es auch.

Line konzentriert sich darauf, seine Nutzerbasis auszubauen. Umsatz und Gewinn sind laut NHN zunächst zweitrangig. Mit diesem Ansatz waren zuvor schon zahlreiche andere Start-ups gescheitert. Da die App kostenlos ist, werden Erlöse vor allem mit dem Verkauf der virtuellen Sticker erzielt, die umgerechnet bis zu 1,60 Euro kosten können. Weitere Einnahmen verspricht sich der Konzern durch Gebühren von offiziellen Firmenaccounts.

NHN wollte sich nicht zu den Erlösen bei Line äußern. Der Konzern erklärte lediglich, man habe im August mit virtuellen Stickern 3,8 Millionen US-Dollar an Einnahmen erzielt. Das Debüt von Line kam am 11. März 2011. Während der Naturkatastrophe in Japan erkannten Entwickler, dass Textnachrichten viel besser durch langsame Mobilfunknetze versendet werden konnten als normale Telefonanrufe.

Etwa 32 Millionen der mehr als 70 Millionen registrierten Line-Nutzer kommen aus Japan. Und auch wenn die App Anwender in 230 verschiedenen Ländern und Regionen listet, so kommt der Hauptteil nichtjapanischer Nutzer aus Taiwan und Thailand. Nun will man sich darauf konzentrieren, in den USA und China mehr Zuwachs zu erzielen.

Bisher hat Line jedoch Probleme, die Nutzer von seinen anderen Angeboten zu überzeugen. In einer Umfrage vom September erklärten mehr als 60 Prozent der Anwender, sie würden die App vor allem wegen des Chat-Dienstes nutzen.

In den USA muss Line von Null starten. NHN Japan erklärt, man würde Marktforschung betreiben, um herauszufinden, welche Angebote für amerikanische Nutzer besonders attraktiv wären. „Wenn wir wissen, welche Dienste besonders beliebt sind, können wir unsere Plattform darauf aufbauen", sagt Morikawa. „Wir wissen, dass es nicht einfach wird, und dass wir keine Garantie haben, dass es funktioniert. Aber wir mussten es versuchen."

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