Von CHRISTOPH RAUWALD
FRANKFURT—Die sinkende Auto-Nachfrage in Europa treibt deutsche Fahrzeughersteller wie Volkswagen zunehmend nach China. Dort verkaufte der Wolfsburger Automobilkonzern in den ersten 10 Monaten des Jahres mehr als doppelt so viele VWs wie im außerdeutschen Westeuropa.
Wachsende Arbeitslosigkeit und eine lahmende Wirtschaft drosseln in vielen westeuropäischen Ländern die Nachfrage und dürften den Absatz in der Autoindustrie in diesem Jahr zum fünften Mal in Folge drosseln. In China aber, wo die Autoindustrie noch wächst, steigern die deutschen Fahrzeughersteller ihre Marktanteile. Sie profitieren von ihrer Stärke bei der Produktion hochwertiger Karossen.
VW, der mengenmäßig größte europäische Autoproduzent, investiert stark in Asien, um sich einen langfristigen Wettbewerbsvorteil außerhalb Europas zu sichern. Der Konzern, der von den deutschen Familien Porsche und Piëch geführt wird, ist der Marktführer in China. Von ihrem Markteinstieg im Jahr 1985 bis zum vergangenen Jahr gaben die Wolfsburger insgesamt 12,4 Milliarden Euro aus, um ihre Präsenz in dem Land zu festigen. Nun sollen bis 2016 noch einmal 14 Milliarden Euro nach China fließen, vor allem für neue Fabriken und die Markteinführung neuer Fahrzeugmodelle.
In den vergangenen Jahren hat sich China zum weltgrößten Autoproduzent entwickelt. Ein Viertel der weltweiten Neufahrzeuge stammt inzwischen aus chinesischer Produktion, belegt eine am Dienstag veröffentlichte Gemeinschaftsstudie der Unternehmensberatung Oliver Wyman und des deutschen Branchenverbands VDA. Mehr als 17 Millionen Fahrzeuge rollten allein im vergangenen Jahr von den chinesischen Fertigungsbändern. 2005 waren es erst 5,2 Millionen.
Die wachsende Bedeutung der Schwellenländer, allen voran China und Indien, stelle die Autoindustrie jedoch vor „enorme Herausforderungen", schreiben die Berater in ihrem Bericht. „Europa wird ein starker Industriestandort bleiben und seinen dominanten Vorsprung in Forschung und Entwicklung aufrechterhalten", heißt es. Allerdings würden einheimische Hersteller im Ausland noch deutlich stärker werden.
Der Wettbewerb in den Schwellenländern verschärft sich. In China hat sich die Zahl der einzelnen Automarken in den zehn Jahren bis 2011 von 26 auf 60 schon mehr als verdoppelt, schreiben die Analysten von Oliver Wyman.
VW hat Europas Absatzkrise fast unbeschadet überlebt
Bisher hat Volkswagen mit seiner breiten Angebotspalette – von Luxusmarken wie Audi, Bentley und Porsche bis zu massentauglichen Marken wie VW und Skoda, von den Lastwagenmarken MAN und Scania bis zu Ducati-Motorrädern – die Wachstumschancen in Asien jedoch gut nutzen können. Die Absatzkrise in Europa hat der Konzern bislang so gut wie unbeschadet überstanden. Während konkurrierende Massenanbieter wie PSA Peugeot-Citroën, Fiat, Ford und die General-Motors -Sparte Opel/Vauxhall mit Verlusten in der Region kämpfen und tausende Arbeitsplätze in Gefahr sind, steigerte VW in den vergangenen Quartalen seine Umsätze und Erträge.
„Vor allem außerhalb von Europa haben wir im Oktober teilweise deutlich zugelegt", sagte Vertriebsvorstand Christian Klingler am Dienstag. Die weltweiten Verkäufe von Autos der Marke VW lagen im Oktober mit 501.300 gegenüber dem Vorjahr um 16 Prozent höher. In den ersten zehn Monaten dieses Jahres wurden mit 4,72 Millionen Fahrzeugen 11 Prozent mehr Autos verkauft.
In Westeuropa, Deutschland ausgenommen, sanken die Auslieferungen in den ersten zehn Monaten um 6 Prozent auf 719.100 Fahrzeuge, was vor allem an der Wirtschaftsmisere in hoch verschuldeten Ländern wie Spanien und Italien lag. In Deutschland verkaufte VW immerhin noch 0,6 Prozent mehr Fahrzeuge. Die Lage in Europa bleibe schwierig, sagte Vertriebschef Klingler.
In Nord- und Südamerika und im Raum Asien-Pazifik dagegen läuft das Geschäft gut. Zwischen Januar und Oktober wurden in Fernost fast 1,9 Millionen Autos und damit 17 Prozent mehr ausgeliefert. In China allein stieg der Absatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 18 Prozent auf mehr als 1,7 Millionen VW-Fahrzeuge.
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