Von ARCHIBALD PREUSCHAT
Eigentlich waren die Gaskraftwerke politisch gewollt: Zwar verfeuern auch sie einen fossilen Brennstoff, aber sie sind wesentlich umweltfreundlicher und effizienter als beispielsweise Braunkohlekraftwerke und sicherer als die Kernkraft. Eon hat auf Erdgas gesetzt. Doch die Kraftwerke laufen kaum noch, sind weit davon entfernt, die Kapitalkosten zu verdienen. Deutschlands größter Energieversorger muss deswegen seine Prognosen kippen. Und weniger Dividende gibt es ab nächstem Jahr auch. Das ist Gift für den Aktienkurs, der stürzt um zehn Prozent ab.
Als Schuldigen für seine Misere hat Eon die Erneuerbaren Energien ausgemacht. Sie verderben die Preise im Großhandel. Immer mehr Strom aus Sonnen- und Windkraft wird in die Netze gespeist – und dieser hat Vorrang gegenüber anderen Energiearten. Der Staat hat sich die Förderung der Erneuerbaren Energien auf die Fahnen geschrieben, um unabhängig von Atomkraft und Co. zu werden. Der Eingriff in den freien Markt macht einen Strich durch Eons Investment, das auf Dauerbetrieb kalkuliert war.
Auch in der Telekommunikation wird munter reguliert – national wie international. Die Gebühr, die ein Anbieter seinem Mitbewerber zahlen muss, wenn ein Gespräch in dessen Netz landet, sinkt kontinuierlich. Und wo sich Anbieter mit Roaming-Gebühren früher eine goldene Nase verdient haben, deckelt die EU mittlerweile kräftig. Mit bizarr anmutenden Folgen: Die im Ausland verschickte SMS ist häufig billiger als die Textnachricht in Deutschland. Darunter leidet auch die Deutsche Telekom.
Die Krux für beide Branchen: Die Einnahmen stagnieren bestenfalls, gleichzeitig müssen die Unternehmen investieren, und zwar nicht zu knapp: Es scheint eben nicht immer die Sonne, weht nicht immer Wind – und für diese Zeiten braucht es Gaskraftwerke, damit in Deutschland nicht die Lichter ausgehen.
Milliarden-Investitionen sind nötig
Bei den Telekoms ist es nicht anders: Wir alle wollen mit dem Smartphone an jedem Ort der Republik ausreichend Empfang haben, und schneller soll es auch gehen. Dafür braucht es modernste Mobilfunknetze – LTE ist das Stichwort.
Knapp eine Milliarde Euro kann ein Gaskraftwerk kosten, rund drei Milliarden investiert die Telekom jährlich in den Netzausbau, Tendenz steigend.
Dieses Geld muss irgendwo herkommen. Da das laufende Geschäft nicht mehr genug hergibt, um obendrein noch üppige Dividenden zu finanzieren, sind jetzt die Aktionäre dran. Bei Eon ist der Trend weg von üppigen Dividenden bereits eingeläutet: Drei Jahre lang, zwischen 2008 und 2010 zahlte der Versorger den Anlegern eine stabile Dividende von 1,50 Euro je Aktie. 2011 gab es ein Drittel weniger: Es galt den Atomausstieg zu verdauen. In diesem Jahr sollen es noch einmal 1,10 Euro werden, doch das Dividendenversprechen für 2013 gilt seit gestern nicht mehr. Wie stark Eon die Ausschüttung kappt, ist noch offen. Sollten es noch 85 Cent werden, könnten sich Anleger nach Meinung von Analysten aber glücklich schätzen.
Die Telekom hat ihre Dividendenversprechen bislang gehalten, ein Rendite-starker Hafen ist die T-Aktie aber auch nicht – zumindest nicht mehr. Spätestens im Dezember wird der Bonner Dax-Konzern auch seinen Investoren mitteilen, dass sie sich in Zukunft bescheiden müssen.
Eon und die Telekom waren über Jahre die Werte mit der höchsten Dividendenrendite im Dax. Gebracht hat das den Anlegern herzlich wenig. Für Eon-Aktien geht es seit Ende 2007 schnurstracks nach unten, die Telekom-Aktie dümpelt seit Jahren vor sich hin und liegt nur unwesentlich über ihrem Allzeittief. Wenn der kurzfristige Schreck über die Dividendenkürzung verflogen ist, sollten Anleger diese als das verstehen, was sie in Wirklichkeit sind: Ein notwendiges Übel, das den Konzernen die Möglichkeit, mit Investitionen die chronische Wachstumsschwäche zu durchbrechen. Gelingt ihnen das, dürften die Aktionäre die ersten sein, die davon profitieren.
Kontakt zum Autor: archibald.preuschat@dowjones.com






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