• The Wall Street Journal

Chinas neue Führung bekommt Konturen

PEKING – Mit dem Rücktritt des amtierenden chinesischen Staatspräsidenten Hu Jintao als Chef der Kommunistischen Partei und der Wahl der neuen Mitglieder im Zentralkomitee sind die Weichen für den Machtwechsel in der Volksrepublik gestellt.

Der 18. Parteikongress, der am Mittwoch in der Großen Halle des Volkes in Peking seinen Abschluss fand, legte außerdem die Mitglieder in der Zentralen Kontrollkommission fest, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete. Damit zeichnet sich ab, wie die künftige Staatsführung aussehen könnte.

Reuters

Vizepremier Wang Qishan ist in die für interne disziplinarische Fragen zuständige Zentrale Kontrollkommission der KP Chinas gewählt worden, möglicherweise ein Zeichen dafür, dass die Partei es mit der Korruptionsbekämpfung ernst meint.

Am Donnerstag wird das neue Zentralkomitee zusammentreten, um den Ständigen Ausschuss des Politbüros zu bestimmen, der neben dem Generalsekretär der Partei aus acht Mitgliedern besteht und der das eigentliche Machtzentrum der Partei und Staatsführung ist. Es ist zu erwarten, dass der bisherige Vizepräsident Xi Jinping dem zurückgetretenen Hu Jintao als Parteichef folgen wird.

Aus der Postenverteilung lassen sich dann möglicherweise erste Schlüsse ziehen, wie die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt ihre großen Herausforderungen der nächsten Jahre angehen will. Dazu gehören politische Reformen ebenso wie Lösungen für das drängende Korruptionsproblem und eine weitere Liberalisierung der Wirtschaft, wo die Macht der großen Staatskonzerne zunehmend zum Problem wird.

Einen Hinweis auf eine größere Dringlichkeit in der Korruptionsbekämpfung lieferte der Parteikongress bei der Besetzung der Zentralen Kontrollkommission, die für disziplinarische Probleme innerhalb des Parteiapparates zuständig ist.

Ihr gehört künftig Vizepremierminister Wang Qishan an, der sowohl in politischen wie wirtschaftlichen Fragen als Schwergewicht gilt und dem erhebliche Kompetenz bei der Lösung akuter Probleme zugebilligt wird. Mehrfach diente er als Unterhändler mit ausländischen Politikern in Finanz- und Wirtschaftsfragen.

Wenn Wang zum Vorsitzenden der Kommission würde, wäre das eine Enttäuschung für einige liberale Kräfte. Sie hatten darauf gesetzt, dass er künftig für die Reform der Finanzmärkte verantwortlich wird. Aber auch im Kampf gegen die Korruption könnte er sich als effektiv erweisen.

Wang gilt wie Xi Jinping und Vize-Ministerpräsident Li Keqiang als sicherer Kandidat für die Aufnahme in den Ständigen Ausschuss des Politbüros. Xi dürfte Anfang kommenden Jahres Nachfolger von Hu Jintao im Amt des Staatspräsidenten werden. Zur gleichen Zeit wird Li wahrscheinlich den aktuellen Ministerpräsidenten Wen Jiabao ablösen.

Beobachter zeigten sich gespannt, ob der Ständige Ausschuss, das wichtigste Machtgremium des Landes, wie erwartet von neun auf sieben Mitglieder verkleinert wird. Ein solcher Schritt könnte darauf hindeuten, dass die neue Führung schneller zu Entscheidungen kommen will. Auch könnten so einige Ämter, in denen sich zu viel Macht angesammelt hat, aufgelöst werden.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Panorama

  • [image]

    Tausende Türken im regungslosen Protest

    Erdem Gündüz ist zur neuen Symbolfigur der türkischen Proteste geworden. Acht Stunden lang stand er auf dem Taksim-Platz in Istanbul – und rührte sich nicht. Im ganzen Land machen es ihm Menschen gleich.

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 18. Juni

    Beim berühmten Pferderennen im britischen Ascot trinkt man trotz äußerer Eleganz den Sekt gern aus der Flasche, in Indien huldigen Hindus dem heiligen Fluss Ganges und in Madrid rücken die Abrissbagger in ein Elendsviertel ein. Das und mehr sehen Sie in unseren Fotos des Tages.

  • [image]

    Obama in Europa: Tanzen mit Angie, Boxen mit Wowi

    US-Präsident Barack Obama kommt viel herum - nicht nur, aber öfter in Deutschland, auch in Frankreich, Tschechien oder Großbritannien jubelt ihm die Menge zu. Wir zeigen schöne, nachdenkliche und sportliche Momente mit Obama in Europa.

  • [image]

    Spektakuläre Formen - Autos wie Skulpturen

    "Sinnlicher Stahl: Autos des Art Deco", unter diesem Titel zeigt das Frist Center for Visual Arts in Nashville, Tennessee, 19 Autos und zwei Motorräder. Die Ausstellung ist gewissermaßen eine Hommage an das im Art Déco gehaltene Gebäude: Sie zeigt Fahrzeuge in sinnlicher Strenge.

  • [image]

    Vom Holzmotorrad zum Schuhauto - die kuriosesten Fahrzeuge

    Mit Kristallen besetzte Autos oder ein Motorrad aus recycelten Fahrradteilen: Wer mit diesen Fahrzeugen unterwegs ist, zieht mit Sicherheit die Blicke auf sich. Wir zeigen, wie Menschen auf der ganzen Welt ihre fahrbaren Untersätze verschönern.

  • [image]

    Hochhauspreise schießen in den Himmel

    Investoren haben zuletzt zunehmend sehr große Summen für Hochhäuser in New Yorks Stadtteil Manhatten bezahlt. Einige der Gebäude in unserer Bildergalerie.

  • [image]

    Was 3D-Drucker können

    Immer mehr Unternehmen setzen 3D-Drucker im alltäglichen Geschäft ein. Ford nutzt sie bisher nur zur Herstellung von Prototypen. Der Autohersteller träumt aber von einer Zukunft, in der Kunden ihre eigenen Ersatzteile drucken können.

  • [image]

    Steiniges Heim in Kalifornien

    Sonne, Strand, spanisch-mexikanische Straßenzüge und entspannte Menschen: Santa Barbara an der Westküste der USA lockt Hollywood-Stars und Musiker an, die keine Lust auf Trubel haben. Unser Haus der Woche in den Hügeln über der Stadt bietet Ruhe - und atemberaubende Ausblicke.